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Es ist Herbst geworden

  • VonRedaktion
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Draußen wird es langsam kühler und früher dunkel, vergilbte Blätter fallen zur Erde. Es lässt sich nicht mehr verleugnen, dass es Herbst geworden ist. In diesen Tagen können uns die Bäume zu Predigern werden, als spräche jedes fallende Blatt: »Halte mich nicht fest!« So wie es Jesus nach seiner Auferstehung zu Maria Magdalena sagte, als sie ihn berühren wollte.

So ruft uns der Herbst, auch mit seinen Totengedenktagen, in Erinnerung, dass auch das Abschiednehmen und Loslassen wichtig ist. Nicht weil es so schön ist, sondern weil es manchmal notwendig ist und die Welt voranschreitet - im Großen wie im Kleinen.

Flexibilität im Beruf ist uns heutzutage geläufig. Und doch fällt es uns anderswo oft schwer loszulassen, und wir halten gerne am Gewohnten fest. Geliebte Menschen, vertraute Strukturen, lieb gewonnene Gegenstände. Wir akzeptieren nur ungern, dass wir endlich sind, dass auch schöne Erlebnisse und Beziehungen ein Ende haben, und versuchen, sie festzuhalten solange wir können.

Manchmal überfällt uns die Notwendigkeit loszulassen plötzlich von außen: ein Streit, ein Todesfall, eine schreckliche Überschwemmung, die uns buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzieht. Manchmal merken wir aber auch nach und nach, dass sich Dinge oder Verhältnisse überholt haben und nicht mehr zu uns passen. Beide Male kann der Abschied schmerzen. Dann tut es gut, die Bäume zu betrachten, die im Herbst ihre Blätter fallen lassen. Rainer Maria Rilke schreibt in seinem Herbst-Gedicht: »Und doch ist einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.« Und wir vertrauen als Christen darauf, dass wir nicht tiefer fallen können als nur in Gottes Hand. Wenn ich diese Gewissheit im Herzen mit mir trage, kann ich getrost loslassen, weil ich darauf vertraue, dass Gott das Erhaltenswerte behält und allem, was mich bedrängt und belastet, ein Ende bereitet.

Christian Krüger , Pfarrer in Karben

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