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Im Fahrwasser des Coronaviurs grassieren auch Falschmeldungen. Der Bad Nauheimer Kardiologe Dr. Magnus Peil warnt davor und klärt auf. SYMBOLFOTO: DPA

Experte warnt vor Fake News

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Als Herzheilbad genießt Bad Nauheim seit 150 Jahren einen weltweiten Ruf. In dieser Tradition stehen seine Herzmediziner bis heute. Das Coronavirus stellt sie vor eine besondere Herausforderung. Dem Kardiologen Dr. Magnus Peil und seinem Team ist es ein Anliegen zu helfen. Aufklärung gehört dazu.

Der Frühling in der Wetterau zeigt sich von seiner schönsten Seite, wenn auch mit "kühler Schulter". Die Luft scheint klarer, der Himmel blauer, die Blüten brillanter und das Vogelgezwitscher kecker. Vielleicht nimmt man die natürlichen Reize aber auch intensiver wahr - unter den gegebenen Umständen.

Seit Wochen überschattet die Corona-Pandemie unser aller Leben. Im Herzheilbad Bad Nauheim ist die Zahl der Risikopatienten vergleichsweise hoch - und damit die Verunsicherung. Aber auch Qualität und Umfang der medizinischen Versorgung. Dem Bad Nauheimer Herzmediziner Dr. Magnus Peil ist es ein Anliegen, der Unsicherheit mit Aufklärung zu begegnen.

Sie Sache mit dem Ibuprofen

Der Kardiologe unterstreicht, dass kein Patient ohne Rücksprache mit dem verordnenden Arzt seine medikamentöse Therapie ändern möge. Falschmeldungen zur medizinischen Versorgung bringen ihn auf die Palme. Beispiel: das Schmerzmittel Ibuprofen. Unter Berufung auf die Uni Wien wurde beispielsweise behauptet, das Medikament verschlimmere den Corona-Verlauf. "Allerdings nahm auch die Weltgesundheitsorganisation in diesem Fall keine überzeugende Rolle ein, sprach zunächst tatsächlich eine Warnung aus, um diese dann einen Tag später zu widerrufen", kritisiert der Arzt. In Peils Augen besonders abstrus: Die kurz danach gestreuten Fake News, Ibuprofen wirke gut gegen das SARS-CoV-2-Virus. Tatsächlich verfügt laut Peil derzeit niemand über zuverlässige Untersuchungsergebnisse, ob Ibuprofen oder andere sogenannte NSAR-Präparate den Verlauf der Erkrankung beeinflussen.

Weitere Beispiele identifiziert der Mediziner in ominösen Kettenbriefen: Knoblauch helfe gegen die Infektion, alle 15 Minuten etwas zu trinken, schütze zuverlässig - oder: die Luft über zehn Sekunden anhalten zu können, sei ein Beweis dafür, nicht infiziert zu sein. Auch zu der im Internet verbreiteten Aussage, Vitamin-C-Mangel begünstige die Infektion und die Einnahme schütze davor, liegen Peil zufolge keine objektiven Untersuchungen vor. Ein echter Vitamin-C-Mangel sei bei in Deutschland lebenden Menschen ohnehin kaum vorstellbar.

Die Mär vom Schutz durch Bierkonsum

Häufig würden in anderem Zusammenhang getroffene Aussagen dazu benutzt, Unwahrheiten zu verbreiten. Das Bundesamt für Risikobewertung werde beispielsweise zitiert, dass Alkohol oder Tenside solche Viren schädigten, deren Erbgut von einer Fettschicht umhüllt sei. "Das stimmt prinzipiell. Damit wird dann allerdings begründet, dass der Genuss von Bier vor einer Infektion schütze", warnt der Herzspezialist. Das Zitat beziehe sich in Wirklichkeit darauf, dass alkoholhaltige Mittel in der Desinfektion genutzt werden können.

Seriöse Informationen finde man etwa auf der Homepage der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung unter www.bzga.de.

Wer den Verdacht habe, infiziert zu sein, möge zunächst telefonisch Kontakt mit seinem Hausarzt aufnehmen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen, empfiehlt der Spezialist. Von seiner eigenen Praxis für die kommenden Wochen einbestellte Patienten ermuntert der Arzt: "Rufen Sie uns an, wenn Sie unsicher sind, ob Sie kommen oder lieber zu Hause bleiben sollten." Man möge auch dann nicht verzweifeln, wenn es derzeit mehrere telefonische Anläufe brauche. Die Praxis bemühe sich darum, alle Patienten, die in der nächsten Zeit einen Termin zur Wiedervorstellung haben, jeweils einige Tage zuvor zu kontaktieren. Soweit möglich, versuchten er und seine Kollegen einen Eindruck zu gewinnen, ob ein Praxisbesuch aktuell notwendig ist. Wann immer ein geplanter Praxisbesuch nach eingehender Prüfung verschoben werden könnte, werde man dies zum Schutz des Patienten empfehlen und gegebenenfalls Rezepte zuschicken.

Der Herzmediziner rät eindringlich, bei Spaziergängen auf die Sicherheitsabstände zu achten und mit Weitsicht einzukaufen. Risikopatienten sollten Einkaufshilfen in Anspruch nehmen. Abstand halten sei das A und O beim zentralen Ziel, die Infektionshäufigkeit zu reduzieren.

Noch Mitte vergangener Woche war dem Arzt angesichts des unbeschwerten geselligen Miteinanders in der Bad Nauheimer Innenstadt der Kragen geplatzt. Auf seinen Leserbrief, den die WZ mit "Zeugnis von Ignoranz und Egoismus" betitelte, habe er positive Reaktionen erhalten.

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