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Anklage: Hunde ohne vernünftigen Grund eingeschläfert

Florstadt/Friedberg (lk). Letztlich war es wohl die Trennung ihrer Halter, die zwei Dobermänner das Leben kostete. Niemand wusste, wohin mit den Tieren. Die alternden Familienhunde wurden von einem in der Wetterau praktizierenden Tierarzt eingeschläfert. Obwohl er den Gesamtzustand der Tiere zuvor als "gut" eingestuft hatte.

Wegen der Tötung der Tiere ohne vernünftigen Grund mussten sich der Tierarzt und die Florstädter Halterin gestern vor dem Friedberger Amtsgericht verantworten. Die Frau war zudem der Sachbeschädigung angeklagt; es war unklar, ob die Hunde ihr oder ihrem Ex-Mann gehört hatten. Das Verfahren wurde gegen Geldauflagen eingestellt.

Laut Anklageschrift soll vor einem Jahr die Angeklagte den Tierarzt telefonisch darum gebeten haben, die beiden Dobermänner – ein Geschwisterpaar – einzuschläfern. Dabei habe sie vorgegeben, die alleinige Besitzerin zu sein. Zwei Tage später sei der Veterinär gekommen. Obwohl die rund zehn Jahre alten Dobermänner gesund und nicht vernachlässigt gewesen seien, habe er sie eingeschläfert.

Die Tiere seien nicht gesund, sondern in einem sehr schlechten Zustand gewesen, widersprach die ehemalige Halterin der Tiere, die während ihrer gestrigen Aussage sehr emotional reagierte. Sie habe die Hunde vor Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann angeschafft, sei mit ihnen in die Hundeschule und zum Impfen gegangen. 2006 sei es zum Zerwürfnis mit ihrem Mann gekommen, 2008 sei sie aus ihrem Elternhaus ausgezogen, die Hunde seien dort geblieben. 2009 habe man sich scheiden lassen.

Bei einem Gerichtstermin im September 2010, als ihr das Haus zugesprochen worden sei, habe ihr Ex-Mann ihr mitgeteilt, dass er sich nicht mehr um die Hunde kümmern werde. "Erst an dem Tag habe ich erfahren, dass er gar nicht mehr in dem Haus wohnt", sagte die Frau. Wohl aber noch die Hunde.

Halterin: Hunde waren apathisch

Ihr Ex-Gatte habe den Dobermännern lediglich morgens etwas zu fressen gebracht und sei dann wieder gefahren. Noch am Tag des Gerichtstermins sei sie zum Haus nach Florstadt gefahren, dort habe sie Schreckliches gesehen: Der Rüde habe kaum noch aufstehen können, die Hündin habe milchige Augen gehabt. Beide Tiere seien apathisch und voller Flöhe gewesen. Also habe sie den Tierarzt angerufen. "Ich dachte, man sollte sie von ihrem Leiden erlösen", meinte die 52-Jährige.

Zumal sie die Hunde selbst nicht hätte mitnehmen können. In ihrer Wohnung – die Frau lebt inzwischen im Vogelsberg – sei kein Platz für die beiden gewesen. Bereits vor September 2010 habe sie versucht, die Dobermänner unterzubringen. Doch die Tierheimmitarbeiter hätten ihr gesagt, dass Hunde in dem Alter und insbesondere Dobermänner schwer zu vermitteln seien. Sie habe also den Tierarzt gefragt, was für die Hunde am besten sei. Der habe geantwortet: "Einschläfern".

Ernährungstechnisch seien die Hunde in einem guten Zustand gewesen, sagte der Veterinär gestern. Die Frau habe ihm erzählt, dass sie die Hunde nicht nehmen könne und dass die Dobermänner nicht auf dem Hof bleiben könnten, da dort ihre gehbehinderte Mutter einziehen werde. "Also habe ich als Sachverständiger entschieden, dass es ein vernünftiger Grund ist, die Tiere einzuschläfern." Das Alter der Hunde, ihre unklare Zukunft, die Hüftdysplasie des Rüden, die Situation zwischen den Ehepartnern, da sei einiges zusammengekommen, meinte der Tierarzt.

Staatsanwalt Dr. Philipp Stein sagte, ein vertretbarer Grund, um Tiere einzuschläfern sei, "wenn Tiere qualvoll leiden, aber nicht, wenn Paare sich trennen und kein vernünftiger Platz für die Tiere gefunden wird." Dennoch zeigte sich der Staatsanwalt mit einer Einstellung des Verfahrens einverstanden, auch wenn er den Eindruck habe, dass die Angeklagte ihr Unrecht nicht einsehe und sich vor Gericht "bockig" verhalten habe. Richter Dr. Markus Bange und die Angeklagten waren ebenfalls einverstanden. Das Verfahren wurde eingestellt. Der Veterinär hat 500 Euro ans Butzbacher Tierheim zu zahlen, die 52-Jährige 1000 Euro. "Ich bedanke mich und nehme die Entscheidung an", sagte die Angeklagte zynisch.

Übrigens: Aufgeflogen war die Sache nur, weil sich der Ex-Mann der Florstädterin an die Polizei gewandt hatte.

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