Feldhasen ernähren sich im Sommer ausschließlich von Grünfutter, im Winter von Baumrinde. Sie brauchen eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielen unterschiedlichen Gräsern und Kräutern, um gesund zu bleiben. FOTO: BURKHARD KLING
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Feldhasen ernähren sich im Sommer ausschließlich von Grünfutter, im Winter von Baumrinde. Sie brauchen eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielen unterschiedlichen Gräsern und Kräutern, um gesund zu bleiben. FOTO: BURKHARD KLING

Jagdpächter besorgt

Der Feldhase: Gefährdet auch wegen den Landwirten

  • vonJürgen W. Niehoff
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Der Feldhase ist nicht nur ein Meister der Tarnung, sondern auch ein exzellenter Sprinter mit einer ausgefeilten Fluchttechnik. Trotzdem gilt er heute als gefährdete Tierart - auch im Revier des Jagdpächters Heinz Ross.

Früher waren die Feldhasen ein Allerweltstier. Das ist längst vorbei. Heute gelten sie als gefährdete Tierart. Und schuld daran sind nicht nur deren natürliche Fressfeinde wie Füchse, Marder oder Krähen, Störche und Greifvögel. Auch die Intensivierung der Landwirtschaft und die Zerschneidung der Landschaften machen Meister Lampe das Leben schwer.

"Bei der heutigen Form der effizienten Landwirtschaft gibt es keine brach liegenden Äcker mehr", zählt der Ostheimer Jagdpächter Heinz Ross die Gründe für die immer weiter zurückgehende Anzahl von Feldhasen auf. Feldhasen lieben eine abwechslungsreiche Landschaft mit Feldgehölzen und breiten Randstreifen entlang der Äcker. Doch diese Elemente kämen in der Landschaft immer seltener vor.

Gerade in Feldholzinseln ziehen sich Hasen zur Deckung zurück. Das Fehlen schade deren Population, denn die benötige sie genauso dringend wie die Brachlandflächen als Ruheoasen. "Um den Feldhasen wieder einen besseren Lebensraum zu bieten, ist es notwendig, ein wenig mehr Abstand von der intensiven Landwirtschaft zu nehmen", fordert deshalb die deutsche Wildtierstiftung. Auch Ross hat bereits erste Gespräche mit ortsansässigen Landwirten geführt.

Hasen leiden unter Monokulturen

Bisher allerdings mit nur wenig Erfolg. Hasen leben auf Feldern, Wiesen und Weiden und fressen Gräser und Wildkräuter. Doch was für die Hasen Futter ist, ist für den Landwirt häufig unerwünschtes Unkraut, das er nicht wachsen lassen kann, weiß Roos. Zum Leidwesen der Hasen. Auch die Monokultur auf den Feldern mache den Hasen zu schaffen, denn als reine Vegetarier ernähren sie sich hauptsächlich von Gräsern, Blättern, Gemüse, Obst und im Winter auch von Baumrinde. Dabei sei die Vielfalt entscheidend, denn Feldhasen würden oftmals an Magenerkrankungen leiden, und zu deren Heilung benötigen sie dringend die unterschiedlichsten Kräuter, die bei der heutigen Äckerbewirtschaftung kaum noch anzutreffen seien.

Und noch eine tödliche Gefahr gebe es für die Feldhasen. Da sie eigentlich Steppenbewohner sind und deshalb in offenen Landschaften leben, wo sich Äcker, Wiesen und Brachland abwechseln, graben sie sich dort dann ihre Sassen. "In diesen Mulden halten sie sich tagsüber fast bewegungslos auf", erklärt der Jäger. Weil sie bei Gefahr erst im allerletzten Moment aufspringen und zu fliehen versuchen, könne es beim Mähen vorkommen, dass sie von den Maschinen erfasst und getötet werden.

War früher der Mensch eine der größten Gefahren für den Hasen, so hat sich laut Ross deren Einstellung inzwischen geändert. Ein Beispiel seien die alljährlichen Herbstjagden, bei denen früher der Feldhase ein beliebtes Jagdobjekt bildete. Heute dagegen verzichten viele Jäger ganz auf deren Abschuss.

"Da er inzwischen zu den gefährdeten Tierarten zählt, wird sein Abschuss auch nicht mehr vorgeschrieben wie etwa bei Rehwild oder Wildschweinen", erklärt Ross. Hinzu komme, dass das Verhalten der Feldhasen sehr unterhaltsam sei. So könne man im Frühling, vorausgesetzt man hat das entscheidende Quäntchen Glück, Feldhasen dabei beobachten, wie sie gegeneinander boxen. "Dabei stellen sie sich auf ihre Hinterläufe und schlagen mit den Vorderpfoten aufeinander ein. Wie in einem Boxring. Nur, dass es hier keinen Schiedsrichter gibt und die Tiere nicht selten blutende Kratzer davon tragen."

Vor der Paarung wird geboxt

Früher habe man geglaubt, räumt Ross mit dem Gerücht auf, zwei Männchen würden sich um eine Feldhasen-Dame streiten. Dabei finde in Wahrheit der Kampf zwischen einem Männchen und einem Weibchen statt. Wenn das Männchen sich in diesem Boxkampf behaupte und sie dann auch noch in einem Wettrennen schlägt, willige sie schließend in eine Paarung ein. Ein Weibchen wird übrigens vier- bis fünfmal im Jahr trächtig und kann dann jedes Mal bis zu vier Junge zur Welt bringen.

Ross wird weiter für die Feldhasen kämpfen und um Einsicht bei den Landwirten werben. "Zumindest die Ackerrandstreifen und die Hecken sollten wieder möglich sein. Die dienen auch unseren Insekten."

Bis zu zwölf Jahre alt

Der Feldhase lebt auf großem Fuß. Seine Hinterläufe sind extrem stark und können 14 bis 16 Zentimeter lang werden. Das ist in etwa, als hätte ein erwachsener Mensch 40 bis 60 Zentimeter lange Füße und würde Schuhgröße 62 bis 92 tragen. Das auffälligste Erkennungsmerkmal sind die als Löffel bezeichneten, bis zu 15 Zentimeter langen Ohren. Daran lassen sie sich von den viel kleineren Kaninchen unterscheiden. Die Lebenserwartung des Feldhasen beträgt in freier Wildbahn bis zu zwölf Jahre. Allerdings überleben viele Hasen das erste Jahr nicht. Sie dienen Fressfeinden wie Füchsen, Mardern, Störchen und Greifvögeln als Nahrung.

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