Auch an diese Begegnung mit einer Gruppe von Frauen in Indonesien erinnert sich Dennis Kailing gerne. FOTO: PM
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Auch an diese Begegnung mit einer Gruppe von Frauen in Indonesien erinnert sich Dennis Kailing gerne. FOTO: PM

Einmal die Erdkugel umradelt

  • vonred Redaktion
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Der Gelnhäuser Dennis Kailing ist mit 24 Jahren mit dem Rad losgefahren. Er hat einmal die Welt umrundet und aus seinen Erlebnissen einen Film und ein Buch gemacht. Der Film "Besser Welt als nie" läuft heute im Butzbacher Open-Air-Kino.

Woher kam die Idee zu dieser Reise?

Die beste Antwort, die ich wohl geben kann, ist: weil ich einfach richtig Lust drauf hatte. Es war so ein inneres Brennen oder Verlangen, das sagte, dass ich raus muss. Raus in die große weite Welt, was erleben, neue Dinge sehen, Menschen kennenlernen - sich auf ein Abenteuer einlassen. Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel war anfangs eher eine finanzielle Frage. Alle anderen Vorteile bzw. die Schönheit des Radreisens lernte ich erst während der Reise kennen.

War der Film von Anfang an geplant?

Ich würde es eher als Idee bezeichnen, schließlich hatte ich keine Erfahrung als Kameramann, Regisseur oder Produzent. Eigentlich habe ich einen Abschluss als Bauingenieur. Aber Film, Fotografie und Bildbearbeitungen haben mir schon immer Spaß gemacht.

Welche Ausrüstung hatten Sie dabei?

Ich hatte eine Spiegelreflexkamera, eine Drohne und eine Actionkamera. Nicht zu vergessen ist natürlich auch mein kleines Stativ, das oft den fehlenden Kameramann ersetzte.

Was war Ihnen beim Filmen besonders wichtig?

Ich wollte viele Leute zu Wort kommen lassen und die Begegnungen mit anderen Menschen einfangen. Natürlich bin ich auch zu sehen und irgendwie geht es ja auch um mich bzw. meine Reise. Aber die Menschen, die ich auf der Tour getroffen habe, haben die Reise so besonders für mich gemacht, deswegen spielen sie einen wichtigen Part im Film.

Wie haben Sie ihre Daten gesichert? Wie viel Stunden Material hatten Sie?

Ich hatte eine Festplatte dabei und habe alle drei bis vier Monate die Videos und Bilder auf USB-Sticks nach Hause geschickt. Am Ende waren es insgesamt 73 Stunden Videomaterial.

Und wie gingen Sie vor, als Sie mit diesen 73 Stunden daheim ankamen?

Irgendwann lernte ich Wolfgang Würker kennen - ein erfahrener Filmemacher im Bereich Doku. Mit ihm habe ich mich in größeren Abständen immer wieder getroffen und inhaltlich über den Film gesprochen.

Wie haben Sie den Film finanziert?

Als ich zu Hause ankam, dachte ich: Einen Film zu machen, das geht schon irgendwie. Bis man mir aufzeigte, wie teuer es wird, wenn der Film professionell werden soll. Also habe ich Fördermittel bei der hessischen Filmförderung beantragt. Dass diese bewilligt wurden, war eine Überraschung, schließlich hatte ich zu dem Zeitpunkt als Filmemacher nichts vorzuweisen. Später habe ich noch ein Crowdfunding gestartet, das mir auch bei den Kosten für den Buchdruck helfen konnte.

Wie unterscheiden sich Film und Buch?

Inhaltlich geht es natürlich bei beiden Werken um die Reise. Der Film erzählt viele Dinge, ohne sie ansprechen zu müssen. Das passiert durch die Bilder, durch die Filmmusik, aber auch oft durch Gesten und Mimik. Wenn mir oder anderen im Film die Worte fehlen, dann sagt das ja auch schon wieder eine Menge aus. In meinen Augen ist der Film ein liebevolles, teilweise verrücktes, teilweise witziges audiovisuelles Werk, das hoffentlich viele schöne Emotionen hervorrufen wird, aber das leider nach nur 111 Minuten vorbei ist. Dabei gab es noch so viel mehr Geschichten. Die finden im Buch ihren Platz.

Was erhoffen Sie sich vom Film bzw. von Ihrem Buch?

Da ich selbst von Radreise-Bloggern und Radreise-Filmen inspiriert wurde, wäre es toll, wenn ich mit meinem Film bzw. Buch wiederum andere vom Radreisen überzeugen kann. Mit dem Fahrrad zu reisen ist echt eine aufregende und verdammt schöne Sache!

Welche Erkenntnisse haben Sie durch Ihre Reise gewonnen?

In meinem Buch habe ich versucht, diese Frage kurz und knapp zu beantworten und kam auf neun Seiten. Man nimmt schon einiges mit von einer solchen Reise. Zwei Dinge, die mir spontan einfallen, sind: 1. Die Welt ist ein wunderschöner Ort und der Mensch prinzipiell gut. 2. Es geht immer weiter. Ich bin immer wieder in schwierige Situationen geraten, hatte keinen Platz zum Schlafen, das Fahrrad machte Probleme, ein Visum wurde verweigert etc. Aber immer wieder konnte ich eine Lösung finden - egal wie kniffelig die Situation war. Irgendwann wurde mir bewusst, dass das wohl immer funktionieren wird, auch wenn es manchmal etwas schwieriger ist. Und diese Erkenntnis versuche ich jeden Tag mitzunehmen.

Gibt es neue Projekte?

Ich bin voll eingespannt mit Film und Buch. Was danach passiert, weiß ich noch nicht.

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