Franz Metz hat im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten gestimmt und sich auch sonst gegen das Nazi-Regime engagiert.	FOTO: STADTARCHIV FRANKFURT
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Franz Metz hat im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten gestimmt und sich auch sonst gegen das Nazi-Regime engagiert. FOTO: STADTARCHIV FRANKFURT

Erinnerung an einen mutigen Mann

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Heute vor75 Jahren und damit wenige Wochen nach Kriegsende, starb Franz Metz, ein Bad Nauheimer, der den Nazis die Stirn bot - gemeinsam mit Robert Wiedermann. Er hatte Metz einst eine Wohnung in Bad Nauheim vermittelt.

Der letzte Tagebucheintrag von Franz Metz am 20. Juli 1944 ist knapp: »Attentat auf Adolf Hitler«. In der Folge führt Käthchen, Metz’ Frau, die Aufzeichnungen weiter. Hinweis am 22. August 1944: »Franz verhaftet und Wiedermann, aufregender Tag, zweimal bei der Polizei (in Bad Nauheim), Sachen hingebracht«. 25. August: »Franz, Wiedermann und noch viele andere auf dem Weg (über Gießen) nach Dachau, kurze Aussprache in Frankfurt, schwere Stunden …« Die umfassende Verhaftungsaktion der Gestapo nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wird am 22. und 23. August 1944 in den Morgenstunden ausgeführt.

Franz Metz, damals 66-jährig, ist Ortsbevollmächtigter des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes in Frankfurt, später dessen Bezirkssekretär. Bei den Reichstagswahlen 1928 führt er im Wahlkreis Hessen-Nassau die SPD-Liste an. Der in Schweinfurt geborene Metz verweigert den Nationalsozialisten im Reichstag die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz und wird dann 1933 gezwungen, die neuen Machthaber in der Verbandszentrale des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes einzuarbeiten. Kündigungsschreiben an seine alten Kollegen abzufassen, lehnt er ab, weshalb er fristlos entlassen wird. Metz eröffnet in Frankfurt das »Café Metz«, das sich zu einem Treff oppositioneller Genossen und Kollegen entwickelt.

Ein Zentrum des Widerstandes

Robert Wiedermann, damals 61-jährig, lebt seit 1903 in Bad Nauheim. Er ist in der Gastronomie groß geworden: Schon weit gereist, tritt er als 20-Jähriger in den Dienst des alten Teichhauses, des Park-Hotels und des Hotels Bristol. Er übernimmt weitere Gaststätten, zuletzt den Kühlen Grund (Bauernschänke), bis er 1929 sein eigenes Haus am Friedrich-Ebert-Platz beziehen kann. Seit 1918 gehört Wiedermann der SPD an, die er von 1918 bis 1933 im Stadtparlament und im Kreistag vertritt. Sein Lokal ist ein Zentrum des Widerstandes. Neben Hausdurchsuchungen und Boykott des Geschäftsbetriebes wird Wiedermann ins Gefängnis und in verschiedene Konzentrationslager verschleppt.

Als Frankfurt ab Oktober 1943 zunehmender Bombardierung ausgesetzt ist, bittet Metz Wiedermann um Unterstützung bei der Suche einer Wohnmöglichkeit in Bad Nauheim. Metz kommt in der Homburger Straße 8 bei Hofmann unter.

Wenn der Umsturz funktioniert hätte

In Verbindung mit dem Hitler-Attentat setzt die Gestapo etwa 6000 Männer und Frauen fest. Die FAZ vom 19. Juli 2016 berichtet, dass allein in Frankfurt bei der Aktion »Gitter« mehr als 120 Personen verhaftet worden sein sollen. Die meisten seien nicht aktiv am Putschversuch beteiligt gewesen, aber der Historiker Thomas Bauer vom Institut für Stadtgeschichte sei auf Quellen gestoßen, »die bezeugen, dass die Verschwörer um Stauffenberg durchaus auch Vertraute in Frankfurt hatten, - und dass es einen Plan gab, nach einem geglückten militärischen Putsch die zivile Macht in der Mainmetropole zu übernehmen.« Es ist anzunehmen, dass Franz Metz nach dem Umsturz eine Schlüsselposition einnehmen sollte. Möglicherweise auch Robert Wiedermann. Im Tagebuch lesen wir am 2. April 1945: »Viel Sorgen um Franz«; 30. April 1945: »Dachau von den Amerikanern befreit. Gott gebe, dass Franz noch gesund ist«; 7. Mai 1945: »Kapitulation Deutschlands an Amerika, England und Rußland«; 18. Mai 1945: »Nachricht: Opa ist gesund«; 2. Juni 1945: »Elli (Tochter) will von Frankfurt nach Dachau fahren, Opa abholen«; 6. Juni 1945: »Fährt Elli mit Wagen nach Bad Tölz, Opa holen. Frohe Hoffnung«; 17. Juni 1945: »Elli kommt allein zurück, hat Opa in Geretsried bei Tölz gefunden, ist aber nicht transportfähig. Traurige Nachricht, will in 10 Tagen nochmals hinfahren«; 27. Juni 1945: »Elli fährt mit Auto nach Geretsried, Opa holen«; 2. Juli 1945: »Elli kommt allein zurück. Opa ist am 13. 6. um 20.30 Uhr verstorben. Erschütternde Nachricht, furchtbar und traurig.«

Die SS treibt kurz vor dem Eintreffen der Amerikaner in Dachau Tausende Häftlinge aus dem KZ in Richtung Tirol, im sogenannten Todesmarsch. Mindestens 1000 von ihnen werden die Tortur nicht überleben. Metz stirbt in Geretsried, vermutlich im Lager Buchfeld, geschwächt - an Lungenentzündung.

Wiedermann war, wie die WZ anlässlich seines Todes 1960 schrieb, nach dem Krieg »einer der Ersten, der mit zupackte, als alles verloren schien. Mit einem Häuflein Getreuer machte er sich an den Wiederaufbau der Stadt«.

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