Bürgermeister Gerhard Schultheiß (links) und Erster Stadtrat Rainer Vogel haben den Einkaufsservice für die Stadt auf den Weg gebracht.
+
Bürgermeister Gerhard Schultheiß (links) und Erster Stadtrat Rainer Vogel haben den Einkaufsservice für die Stadt auf den Weg gebracht.

Erzieher kaufen für Mitbürger ein

  • vonRedaktion
    schließen

Die Corona-Pandemie sorgt für Chaos. Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Auch Restaurants bieten nur noch Abhol- und Lieferdienste an. Das öffentliche Leben ist auf ein Minimum runtergefahren. Die Stadt Nidderau bietet deshalb einen Einkaufsservice an - und erhält Unterstützung aus den Kitas.

Nidderau. Um für die Dauer der Corona-Krise potenziellem Betrug vorzubeugen, hat die Stadt Nidderau mit Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) einen Einkaufsservice aufgelegt, der kostenlos in Anspruch genommen werden kann. »15 Erzieherinnen und Erzieher der aktuell geschlossenen städtischen Kindertagesstätten haben sich freiwillig zu dieser Hilfsaktion bereit erklärt. Der Service kann von Montag bis Freitag in Anspruch genommen werden«, erläutern Schultheiß und Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) als Ideengeber.

Koordiniert wird der Service vom Familienzentrum. »Wir haben die Telefonnummer 0 61 87/2 99-2 53 herausgegeben. Bürger, die eingekauft haben möchten, können sich hier von Montag bis Freitag von acht bis 16 Uhr melden«, sagt Holger Nix, stellvertretender Fachbereichsleiter Soziales der Stadt. Die Einkaufswünsche, die vormittags angenommen werden, werden an die Kolleginnen in den jeweiligen Stadtteilen weitergeleitet. Sie übernehmen den Einkauf und liefern die bestellten Waren an der Wohnungs- oder Haustür ab. »Der Einkaufsservice läuft langsam an. Bisher hatten wir einige wenige Anfragen. Es muss erst publik werden«, sagt Nix.

Jeder Bürger kann den Service nutzen

Parallel dazu habe die Stadt einen Aufruf gestartet, dass sich auch Menschen melden können, die auf ehrenamtlicher Basis helfen möchten. Hier seien einige Anfragen eingegangen. Zunächst starte jedoch die Probephase mit den Erzieherinnen. Doch die Stadt wolle auch Ehrenamtler einbinden. Die Erzieherinnen seien zur Sicherheit bei der Ausübung des Einkaufsservice mit Handschuhen, Mundschutz und Desinfektionsmittel ausgestattet worden. Zudem gelten die allgemeinen Sicherheitsregeln beim Einkaufen, wie Abstand halten und das Wechselgeld in einen Umschlag oder in eine Schale zu geben, um den Kontakt zu vermeiden. Für den Einkaufsservice können laut Nix das städtische E-Mobil und die beiden City-Mobile der Stadt oder private Fahrzeuge genutzt werden. »Die gefahrenen Kilometer werden bei den städtischen Erzieherinnen im Rahmen der hessischen Kilometerpauschale erstattet«, sagt Nix.

Er glaubt, dass der Service bald verstärkt nachgefragt wird. Viele ältere Menschen seien privat so gut vernetzt, dass sie oft Hilfe aus ihrem privaten Kreis in Anspruch nehmen könnten. Der Service sei besonders für die Menschen wichtig, die diese Möglichkeit nicht hätten. Die Teilnahme am Einkaufsservice sei für jeden Bürger möglich, denn es gebe tausend Gründe, warum jemand nicht in die Öffentlichkeit möchte, wie etwa Angst oder eine Vorerkrankung. »Mit dem Einkaufsservice wollten wir Menschen mit unlauteren Absichten entgegenwirken und haben nach einer Abfrage spontan 15 Helferinnen gewinnen können«, sagt Erster Stadtrat Rainer Vogel.

Damit sich die Hilfesuchenden sicher sein können, nicht Betrügern zum Opfer zu fallen, sind die städtischen Helferinnen mit einem Namensschild und einem Ausweis ausgestattet. Zudem bietet die Stadt weitere Hilfsangebote an. In der Diskussion sind die Steuern zu stunden, wenn die Einziehung eine erhebliche Härte darstellt. Zur Prüfung reichen ein schriftlicher Antrag mit Darlegung der Betroffenheit durch das Coronavirus und das Ausmaß der wirtschaftlichen Schwierigkeiten aus. Der Zeitpunkt der Steuerzahlung wird hinausgeschoben. Bei Anträgen auf Aussetzung, Stundung oder Ratenzahlung soll es keine Verzinsung geben. Steuervorauszahlungen können angepasst werden, wenn die Einkünfte im laufenden Jahr geringer ausfallen.

Angedacht ist auch, auf Vollstreckungsmaßnahmen wie Kontopfändungen oder das Erheben von Säumniszuschlägen bis zum 31. Dezember zu verzichten, solange der Schuldner von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen ist. Für alle lokalen und nicht medizinischen Fragen von Bürgern aus Nidderau hat die Stadtverwaltung ein Bürgertelefon eingerichtet, das Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 9 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer: 0 61 87/2 99-1 40 erreichbar ist. Ein ausführlicher Fragen-Antwort-Katalog steht im Internet zur Verfügung unter: www.nidderau.de.

Zusätzlich zum Einkaufsservice gibt es eine weitere Möglichkeit, Bestellungen aufzugeben. Hilfesuchende können sich per E-Mail über: info@nidderau.de an die Stadt wenden. Bei der Kontaktaufnahme per E-Mail muss allerdings eine Telefonnummer für einen Kontrollrückruf angegeben werden. Weitere freiwillige Helferinnen und Helfer sind willkommen und können sich über die Servicenummer 0 61 87/2 99-2 53 bei der Stadt melden. geo

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare