Christiane Michel (l.) und Melanie Hinze haben die Traumfänger-Idee zügig umgesetzt.	FOTO: CORINNA WEIGELT
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Christiane Michel (l.) und Melanie Hinze haben die Traumfänger-Idee zügig umgesetzt. FOTO: CORINNA WEIGELT

Farben, die Trost spenden

  • vonCorinna Weigelt
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»Bunte Farben vertreiben Ängste«, sagt die Bad Nauheimerin Christiane Michel. Fleißig häkelt sie farbenfrohe Traumfänger. Diese sollen trauernde Kinder beschützen und ihnen bei der Verarbeitung von Albträumen helfen. Dank des Projekts Lacrima der Johanniter-Unfallhilfe haben die ersten Kinder ihre Traumfänger erhalten.

Die Freude am Häkeln entdeckte Christiane Michel in der Grundschule. Es ist ein Hobby, das sie bis heute mit Leidenschaft ausübt. Zahlreiche Handarbeiten sind im Laufe der Jahre entstanden, farbenfrohe Laternen oder auch bunte Höckerbezüge. Im Internet wurde die Bad Nauheimerin über die Seite »elealinda-Design« auf Häkel-Anleitungen für Traumfänger aufmerksam. Die bunten Exemplare sehen nicht nur dekorativ aus, sondern haben auch viele Funktionen. Böse Geister sollen vom Schlafenden ferngehalten werden, ihn beschützen und ruhig schlafen lassen. Schlechte Träume sollen sich im Netz verfangen, die guten Träume hingegen durch das Loch in der Mitte des Netzes hindurchschlüpfen. Bei der Gestaltung des ersten Traumfängers habe sie eine Gänsehaut bekommen und an einen Suizid im näheren Bekanntenkreis denken müssen, der Angehörige und Freunde tief getroffen habe, sagt Michel.

Das Projekt Lacrima der Johanniter-Unfallhilfe kam ihr in den Sinn. »In Bad Nauheim gibt es eine Lacrima-Gruppe nach Suizid«, erklärt Michel. Die Idee entstand, das Lacrima zu unterstützen. »Auch die Kinder von meinen Bekannten wurden hier aufgefangen.«

Lacrima bietet trauernden Kindern und Jugendlichen, aus deren Familie sich jemand umgebracht hat, eine geschützte und vertrauensvolle Umgebung, die ihnen hilft, ihren ganz persönlichen Trauerweg zu finden. Seit 2010 zählt Melanie Hinze hier zu den Ehrenamtlichen, seit 2012 liegt das Projekt Lacrima Rhein-Main in ihren Händen. In Gesprächen, Gruppenstunden und bei kreativen Arbeiten entkommen die Teilnehmer der Spirale aus Einsamkeit, Isolation und Hilflosigkeit. Hierbei wird die gesamte Familie in den Blick genommen, wodurch zugleich eine Neufindung der Familie gefördert wird.

»Ich wollte keine Eintagsfliege und nur einen Traumfänger verschenken«, erklärt Christiane Michel. Daher gründete sie parallel eine Facebook-Gruppe für Häkel-Begeisterte. Ob häkeln, binden oder stricken, Traumfänger sollen auf allen möglichen Wegen angefertigt werden, um sie dann den trauernden Kindern zukommen zu lassen. Ihre Idee machte die Bad Nauheimerin auch in anderen Gruppen bekannt. Zügig stieß sie auf positive Rückmeldungen. »Sogar in der Schweiz und Spanien werden nun Traumfänger für Lacrima gehäkelt.« Die Lacrima-Gruppe in Dresden habe die Idee ebenfalls übernommen, sagt Melanie Hinze, die von den bunten Trostspendern gleich begeistert gewesen ist.

Zweite Gruppe wird geplant

Hinze sorgt dafür, dass die Traumfänger zügig bei den Kindern ankommen. Und die reagieren mit Freude und Begeisterung. »Selbst die Teenager.« Mittlerweile ist nach wenigen Wochen die Idee erweitert worden: Die Kinder werden durch Lieblingsfarben oder Materialwünsche eingebunden. Persönliche Bezüge entstehen, schöne Erinnerungen werden geweckt.

Wegen der Corona-Maßnahmen führen die Ehrenamtlichen das Angebot von Lacrima auch online fort, wie Melanie Hinze erklärt. Meetings, Eltern- und Kindgruppen und auch die allgemeine regionale Betreuung, alles sei so weiterhin möglich. »Wir planen sogar eine zweite Gruppe für Bad Nauheim«, sagt Hinze. Derzeit werden neun Kinder und ihre Angehörigen betreut. Zeitlich begrenzt sei die Begleitung nicht. »Wenn Fußball spielen und Freunde treffen wieder wichtiger werden, dann haben wir unseren Job gemacht.«

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