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In eineinhalb Jahren erbaut

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Wohnbach (sda). Prof. Karl Heinrich Schäfer kennt jeden Zentimeter in der Kirche. Die Orgel, die Stuckdecke, die Glocke - ohne zu überlegen, kann er von all diesen Dingen erzählen. Dass der Bau der Kirche nur eineinhalb Jahre gedauert hat. Dass damals Krieg war, aber das ganze Dorf mit angepackt hat. Und dass der Grundstein der Kirche am 26. April 1620 gelegt worden ist. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, vor 400 Jahren. Eben dieses Jubiläum veranlasste den ehemaligen Wohnbacher dazu, ein Buch über das »stattliche Gotteshaus« zu schreiben, wie er sagt.

Zur Kirche hat Schäfer auch deswegen einen so engen Bezug, weil er als Vierjähriger mit seinen Eltern in den Wölfersheimer Ortsteil gekommen ist. 1952 war das. Sein Vater Heinrich Schäfer war von diesem Jahr an Pfarrer in der evangelischen Gemeinde.

Karl Heinrich Schäfer besuchte zuerst die Volksschule in Wohnbach, die es längst nicht mehr gibt. Nach den ersten vier Klassen ging er auf die Augustinerschule nach Friedberg.

Mit der Volljährigkeit verließ Schäfer den kleinen Ort, wurde Jurist und arbeitet unter anderem als Richter und Leiter der JVA Butzbach. Doch trotz zahlreicher beruflicher Stationen in ganz Hessen sagt er: »Meine Verbindung zu Wohnbach war die ganze Zeit da. Ich bin überzeugter und bekennender Oberhesse.« Immer wieder habe er seinen Heimatort besucht - auch, um Bücher vorzustellen. Denn bevor Schäfer das Buch über die Kirche geschrieben hat, hatte er schon drei andere veröffentlicht. Zum Beispiel das über seinen Vater, der unter den Nationalsozialisten die zugelassenen Ausbildungswege verlassen hatte, um sich nicht von den nazitreuen »Deutschen Christen« ausbilden zu lassen. Nach seinem Studium in Gießen besuchte er als »illegaler Jungtheologe« das Predigerseminar der regimekritischen Bekennenden Kirche in Frankfurt. Heinrich Schäfer starb 1985.

In Kriegszeiten gebaut

Das Buch, das sein Sohn Karl Heinrich Schäfer dieses Jahr veröffentlicht hat, trägt den Titel »Die Kirche im Dorf«. Denn die Kirche, sagt Karl Heinrich Schäfer, war für die Menschen schon immer wichtig. Das hat einerseits mit der baulichen Besonderheit der Kirche zu tun: Sie ist während des Dreißigjährigen Krieges gebaut worden. »Es ist fast ein Wunder, dass der Bau Patronatszwistigkeiten und Kriegszeiten, aufwendige Renovierungen und kostenintensive Schadensbeseitigungen überdauert hat« - und vor allem, dass sie auch heute, 400 Jahre nach dem Bau, noch nahezu unverändert ist.

Doch Schäfer geht es nicht nur um das Gebäude selbst. Sondern vor allem um die Bedeutung der Dorfkirche für die Menschen. »Die Kirche war über Jahrhunderte wichtiger, wenn nicht sogar zentraler Punkt des örtlichen Lebens«, sagt er. »Ich bin ein bedingungsloser Verfechter von Basisarbeit.« Und eine Kirche werde erst zur Kirche, wenn die gesellschaftliche Verantwortung dazukomme. »Das war in Wohnbach schon immer so.« FOTOS: ARCHIV

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