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Mit genügend Abstand beginnt nach acht Monaten die erste gemeinsame Chorprobe - vor Ort und nicht vor dem Bildschirm.

Endlich wieder zusammen singen

  • VonHarald Schuchardt
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Acht Monate konnten Chor-Sängerinnen und -Sänger nicht gemeinsam proben. Zumindest nicht vor Ort, stattdessen schon eher über eine Online-Plattform. Nun beginnen langsam wieder die Treffen, wenn auch unter besonderen Bedingungen und Regeln - so wie beim gemischten Chor in Schwalheim.

Das Thermometer zeigt am frühen Mittwochabend 30 Grad, die Sonne strahlt. »Das ist doch genau das richtige Wetter für unser erstes Treffen nach acht Monaten«, sagt Christa Pieh auf der Terrasse der Mehrzweckhallen-Gaststätte in Schwalheim. Pieh gehört zum fünfköpfigen Vorstandsteam des gemischten Chores Schwalheim, das im Januar vergangenen Jahres - also noch vor der Pandemie - gewählt worden ist. »Es war schon eine sehr besondere Zeit«, blickt Dieter Hahn, der »inoffizielle Sprecher« des Vorstandsteams, zurück.

An gemeinsames Singen oder gar Auftritte war in denvergangenen acht Monaten nicht zu denken. Gut die Hälfte der 32 Aktiven, darunter ein Dutzend Männer, beteiligte sich am wöchentlichen Online-Singen, das Dirigent Hermann Jung initiiert hatte. »Es ist schon befremdlich, alleine vor dem PC zu sitzen und zu singen, zumal Hermann Jung alle anderen Stimmen weggeschaltet hat, sodass ich mich nur selbst hörte«, erzählt Vorstandsmitglied Hans Jürgen Jung, den in Schwalheim alle nur »Cowboy« nennen. »Meine Frau meinte, es klinge nicht gerade schön« fügt er lachend hinzu. Nach und nach hat sich Jung aber an das Singen vor dem PC gewöhnt.

Auch Gretel Jung, mit 90 Jahren das älteste aktive Chormitglied, machte beim Online-Singen mit. »Ich dachte, ich versuch’s mal, und nach ein paar Abstürzen hat es geklappt«, sagt die rüstige Seniorin, die sich - wie alle anderen auch - auf die erste gemeinsame Singstunde nach acht Monaten sichtlich freut. »Hoffentlich kann ich überhaupt noch singen«, fügt sie lachend hinzu.

»Wir waren schon mal ein paar mehr«, sagt Hahn, doch zur Probenpremiere nach dem Lockdown sind fast alle Aktiven gekommen. »Ich habe mit dem Ersten Stadtrat Peter Krank telefoniert, er hat die Probe hier genehmigt«, erläutert Hahn

Mindestabstand einhalten

Eine Premiere ist die erste Nach-Lockdown-Probe auch für Dirigent Herrmann Jung, der aktuell drei Chöre leitet und dazu noch in drei Seniorenheimen einmal in der Woche gemeinsam mit den Bewohnern singt. »Das läuft jetzt langsam alles wieder an, ich bin sehr gespannt, wie es wird«, sagt der Chorleiter, der die Sängerschar darauf hinweist, den Mindestabstand beim Singen einzuhalten. So dauert es schon einen Moment, bis sich die Männer und Frauen auf der Wiese im Schatten der Mehrzweckhalle positioniert haben.

»Wir fangen heute langsam an«, verkündet Jung, der den Chor seit knapp 15 Jahren leitet. So geht es mit einigen Stimm- und Atemübungen los. »Nana, dubidu«, singt der Chor noch recht leise und verhalten. »Machen Sie sich frei«, sagt Jung und stimmt »Dubadidu, sing a cappella« an. Schon wird der Chor lauter. »Das ist jetzt schon einigermaßen gut, aber noch nicht ganz,« lobt der Dirigent den Chor. Dann lässt der Chorleiter nur die Männer singen, die Frauenstimmen kommen etwas später dazu. Und als Jung feststellt »Jetzt klingt’s gut«, bemerkt Pieh: »Ja, weil wir Damen mitsingen«. Alle lachen. Dann wird es ernst. Das »Rennsteiglied« ist das erste Lied, das der Chor gemeinsam singt. »Macht den Mund auf«, ruft Jung beim zweiten Vers und ergänzt später: »Sie dürfen nicht ermüden.« Das nächste Lied ist »Die Schäferin«, das mehrstimmig gesungen wird. Das klappt dann doch schon einigermaßen gut. Die lange Pause ist der Sängerschar schon anzumerken. Doch das wird sich sicher bald ändern, finden doch ab sofort wieder regelmäßig Open-Air-Proben statt.

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