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Ulrike Loos inmitten ihrer Sammlung. Sie zeigt den ersten Kamm, den sie aus Afrika mitgebracht hat.

Erinnerungen an Afrika

  • VonJürgen Schenk
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Afrika ist von jeher ein Sehnsuchtsziel vieler Europäer. Auch für Ulrike Loos und Holger Stegmann war es Liebe auf den ersten Blick. Und diese Beziehung besteht nun schon seit 36 Jahren. Überall in ihrem Zuhause in Karben bewahren sie Erinnerungsstücke an den schwarzen Kontinent auf. Ulrike Loos sammelt mit Vorliebe afrikanische Kämme.

Alles begann mit einer Zeitungsannonce. Beworben wurde darin eine Fahrt von Nord nach Süd durch die algerische Sahara. Loos und Stegmann, die damals noch nicht verheiratet waren, fühlten sich von dem Angebot sofort angesprochen. Sie wussten natürlich, dass sie in Nordafrika keine Wellness-Reise erwarten durften. Fernab aller Annehmlichkeiten der Zivilisation ging es mit einem Hanomag quer durch die Wüste. Das Erleben der endlosen Weite habe eine schwer zu beschreibende Faszination auf sie ausgeübt, erinnert sich Ulrike Loos. »Und dann war da diese absolute Stille. Man hörte nur den Wind und die Sandkörner, wenn sie leise von den Dünen herunterrieselten. Nachts lagen wir in unserem Hotel der 1000 Sterne. Ich kenne keinen anderen Ort, an dem man einen klareren Blick zum Firmament hat«, schwärmt die Klein-Karbenerin.

Trotz einiger Strapazen hätten sie die Zivilisation nicht vermisst, sagt Holger Stegmann. Tagsüber war es so heiß gewesen, dass man froh war, wenn man sich in den Schatten zurückziehen konnte. »Ein ums andere Mal blieb das Auto stecken. Dann mussten wir es aus dem Sand frei buddeln. Die Sanddünnen in dieser Gegend sind bis zu 300 Meter hoch. Wasser zum Waschen gab es nicht, aber zum Glück hinterließ der Quarzsand auf der Haut keine Schmutzpartikel. Man hatte also nicht das Gefühl, schmutzig zu sein«, berichtet er. Beide erzählen von der Gastfreundschaft der Einheimischen und von den Abenden, an denen sie mit den Tuareg zusammen am Lagerfeuer saßen.

Danach hatte das Afrika-Fieber endgültig von ihnen Besitz ergriffen. Oberhalb und unterhalb des Äquators gibt es kaum noch Länder, die sie nicht im Mietwagen bereisten. Ihre Hochzeitsreise führte sie 1995 unter anderem an die Victoriafälle. »Übernachtet haben wir an den kuriosesten Orten«, erzählt Loos lachend. »Überall waren Hunde mit dabei, denn sie sollten auf die Schlangen aufpassen. Auf unserer Fahrt besuchten wir viele Straßenmärkte. Mir gefielen auf Anhieb die kunstvoll gearbeiteten Kämme, die es in den unterschiedlichsten Farben und Variationen gab. Jeder für sich ein Unikat. Ich wollte den Menschen etwas da lassen für ihre Herzlichkeit, und so kaufte ich ihnen die Kämme ab.« Das Resultat kann man heute in ihrem Haus in Klein-Karben bestaunen. Etwa 320 Kämme verteilen sich über mehrere Zimmer. Das sei ihr ganz persönlicher »Fetisch der Erinnerung«, erklärt die Afrika-Liebhaberin. Über jedes einzelne Exemplar könne man einen ganzen Nachmittag lang plaudern. Die Kämme seien keine Gebrauchsgegenstände, sondern viel mehr als das. »Es sind rituelle Objekte, Reminiszenzen an die Ahnen. Sie sollen die Familie vor Unheil beschützen und den sozialen Status des Hausherrn bezeugen. Es gibt sie mit Menschen- und Tierfiguren.« Beim Herkunftsort gebe es eine große Variabilität. In Durban (Südafrika) habe sie zum Beispiel Kämme aus Ruanda und Uganda erworben, obwohl sie dort noch nie gewesen sei.

Kein Kamm ist wie der andere

Sieht man sich die einzelnen Exemplare genauer an, fällt die Kunstfertigkeit auf, mit der sie hergestellt wurden. Keiner ist wie der andere. Teilweise sind alte Fischernetze und andere recycelte Materialien in das Holz eingewoben. »Die geschnitzten Kämme sind von guter Qualität und werden innerhalb eines Tages fertiggestellt«, sagt Ulrike Loos. »Bei einem Restaurantbesuch an den Victoria-Fällen sah ich Kämme, die wie Ausstellungsobjekte präsentiert wurden. Da wusste ich, wie es bei mir zu Hause aussehen sollte.«

Irgendwann möchte sie noch zu den Berggorillas nach Uganda reisen. Aber das sei eine sehr strapaziöse und kostspielige Reise. Für ihren Mann ist das Afrika südlich der Sahara nichts. »Zu heiß« und »zu ungemütlich« nennt er die Region. Das sei kein Zoobesuch, warnt Stegmann. Man müsse fit sein und wissen, worauf man sich einlässt.

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