Mónica Rincón mit ihren unterschiedlichen Harfen. Selbst die große Konzertharfe (im Hintergrund) bewegt die zierliche Frau mithilfe eines Transportwägelchens alleine enge Treppen hinauf und ins Familienauto. FOTOS: HANNA VON PROSCH
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Mónica Rincón mit ihren unterschiedlichen Harfen. Selbst die große Konzertharfe (im Hintergrund) bewegt die zierliche Frau mithilfe eines Transportwägelchens alleine enge Treppen hinauf und ins Familienauto. FOTOS: HANNA VON PROSCH

Engelsmusik mit Power

  • vonHanna von Prosch
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Fünf Harfen, vier Kontrabässe, ein kleines Probenzimmer in einer Friedberger Wohnung. Musik bestimmt das Leben der Familie Rincón-Undisz. Mónica Rincón ist Kolumbianerin und war beim ersten Anblick einer Konzertharfe "hin und weg". Sie hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und ist glücklich, als freie Künstlerin leben zu können.

Wenn Mónica Rincón von Musik spricht, reden ihre Hände in Harfengriffen. Als ob ihre wachen Augen die umherschwirrenden Töne suchten, will sie genau die richtigen Worte finden. Das ist auch nach 20 Jahren Leben in Deutschland nicht immer einfach für sie. Rincón kam zum Studium nach Bremen, machte ihr Konzertdiplom in Frankfurt, ergänzte in Detmold den Master in Kammermusik. Der Großraum Frankfurt ließ sie jedoch nie los, hier hatte sie Konzert-Engagements, Schüler und Freunde. In Gießen spielte sie an der Oper. Ehemann und Musikpartner ist der freischaffende Kontrabassist Christian Undisz, der in Bad Nauheim ständiger Gast bei den Silvesterkonzerten ist.

"Mein Mann mag besonders Barockmusik auf Originalins-trumenten. Ich liebe Stücke, die Power haben, und suche nach Effekten. Trotzdem spielen wir manchmal zusammen in Kinderkonzerten und als Duo. Es macht Spaß, beide Ins-trumente solo ergänzen sich wunderbar", erzählt sie. Wenn sie nicht gerade übt, in Corona-Zeiten zwei, sonst vier bis fünf Stunden, stellt sie Programme für Konzerte zusammen, die sie im Rhein-Main-Gebiet und weit darüber hinaus gibt. "Man muss geben, was man ist. Das heißt, nicht nur Anlass und Ort einzubeziehen, sondern man sucht sich etwas aus, wozu man Lust hat, was einen bewegt."

Dass Harfenspiel nicht nur "Engelsmusik" ist, hat Rincón schon als Kind in Kolumbien erfahren. Dort kennt man eine einfache Harfe, auf der volkstümliche Stücke gespielt werden. Das kannten auch ihre eher wissenschaftlich als musisch geprägten Eltern. Als die kleine Mónica nach einem vergeblichen Versuch, ein Jahr lang Musiktheorie und Chor durchzustehen, die Konzertharfe sah, war ihr klar: "Das will ich lernen. Erst danach kam der Klang."

Sieg bei großem Wettbewerb

Damals war sie elf. Trotzdem studierte sie später zunächst Chemie und Biologie, spielte nur nebenbei in Orchestern. Nachdem sie in Venezuela einen großen Wettbewerb gewonnen hatte, existierte für sie nur noch die Musik.

Ein Leben als Orchestermusikerin wäre für sie nichts. Mónica Rincón liebt die Freiheit. Sie will in unterschiedlichen Ensembles spielen, wie der außergewöhnlichen Formation "Letzte Lieder", genießt die Solo- oder Duo-Programme. Sie arrangiert inzwischen auch kolumbianische Folklore für Konzertharfe und experimentiert. Händel oder Mozart mag sie, die damals für eine kleine Einfachpedalharfe schrieben. Das im Original zu spielen, liegt ihr aber nicht. Es sei sehr kompliziert. Dazu muss man wissen, dass die Pedalharfe - die Pedale ermöglichen das Spielen von Halbtönen - erst in der Romantik entstanden ist. "Ich glaube, man entwickelt mit den Lebensphasen auch seine Vorlieben. Den eigenen Weg zu finden, ist ein langer Prozess", sagt sie.

Außerdem unterrichtet Mónica Rincón sehr gerne: in der Musikschule in Oberursel und privat. "Es ist schön, die jungen Leute in ihrer musikalischen Entwicklung begleiten zu können. Etliche sind weit gekommen als Preisträger bei ›Jugend musiziert‹ oder sie spielen im Landesjugendsinfonieorchester." Ob das auch ihr "großer" Sohn Luis (4) schafft? Jedenfalls hat er schon eine kleine Harfe und ebenso viel Interesse wie sein zehn Monate alter Bruder am Ausprobieren. Bei den Konzerten sind die beiden sowieso meistens mit dem Papa dabei.

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