Der Lieblingsplatz von Martina und Dirk Pfannmüller ist der Ausblick in Richtung Friedberg und Vogelsberg zwischen zwei Bäumen. 	FOTO: LONI SCHUCHARDT
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Der Lieblingsplatz von Martina und Dirk Pfannmüller ist der Ausblick in Richtung Friedberg und Vogelsberg zwischen zwei Bäumen. FOTO: LONI SCHUCHARDT

Wo einst der Krieg geprobt wurde

  • vonHarald Schuchardt
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In den 1970er Jahren gehörten Panzer und Raketen zum Alltag der Ockstädter. Oberhalb des Kirschenberges befanden sich ein Truppenübungsplatz und eine Raketenstation der US-Army. Heute ist davon nicht mehr viel zu sehen. Nicht nur Martina und Dirk Pfannmüller lieben das Areal, das sich die Natur zurückgeholt hat.

Wann immer es der vollgepackte Terminkalender von Martina und Dirk Pfannmüller - beide Jahrgang 1962 - zulässt, geht das in der Kernstadt lebende Ehepaar an die frische Luft. »Gerade jetzt, während der Corona-Pandemie nutzen wir die freie Zeit für Spaziergänge. Wir lieben diesen Platz an der alten Raketenstation«, sagt Martina Pfannmüller, die in Ockstadt geboren und aufgewachsen ist.

Der Blick über die Stadt bis hin zum Hoherodskopf genießt das seit 33 Jahren verheiratete Paar, das seit vielen Jahren in der Kerckhoff-Klinik arbeitet. »Dirk ist der Herr des Geldes«, scherzt Martina, die sich als »leidenschaftliche MTRA« bezeichnet. MTRA bedeutet medizinisch-technische Radiologieassistentin, ein Beruf, der Martina Pfannmüller in der Corona-Pandemie einiges abverlangt.

»Da helfen unsere gemeinsame Spaziergänge den Kopf frei zu bekommen«, sagt Martina Pfannmüller, und Ehemann Dirk ergänzt: »Hier sind wir immer zu zweit unterwegs.« Viele Hobbys bestreiten die Beiden zusammen: Motorrad fahren, vor allem in den Vogelsberg, Fernreisen mit dem Lieblingsziel Afrika und die Fassenacht.

Wanderweg leicht erreichbar

Bei der KV Schwarze 7 steigen beide als streitbares Ehepaar alljährlich in die Bütt, Dirk ist dazu noch Protokollant und Tänzer im Männerballett. »Eigentlich wären wir jetzt mit den Vorbereitungen für die närrische Saison voll beschäftigt. Das fällt dieses Jahr alles weg, also gehen wir mehr spazieren«, so Dirk Pfannmüller, der außerdem im Urlaub gerne taucht und Mitglied im Kuratorium des Theaters Altes Hallenbad ist.

Der Wanderweg im renaturierten Areal ist für das Ehepaar schnell erreichbar. Geparkt wird am Anfang der einstigen Panzerstraße, in Nähe der Werkstatt für Behinderte. »Die weite Sicht von hier oben ist sensationell. Man blickt über Ockstadt nach Friedberg und auf große Teile der Wetterau bis hin zum Hoherodskopf«, schwärmt Martina Pfannmüller, die seit 2006 für die CDU im Stadtparlament sitzt.

»Meine Familie hatte hier in der Nähe ein Kirschbaum-Grundstück, im Sommer kamen wir öfters hier entlang. »Die Raketenstation war von der US Army schwer bewacht«, erinnert sich Martina. Hinter den Toren sah man mehrere Gebäude und halbrunde Hangars. Der größte Teil des Geländes wurde als Übungsgebiet für Kettenfahrzeuge verwendet. »In heißen Sommern war hier alles war voller Staub«, erzählt sie weiter: »Dazu kam das entsetzliche Gebell der Hunde, die an den Stacheldrahtzäunen entlangliefen sowie das ständige laute Brummen der Stromgeneratoren.«

Es war die Zeit des Kalten Krieges, und die Ockstädter Raketenstation war tatsächlich ein Teil des legendären »Fulda Gap«: Wäre es zu einem Dritten Weltkrieg gekommen, wären die sowjetischen Streitkräfte über diesen Korridor einmarschiert. Die Raketenstation wäre sicher eines der ersten Angriffsziele gewesen, was vielen erst nach der Wende 1989 und dem Ende des Kalten Krieges so richtig bewusst wurde.

Natur holt sich Raum zurück

Martina Pfannmüller: »Ich freue mich immer wieder, wenn ich heute hier einfach so hindurchlaufen kann. Es ist herrlich zu sehen, wie die Natur sich ihren Raum zurückgenommen hat und sogar ein kleiner Wald entstanden ist.«

Heute ist das FFH-Gebiet ein geschützter Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen. Allerdings haben die Eltern zweier erwachsener Kinder den seltenen Kammmolch, der auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht, noch nicht gesehen, »aber er soll hier in den Teichen leben«, weiß Dirk Pfannmüller. Seine Ehefrau stellt abschließend fest: »Alles ist hier wieder gut. Das ist einfach schön.«

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