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IMPULS

In Einsamkeit von Gott getragen

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Hatten Sie schon einmal die Gelegenheit, die Palmsonntagsprozession in Jerusalem mitzufeiern? Vor einigen Jahren konnte ich dieses Ereignis in einer Pilgergruppe miterleben. Was sich dem Besucher bot, hatte so überhaupt nichts mit der ernsten und getragenen Atmosphäre zu tun, die wir bei den Gottesdiensten in der Karwoche erleben. Bei dieser Prozession herrschten ein reges Getümmel und eine ausgelassene Stimmung. Nicht lange, und man wurde mitgerissen vom Singen und vom Rhythmus der feiernden Menge.

So ähnlich, dachte ich mir, musste es damals gewesen sein, als Jesus auf seinem Esel reitend nach Jerusalem gezogen war. Und mitten in der Masse feiernder Menschen war er mir plötzlich ganz gegenwärtig: vom Jubel der Menge getragen - aber in dem Wissen, dass er seinem Tod entgegenging. Mir wurde plötzlich seine tiefe Einsamkeit bewusst, eine angstvolle Einsamkeit, obwohl seine Jünger und Sympathisanten ihn umringten. Diese Einsamkeit ist eine Grunderfahrung, die wir Menschen immer wieder machen: Die Erfahrung, alleine zu sein mit meinen Ängsten. Selbst die Nähe und Gegenwart geliebter Menschen kann diese tiefe Einsamkeit oft nicht heilen. Letztlich konnte Jesus diesen Weg nur zu Ende gehen, weil er sich in seiner Einsamkeit ganz von Gott getragen und gehalten wissen durfte.

Vielleicht hat Jesus sich an den Worten des Psalmes 63 festgehalten, an denen auch ich mich festhalten darf: »Gott, meine Seele hängt an Dir, Deine rechte Hand hält mich fest! So konnte er seinen Weg weitergehen.«

Pfarrer Tobias Roßbach ,

katholische Pfarrei St. Gottfried, Butzbach

In dieser schweren Zeit hat sich das ev. Dekanat Wetterau dazu entschieden, sich für jeden Tag einen geistlichen Impuls zu überlegen und diesen den Lesern der Wetterauer Zeitung zur Verfügung zu stellen. Heute ist es ein ökumenischer Beitrag. FOTO: PM

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