Die jungen Kangale sind neugierig und wachsam. Die Hunde mit dem hellen Fell brauchen aber auch viel Auslauf. Die Zwinger auf dem Gnadenhof sind dafür zu klein. Deshalb sucht Leiterin Silvia Stalinski neue Besitzer für die insgesamt elf Kangals.
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Die jungen Kangale sind neugierig und wachsam. Die Hunde mit dem hellen Fell brauchen aber auch viel Auslauf. Die Zwinger auf dem Gnadenhof sind dafür zu klein. Deshalb sucht Leiterin Silvia Stalinski neue Besitzer für die insgesamt elf Kangals.

Treue Beschützer

Birkenhof Nieder-Mockstadt: Elf Kangal-Hunde brauchen neues Zuhause

  • Anna-Luisa Hortien
    vonAnna-Luisa Hortien
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Elf Kangal-Hunde leben derzeit auf dem Birkenhof in Nieder-Mockstadt. Sie brauchen ein neues Zuhause. Die künftigen Besitzer müssen allerdings zuerst einen Test bestehen.

Eine ruhige Minute gibt es auf dem Birkenhof in Nieder-Mockstadt selten. In einem Zwinger nahe des Eingangs tummeln sich drei sandfarbene Hündinnen. Sobald Silvia Stalinski an ihrem Zwinger vorbeigeht, kommen sie erwartungsvoll an den Zaun gelaufen und wedeln mit dem Schwanz. Mit Bellen machen die knapp ein Jahr alten Hündinnen auf sich aufmerksam. Im Zwinger nebenan leben ihre Eltern. Sie haben ebenfalls helles Fell, das nur um die Augen, Ohren und die Schnauze herum dunkler ist. Das typische Markenzeichen der Hunderasse Kangal.

Seit einigen Wochen leben das Elternpaar und die insgesamt sieben Welpen auf dem Birkenhof am Ortsrand von Nieder-Mockstadt. Der Gnadenhof hat sie aus dem Tierheim in Frankfurt übernommen. "Bei uns haben sie mehr Platz", sagt Silvia Stalinski. Sie ist Leiterin des Birkenhofes, der vom Tierschutzverein Frankfurt betrieben wird.

Immer wieder kommen neue Kangals auf den Birkenhof. Acht hat Silvia Stalinski schon erfolgreich vermittelt, elf warten derzeit auf ein neues Zuhause. Nicht nur ihr Aussehen macht die Rasse besonders. Die Tiere brauchen viel Auslauf und seien nicht für die Haltung in der Wohnung geeignet, sagt Silvia Stalinski. "Wir können ihnen hier auch nicht den Platz bieten, den sie bräuchten. Am besten wäre ein Bauernhof, auf dem sie mitlaufen könnten." Denn die Kangals sind Herdenschutzhunde. Ursprünglich kommen sie aus der Türkei.

Birkenhof Nieder-Mockstadt: Kangals brauchen erfahrene Hundehalter

Kangal-Hündin Kaya lebt schon eine Weile auf dem Birkenhof. Sie war an der Autobahn ausgesetzt worden. Das kürzlich eingezogene Elternpaar, Kiba und Artesh, sei von einem jungen Pärchen abgegeben worden. "Ihnen war angeblich nicht klar, dass die Hündin schwanger war", sagt Silvia Stalinski. Die insgesamt sieben Welpen seien im Frühjahr im Tierheim zur Welt gekommen. Silvia Stalinski appelliert: "Bevor man sich ein Tier anschafft, sollte man sich das genau überlegen. Man kann es nicht einfach wieder loswerden, wenn man keine Lust mehr hat."

In einem anderen Gehege ist Kangal-Hündin Shiba untergebracht. Als Stalinski zu ihrem Gehege kommt, wedelt sie aufgeregt mit dem Schwanz. Sie hofft auf Streicheleinheiten und etwas Ansprache. Stalinski steckt ihre Finger durch den Zaun und begrüßt ihre "Süße", die sie, wie die anderen Tiere, längst ins Herz geschlossen hat. Die Tierpflegerin wünscht sich, dass für alle Hunde bald neue Besitzer gefunden werden, die ihnen ein besseres Leben ermöglichen.

Stalinski gibt die Kangals aber nur an erfahrene Hundehalter ab. "Die Hunde brauchen eine feste Hand." Ausgewachsene Rüden haben eine Widerristhöhe von bis zu 80 Zentimetern und sind rund 60 Kilo schwer. Das Herrchen müsse sich als Rudelführer durchsetzen. Dann seien die Hunde ihm treu ergeben und würden ihr Herrchen immer beschützen.

Birkenhof Nieder-Mockstadt: Jede Woche neue Fälle

Allerdings sind Kangals in zwei Bundesländern als gefährliche Hunde eingestuft. Auch in Hessen. Daher muss zum Halten eines Kangals oder einer Kangal-Kreuzung eine Erlaubnis eingeholt werden, die an einen Wesenstest des Hundes und einen Sachkundenachweis des Halters gebunden ist.

Beim Wesenstest beurteilt ein Experte, zum Beispiel ein Tierarzt, das Verhalten des Tieres in verschiedenen Situationen, der Sachkundenachweis umfasst Fragen, die das Herrchen richtig beantworten muss. Dass die Gnadenhofhunde den Test bestehen, daran hat Silvia Stalinski kaum Zweifel. "Sie sind keine Beißer und nicht aggressiv."

Neben Hunden leben auch Pferde, Gänse, Katzen, Ziegen und viele andere Tiere auf dem Gnadenhof. Sie kommen meist aus schlechten Verhältnissen, sind alt, krank, verwahrlost oder wurden misshandelt. Die Mitarbeiter haben sie aufgepäppelt und ihnen ein neues Zuhause gegeben.

Doch: "Es wird jedes Jahr schwerer", sagt Silvia Stalinski. Wöchentlich wird sie mit neuen Fällen konfrontiert. Der Hof ist auf Spendengelder angewiesen. Und trotzdem kommt Stalinski seit über 20 Jahren jeden Tag gerne auf den Gnadenhof. "Für mich ist es kein Beruf, sondern eine Berufung", sagt sie. "Die Liebe zu den Tieren überwiegt alle Sorgen und Probleme."

Birkenhof Nieder-Mockstadt: Tiervermittlung und Spenden

Normalerweise ist der Gnadenhof jeden Sonntag von 13 bis 15 Uhr für Besucher geöffnet. Zurzeit bleibt der Hof wegen der Ausbreitung des Cornoavirus aber geschlossen. Trotzdem suchen Hunde und Katzen ein neues Zuhause. Die Tiervermittlung erfolgt nach persönlichem Kontakt unter Tel. 01 73/2 67 28 60. Die Mitarbeiter und Tiere freuen sich auch über Geld- und Sachspenden sowie Gutscheine. Ein Spendenkonto ist ebenfalls eingerichtet (Sparkasse Oberhessen, IBAN: DE52 5185 0079 0095 0117 99, BIC: HELADEF1FRI).

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