Heegheim

Nach Feuer auf Bauernhof: Von Helfern und "Brandtouristen"

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Nach dem Brand, der einen Bauernhof in Heegheim nahezu vollständig zerstört hat, packen viele Menschen an, spenden und helfen, um die Not der Familie zu lindern. Doch es gibt auch "Brandtouristen".

Nach dem Brand einer Hofreite in Heegheim, der am Sonntagmorgen einen Schaden zwischen 700 000 und 900 000 Euro anrichtete, wird der Zusammenhalt im Dorf – und darüber hinaus – deutlich.

Der herausragenden Arbeit der Feuerwehrleute ist es zu verdanken, dass nicht noch weitere Häuser den Flammen zum Opfer fielen. Vor allem die Gewalt des Feuers hat bei den Einsatzkräften bleibende Eindrücke hinterlassen. "Als ich angekommen bin, hat es erst an der einen Ecke gebrannt", erinnert sich Kreisbrandmeister Matthias Nickel, der aus dem benachbarten Glauburg mit den ersten Kameraden in Heegheim ankam. Unmittelbar danach habe das Feuer durchgezündet und den Dachstuhl über die gesamte Ausdehnung des Hofes in Brand gesetzt.

Sohn weckt die übrige Familie

Auch Daniela Weickert, die mit ihrer Familie den Hof bewohnt, war entsetzt, wie schnell sich das Feuer ausbreitete. Als ihr Sohn den Brand im ersten Stock bemerkte, weckte er sofort die ganze Familie. Daniela Weickert brachte mit ihren Töchtern die Pferde in einem Nachbarhof in Sicherheit. Als sie zurückkam, brannte es schon im Wohnzimmer im Erdgeschoss an der entgegengesetzten Hausecke. "Das waren höchstens acht Minuten", schätzt sie.

Deshalb hatten die Feuerwehren zunächst verhindert, dass die Flammen auf die Nachbarhäuser übergreifen. Erst dann bekämpften sie den Brand des Hofes. Doch wegen der besonderen Gewalt des Feuers und der extremen Hitzeentwicklung mussten sie den Innenangriff bald abbrechen. "Wir konnten Gott sei Dank den gesamten Stallbereich halten", sagt Nickel. "Da war sehr viel Heu und Stroh gelagert."

"Das war ein Ausnahmeeinsatz." Diese Einschätzung bezieht er auch auf die Unterstützung durch die Bürger. Noch am frühen Morgen brachten sie Kaffee und belegte Brötchen zum Einsatzort. Der Wirt schloss das Dorfgemeinschaftshaus auf, damit die Feuerwehrleute einen Platz zum Ausruhen hatten.

Lob des Bürgermeisters

"Dass das Feuer nicht auf Nachbarhäuser übergeschlagen ist, zeigt die Effizienz der Feuerwehren", lobt Bürgermeister Norbert Syguda. "Es ist faszinierend, wie da ein Rädchen ins andere gegriffen hat", bewundert er die Zusammenarbeit der Wehren.

Syguda dankt auch den Bürgern, die schnell Kleidung und Betten für die Familie organisiert hatten. Auch die Gemeindeverwaltung sei daran beteiligt, eine Ersatzwohnung herzustellen. Zufällig stand gegenüber ein anderes Haus leer. Ortsvorsteher Thomas Müller berichtet, dass seine Tochter ihre Einbauküche eigentlich verkaufen wollte, sie nun aber lieber der Familie angeboten hat. Mitarbeiter des Bauhofs bauten die Küche ab und in der neuen Unterkunft wieder auf.

Die Leute kommen und gehen in unseren Hof. Wir nennen sie ?Brandtouristen?

Daniela Weickert

"Die dringendsten Dinge sind alle in Arbeit", bilanziert Verwaltungsmitarbeiter Jörg Fichtel. "Bekleidung ist schon in rauen Mengen gespendet worden." Die Gemeinde habe Schränke zur Verfügung gestellt. "Die Hilfsbereitschaft ist ganz enorm."

Thorsten Heimerl, der das Engagement der Familie für die Gesellschaft kennt, hat einen Spendenaufruf bei Facebook gestartet. Er sagt, dass die Betroffenen neben den Sachspenden weitergehende Hilfe benötigen. Schließlich hätten sie von Dokumenten bis zu Erinnerungsfotos alles verloren.

Dass viele Menschen sich in ihre Lage hineinversetzen können und schnell, unbürokratisch und an den Bedürfnissen orientiert helfen, macht den Betroffenen Mut. So hat ein Abschleppunternehmer einen Lagercontainer vor die Tür gestellt, damit die Familie die wenigen Dinge, die sie vor allem aus den Garagen bergen konnte, einlagern kann.

Schaulustige neben der Drehleiter

Ärgerlich wird Daniela Weickert, wenn sie an einige Kommentare in den "sozialen" Netzwerken denkt. So hätten manche Menschen keine Vorstellung davon, wie schwierig die Schadensregulierung sein könne. Auch im realen Leben sei Gedanken- und Rücksichtslosigkeit zu beobachten. "Die Leute kommen und gehen in unseren Hof", schildert sie. "Wir nennen sie ›Brandtouristen‹."

Am Dienstag habe sich noch einmal ein Feuer in den Trümmern durch die Resthitze entzündet. Als die Feuerwehr sich mühte, die Flammen zu löschen, habe sich eine Frau mit einem zweijährigen Kind direkt neben die Drehleiter gestellt, um nichts zu verpassen.

Info

Spendenkonto eingerichtet

Wer der Familie helfen will: Spenden können auf das Konto Hofreite Heegheim mit der IBAN DE11500502011203988581 bei der Frankfurter Sparkasse überwiesen werden. Als Empfängerin ist Daniela Weickert anzugeben. (sax)

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