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Vom Einhorn im Regenbogenland

  • vonAnnette Hausmanns
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Welche Kreativität die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen freisetzen kann, zeigt das Beispiel von Mirjam Siebert. Eigentlich arbeitet die junge Frau jeden Tag in der Textilabteilung der Wetterauer Werkstätten in Ockstadt. Der Lockdown machte der kontaktfreudigen Werkstatträtin schwer zu schaffen. In einer fantasievollen Bildergeschichte schrieb sie sich ihre Sorgen von der Seele.

Es war ein kleines Regenbogeneinhorn, das hieß Pia. Das kleine Regenbogeneinhorn war in seiner Herde sehr beliebt. Pia, das kleine Einhorn, leuchtete im Dunkeln." So beginnt die farbenfrohe Bildergeschichte von Mirjam Siebert. Die Geschichte erzählt von einem kleinen Einhorn mit regenbogenfarbiger Mähne, das sich der großen Einhornherde anschließt und im Regenbogenland wunderbare Nähe erlebt zu seinesgleichen, zu bunten Blumen, Schmetterlingen und zarten Elfen. Aber auch Trennungsschmerz und Einsamkeit sind Facetten dieser besonderen Erzählung.

"Ich habe noch nie eine Geschichte geschrieben", erzählt Mirjam Siebert bei einer genüsslichen Tasse Kaffee auf der Terrasse des Cafés "Alte Schule" in Ockstadt. Ihre Gesichtsmaske kann die junge Frau hier draußen ablegen und ist dankbar.

Lange war Mirjam Siebert unter den Corona-Auflagen den Großteil des Tages auf sich gestellt und viel alleine in ihrer eigenen Wohnung. Der leidenschaftlichen Mitarbeiterin und Werkstatträtin fehlte ihre Arbeit in den Wetterauer Werkstätten der Behindertenhilfe. Ihr fehlten im Lockdown die Kontakte zu den Kollegen in Ockstadt, das Ausgehen in ihrem Wohnort, Ausflüge in die Umgebung.

Ein Heft mit vielen bunten Bildern

Ein bisschen sei ihr in ihrer Wohnung die Decke auf den Kopf gefallen, erinnert sich Mirjam Siebert jetzt, da sie unter strengen Hygieneregeln wieder arbeiten darf. Behutsam zieht sie ein dicht beschriebenes Heft aus der Tasche und blättert darin. Viele bunte Bilder sind zwischen die Zeilen gefügt. Das Malen habe sie schon früher als hilfreich empfunden, um Emotionen auszudrücken, sagt sie. Die Arbeit als Servicekraft am ersten Arbeitsmarkt sei einfach zu stressig gewesen.

Da lobe sie sich die verantwortungsvolle Aufgabe beim Bedrucken und Besticken von T-Shirts oder der Interessens-vertretung im Werkstattrat als Mittlerin zwischen Leitung und Mitarbeitern, ist Mirjam Siebert ganz Feuer und Flamme. Für die Anliegen ihrer Weggefährten hat sie immer ein offenes Ohr und die Courage, sich mit ihren Betriebsratskollegen für die Mitarbeiter einzusetzen. "Soziale Kompetenz und Empathie gehören zu den großen Stärken unserer Mitarbeiter", so hatte es Werkstattleiter Claus Kilian einmal bei einer Betriebsführung ausgedrückt.

Mirjam Siebert ist fest davon überzeugt, dass es ihr nun, da sie während des Lockdowns in ihrer Wohnung eine ganze Geschichte aufschreiben konnte, enorm geholfen habe, mit den eigenen Sorgen umzugehen. "Ich glaube, die Geschichte vom kleinen Einhorn wäre aber auch schön für die kleinen Zeitungsleser", findet Mirjam Siebert.

Das sieht die Wetterauer Zeitung genauso.

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