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IMPULS

Eine Zeit zu heilen

  • vonred Redaktion
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"A time to heal" hat Joe Biden nach Bekanntgabe seines Wahlsiegs als zukünftiger Präsident versprochen. Und hat damit sicherlich bewusst auch ein Zitat aus Prediger 3 anklingen lassen. Angesichts der tiefen Gräben in seinem Land und in der ganzen Welt: Naiv? Augenwischerei? Alle Menschen sehnen sich nach Heilung. Und alles, was wir tun, soll dazu dienen, dass wir uns sicher und "ganz" - also heil - fühlen.

Zugegeben: vieles, was ich tue, ist nicht unbedingt heilsam. Und vieles, was andere Menschen tun, erlebe ich als unheilvoll. Doch ich gehe davon aus, dass sie sich dadurch sicherer fühlen. Selbst wenn ihre Worte und Handlungen andere gefährden oder verletzen.

Wenn wir uns umschauen, finden wir schnell schmerzhafte Verwerfungen und Gräben. Und wir erleben nicht erst seit der Corona-Pandemie, wie schnell wir durch Krankheit oder Unfall "versehrt" sein können. Da fällt es oft schwer, das eigene Leben noch als "ganz" zu erleben. Je älter ich werde, desto mehr gelingt mir ein neues Verständnis von Heilung. Eben nicht in dem Sinn, dass alles so wird wie vorher. Und auch nicht so, wie ich es mir gewünscht habe.

Aber wenn ich das, was sich entwickelt hat - mit allem, was zerbrochen ist, allem, was schmerzt und allem, was neu gewachsen ist - annehmen kann, dann erfahre ich mich auf eine neue Art als "ganz". Weil ich mich eingebettet fühle in ein größeres Ganzes. Als Teilhaberin an jener Lebenskraft, die wir nur sehr ungenau mit "Gott" bezeichnen.

Birgit Müller, Pfarrerin in Cleeberg und Espa

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