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Friedel Münch schrieb ein Stück deutscher Motorradgeschichte. Mit der »Mammut 2000« baute er das größte, schwerste und teuerste Motorrad der Welt.

Vergessener Ort

Als ein Florstädter ein Motorrad-Museum zum Publikumsmagneten machte

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Als Konstrukteur war er schon zu Lebzeiten eine Legende. Der Florstädter Friedel Münch hat mit seinem Motorrad-Museum in Laubach einst für wahre Besucherströme gesorgt. Eine Erinnerung.

Ein bisschen zu fest aufs Gaspedal getreten - und schon ist das heute eher unscheinbare Gebäude nur noch im Rückspiegel zu sehen: Eine Lagerhalle im Laubacher Industriegebiet war acht Jahre die Heimstatt ganz spezieller Motoren und Maschinen. Dass sie von 2000 bis 2008 als »Münch-Motorenmuseum« für Furore unter Motorsportbegeisterten aus Deutschland und weit darüber hinaus sorgte, das ist einem legendären Konstruktur und dessen besonderen Charisma zu verdanken: Friedel Münch.

Friede Münch: Nach dem Zweiten Weltkrieg mit Werkstatt in Nieder-Florstadt angefangen

»Friedel hat sich an Dinge herangewagt, bei denen andere gesagt hätten: Vorsicht!«, erinnert sich Kfz-Prüfingenieur Bernd Albert an jenen Tüftler aus Passion, mit dem er viele Jahre freundschaftlich verbunden war. In Alberts GTÜ-Prüfstelle in Laubach lebt die Erinnerung zwischen Pokalen und Renn-Fotos auf. So ein »Ding«, wie es Albert nennt, das war die »Münch Mammut 2000« - seinerzeit das größte, schwerste und teuerste Motorrad der Welt. Dazu später mehr.

Friedel Münch, 1927 als Sohn eines Tankstellenbesitzers geboren, war von Kindesbeinen an mit Motorkutschen aller Art in Berührung gekommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der gelernte Kfz-Schlosser in den Betriebsräumen seines Vaters in Nieder-Florstadt eine kleine Werkstatt aufgezogen, wo er hauptsächlich Motorräder reparierte. Mit der Zeit kam er auf den Geschmack, fuhr zeitweise sogar selbst Motorradrennen.

Friedel Münch und die stärksten Motorräder der Welt

1955 gab Münch ein Intermezzo bei der Horex Fahrzeugbau AG in Bad Homburg. Als das Unternehmen die Motorradproduktion aufgab, kaufte Münch entscheidende Fertigungsvorrichtungen auf. Im Frühjahr 1966 war der erste Prototyp seiner bekanntesten Entwicklung fahrbereit: Münch hatte um den Motor des NSU 1000 herum ein gewaltiges Motorrad geschaffen. Mit seinen Innovationen gab der Konstrukteur in den 60er und 70er Jahren in der Motorradentwicklung weltweit den Ton an. Der erste Automotor auf zwei Rädern, die ersten Gussräder, ein Turbolader für enorme Leistungserhöhung - Münch-Motorräder galten stets als absolute technische Spitze.

Im September 2008 ist das Museum im Laubacher Industriegebiet letztmalig geöffnet: Tausende kommen zum Sommerfest. Friedel und Lotti Münch nehmen mitten im »Mammutgebrüll« tief bewegt Abschied.

Selbst ein Schlaganfall 1991 konnte Münch nicht aus der Bahn werfen. »Mit seinem Wissen war er so umtriebig, dass er kaum zu bremsen war«, erinnert sich Albert. »Es ging ihm nie um seine Person, sondern darum, wie er die Dinge weiter entwickeln konnte.«

Der Konstrukteur stellte die stärksten Motorräder der Welt auf die Räder; eine handgearbeitete »Münch« war anfangs ab etwa 7000 D-Mark zu haben - in den Folgejahren steigerte sich der Preis mit stärkeren Motoren auf über 20 000 DM. Heute sind die raren »Mammuts« zwischen 60 000 und 100 000 Euro zu erwerben. Kein Wunder, dass sich um den Namen Münch und dessen rund 500 Maschinen bis heute Mythen und Legenden ranken.

Friedel Münch: Im Jahr 2000 Lebenstraum mit Eröffnung eines Museums erfüllt

1987 erfolgte der Umzug nach Laubach: Im Industriegebiet richtete sich Münch seine Werkstatt ein. Im September 2000 erfüllte er sich einen Lebenstraum und eröffnete im Anschluss an die Werkhalle ein Motorenmuseum. Das wurde schon bald zu einem (motorrad-)touristischen Aushängeschild für die Stadt.

Allein am Eröffnungstag strömten rund 1000 Besucher herbei. An die 100 Exponate dokumentierten die Entwicklung und die Bandbreite des Motorenbaus: vom kleinen Deutz-Einzylinder bis zum 16-Zylinder-Schiffsdiesel aus einem Minen-Räumboot.

November 2008: 15 Großmotoren aus dem einstigen Münch-Motorenmuseum werden als Leihgabe von Manfred und Friedel Münch an die Ohmtalfreunde im Homberger Stadtteil Dannenrod für deren Museum überstellt.

»Für Technikfreaks ebenso eindrucksvoll gewesen sein dürfte der 56-Zylinder-Sternmotor, den Russland nach dem Zweiten Weltkrieg von Daimler Benz kopiert und fortan mit einer Leistung von 5200 PS produziert hatte«, war seinerzeit in der Zeitung zu lesen. Deutz- und MAN-Motoren verschiedener Größe oder eine ganze Abteilung mit Triebwerken namhafter Pkw-Hersteller wie Lancia, Alfa, Jaguar oder Mercedes fanden die Bewunderung der Motorenfreunde. Extra zur Eröffnung gab es nicht minder legendäre Horex-Rennmaschinen und eine Konzeptstudie der »Münch-Mammut-2000«. Und mittendrin »thronte« ein sichtlich glücklicher Friedel Münch.

Friedel Münch muss sein Museum 2008 aus gesundheitlichen Gründen schließen

Dieses Bild wiederholte sich in den Folgejahren mehrfach - sei es bei den Sommerfesten im Museum oder rund um die »Laubacher Motorradtage«. Inzwischen war die Stadt ins überregionale Blickfeld für Biker geraten, hatte ein Tourismusprogramm für Motorradfahrer aufgelegt und war schließlich von der Motorrad-Initiative Deutschland mit dem Prädikat »Motorradfreundlichste Stadt Deutschlands« ausgezeichnet worden.

Zurück zu den Sommerfesten im »MMM« - da war Nostalgie pur angesagt. So ließ etwa einmal der Würzburger Industrielle Thomas Petsch gleich fünf »Münch-Mammut-2000«-Maschinen vorfahren. Auch die Münch-Rennmaschine »Daytona-Bombe«, die auf der Rennstrecke in den USA zu ihrer Zeit alle Rekorde brach, sorgte für glänzende Augen der Besucher. »Was Enzo Ferrari, Gottlieb Daimler und Ferdinand Porsche für die Automobilgeschichte sind, ist Friedel für die Motorradhistorie«, hatte Roland Stoll, ein Freund des Konstrukteurs, ein Sommerfest eröffnet.

Im September 2008 brüllten die »Mammuts« ein letztes Mal in Laubach: Gesundheitlich angeschlagen, war der 82-Jährige nicht in der Lage, das Museum weiterzuführen. Ein Teil der Großmotoren ging als Leihgabe an die »Ohmtalfreunde« Dannenrod. Friedel Münch starb am 27. April 2014 in Altenstadt.

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