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Alle drei Meter wird ein Apfelbaum auf der neuen Kelterobstwiese gesetzt. Dieses Jahr sind bereits 3100 Apfelbäume gesetzt worden, sagen (v. l.) Klaus-Dieter Kneip, Horst Wißmer und Steffen Rehde.

Kelterobst-Wiesen-Projekt

Apfelwein aus Wetterauer Äpfeln

Für regionalen Apfelwein und Apfelsaft aus der Kelterei Rapp´s gibt es das Kelterobst-Wiesen-Projekt der Karbener Kelterei. Im Rahmen dessen wurden viele Apfelbäume auf Feldern vor Florstadt gesetzt.

Beim Vorbeifahren fällt auf, dass neben der B 275 kurz vor Florstadt viele neue Bäumchen stehen. Diese wurden im Rahmen des Projekts der Kelterobstwiesen der Kelterei Rapp’s aus Karben gesetzt.

Ziel des Projektes sei es, Apfelsaft und Apfelwein aus regionalen Äpfeln herzustellen, sagt Klaus-Dieter Kneip, Leiter des Projekts und ehemaliger Geschäftsführer der Kelterei Rapp’s. Das Projekt sei entstanden, weil die Belieferung durch regionale Streuobstwiesen immer weiter zurückgegangen sei. Deswegen sollen insgesamt 300 Hektar Land im Wetteraukreis mit Apfelbäumen bepflanzt werden. Das Vorhaben ist in Hessen einmalig.

Bereits 2017 wurde im Rahmen des Projektes in Rosbach eine Musterplantage angelegt. Diese wird von dem Ockstädter Obstbauern Steffen Rehde bewirtschaftet. Auf der Musterplantage finden sich neben den Apfelbäumen auch Blühstreifen für Bienenvölker sowie Nistkästen für Steinkäuze. Bei dem Projekt gebe es eine intensive Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde.

Die neuen Felder wurden von Horst Wißmer zur Verfügung gestellt und werden ebenfalls von Rehde bewirtschaftet. Dieses Jahr sind 3100 Apfelbäume auf Wißmers Feldern gepflanzt worden. Sie wurden mit einer Maschine gesetzt, sodass alle Apfelbäume an einem Tag eingepflanzt worden sind. Insgesamt hat Wißmer bisher vier Felder für das Projekt bereitgestellt, auf denen inzwischen 12 000 Apfelbäume stehen. Im kommenden Jahr sollen noch weitere gepflanzt werden.

Apfelsorten besonders zum Keltern geeignet

Bei den Sorten wurden solche gewählt, die sich besonders gut als Kelterobst eignen. Ihre Namen sind Rewena, Relinda, Zitronenapfel, Topaz, Hilde und Sirius. Im Lebensmittelmarkt findet man diese Sorten eher selten. Für die Kelterei seien sie durch ihre Säure gut geeignet. »Zudem haben wir darauf geachtet, dass die Sorten nicht alle zur selben Zeit geerntet werden«, sagt Kneip. »Der Zitronenapfel ist eine frühe Sorte. Relinda eine mittlere und Hilde beispielsweise eine späte Sorte. So können wir die Erntezeit von September bis November verteilen.« Denn würden alle Sorten gleichzeitig ausgereift sein, wäre es problematisch sie zeitnah zu ernten.

Für eine gute Ernte sei es wichtig, dass es in den Monaten April, Mai und Juni ausreichend regne, denn die Bäume der Kelterobstwiesen würden nicht bewässert. »Damit die Bäume bereits Feuchtigkeit zum Anwachsen haben, werden sie normalerweise im Herbst gesetzt. Weil wir im Herbst nicht genügend Bäume hatten, haben wir noch welche im Februar gesetzt«, sagen Kneip und Wißmer.

Erste Ernte in drei Jahren

Die erste Ernte sei drei Jahre nach dem Einsetzen möglich, sagt Rehde. »Da werden die Äpfel dann auch noch von Hand geerntet. Ab dem fünften Jahr ist mit vollem Ertrag zu rechnen.« Dann seien die Wurzeln auch fest genug verankert, um die Rüttelmaschine einzusetzen und die Äpfel anschließend mit einer Erntemaschine einzusammeln.

Im Vergleich zum normalen Ackerbau hätten die Apfelplantagen auch den Vorteil, dass sie viel weniger gedüngt werden müssten. »Hier wird gerade einmal ein Fünftel so viel Stickstoff freigesetzt wie beim normalen Ackerbau«, sagt Wißmer. Die Düngezeit sei von Februar bis Ende Oktober. »Bei diesem Projekt haben wir auch den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen mit eingebunden«, sagt Wißmer.

Steffen Rehde ist nicht nur der Bewirtschafter für die Flächen des Projektes, er steht auch anderen Landwirten als Lohnarbeiter zur Verfügung. Das bedeutet: Falls jemand an dem Projekt teilnehmen möchte, aber noch keine Erfahrung im Apfelanbau hat, bringt Rehde sein Wissen als Fachmann mit ein. Bisher werden noch rund 100 Hektar für Apfelbäume im Wetteraukreis gesucht. Die Kelterei Rapp’s sei zudem offen für den Anbau von anderen Obstsorten wie beispielsweise Johannisbeeren, sagt Kneip. Doch bisher gebe es noch kein Projekt in dieser Richtung.

Projekte von Rapp’s

Die Kelterei Rapp’s betreibt nicht nur das Kelterobst-Wiesen-Projekt. Sie fördert in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Naturschutzfonds Wetterau im Rahmen des Bio-Apfel-Projektes auch den Erhalt von Streuobstwiesen.

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