Der Vorsitzende des Seniorenbeirats Rainer Benthaus vor dem Familienzentrum in Nidderau, in dem monatlich Sprechstunden für Senioren abgehalten werden. 	FOTO: JWN
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Der Vorsitzende des Seniorenbeirats Rainer Benthaus vor dem Familienzentrum in Nidderau, in dem monatlich Sprechstunden für Senioren abgehalten werden. FOTO: JWN

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Eine Stütze für die Senioren

  • vonJürgen W. Niehoff
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Das Coronavirus macht zwar keinen Unterschied zwischen Jung und Alt, doch da die Senioren nach Ansicht aller Fachleute zur Risikogruppe zählen, treffen sie die Einschränkungen am härtesten. »Viele leiden sehr unter der Einsamkeit«, stellt auch Rainer Benthaus, der Vorsitzende des Nidderauer Seniorenbeirats fest.

Seniorenausflüge abgesagt, Seniorenkino ausgesetzt, gemeinsame Seniorenveranstaltungen abgesetzt: Für Nidderauer Senioren gibt es derzeit wenig Grund zur Freude. Doch gerade für die alten Menschen sei der Kontakt zur Außenwelt unheimlich wichtig, sagt Rainer Benthaus, Vorsitzender des Nidderauer Seniorenbeirats.

»Stellen Sie sich doch nur einmal vor: Sie wissen, dass sich ihr Leben dem Ende zuneigt und Sie dürfen keinen Kontakt nicht einmal zu ihren Angehörigen unterhalten«, beschreibt er die schwierige Situation für die Senioren während der Corona-Pandemie - egal, ob im Altenheim oder in den eigenen vier Wänden, »Weggesperrt ist weggesperrt.«

4120 Nidderauer über 65 Jahre alt

Entscheidend sei auch die Zeitdauer. »Für Kinder sind zwei Monate ohne Spielgefährten zwar ebenfalls lang. Doch im Vergleich zu den ältesten Senioren, die nur noch wenige Jahre zu leben haben…«, sagt der Seniorenbeiratsvorsitzende.

Ihm und seinen Beiratsmitgliedern waren zuletzt die Hände gebunden. Auch sie durften nicht mehr in die Altenheime und hatten alle Veranstaltungen für die nächsten Monate erst einmal abgesetzt, sagt Benthaus.

Rund 5600 Bürger in Nidderau sind über 60 Jahre, 4120 über 65 Jahre. Sie bilden die Zielgruppe, um die sich der siebenköpfige Seniorenbeirat - ein überparteiliches Gremium, das alle vier Jahre von den Senioren der Stadt gewählt wird - kümmert. Und das beschränkt sich nicht nur auf Beratung und Kursen für die Benutzung der neuen Medien oder sozialen Fragen, bei denen die Stadt dem Seniorenbeirat hilfreich zur Seite steht: Es gibt gemeinsame Unternehmungen wie Boule spielen, Fahrradtouren, Faschingsfeiern oder Seniorenkino. »Gerade Letzteres ist bei den Senioren sehr beliebt. Teilweise kommen bis zu 120 oder 150 ältere Mitbürger zu unserem Seniorenkino, bei dem wir die Filme selbst auswählen«, berichtet Benthaus stolz.

Auch die Nachmittage, an denen die drei von der Polizei ausgebildeten Sicherheitsberater des Seniorenbeirats ältere Menschen über besondere Arten der Kriminalität zum Nachteil dieser Altersgruppe informieren, seien sehr gefragt. Diese Informationen erfolgten in unterschiedlichen Formen, beispielsweise in kleineren Freundes- oder Bekanntenkreisen, in Vereinen oder auch im Rahmen eines geselligen Nachmittags bei Kaffee und Kuchen sowie mit unterhaltsamen, themenbezogenen Sketchen, etwa von der Kabarettgruppe »Die Krawallcher«, informiert Benthaus.

Beirat soll zunächst im Amt bleiben

Auch wenn derzeit wegen der Corona-Krise alles auf Sparflamme läuft, ist der Seniorenbeirat nicht untätig. Aktuell bestimmt die Vorbereitung für die Seniorenbeiratswahl 2020 die Agenda. Die sollte eigentlich im Herbst dieses Jahres stattfinden. Wie bei allen demokratischen Wahlen muss auch bei der Seniorenbeiratswahl den Kandidaten die Möglichkeit gewährt werden, sich den Wählern vorzustellen. Dafür war eine Vollversammlung im August geplant. Da diese bereits abgesagt worden war, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder die Wahl wie vorgesehen noch in diesem Jahr stattfinden zu lassen, allerdings in Form einer reinen Briefwahl, oder auf 2021 verschieben.

Letzteres wurde nach eingehender Diskussion und nach Bereitschaftserklärung der Beiratsmitglieder, ihr Amt noch ein weiteres Jahr ausüben zu wollen, so beschlossen. »Das Risiko auf der Vollversammlung, dass plötzlich mehrere 100 Senioren kommen und wir die Abstandsregelung nicht hätten einhalten können, war uns zu groß«, erläuterte Benthaus den Beschluss. Der muss allerdings noch von der Stadtverordnetenversammlung bestätigt werden. Ansonsten freut sich Benthaus über die jüngsten Lockerungen und dass »wir auch wieder in die Altenheime gehen und uns um unsere Senioren kümmern können«.

Der Seniorenbeirat Nidderau wurde 1996 zum ersten Mal gewählt. Der Beirat ist beratendes Organ der politischen Gremien der Stadt und vertritt die Interessen der Senioren gegenüber den kommunalen Beschlussgremien wie Magistrat, Stadtverordnetenversammlung und Ausschüssen. Er kümmert sich um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Senioren in allen Stadtteilen und leitet auch die Wünsche und Anregungen der Senioren an die städtischen Gremien weiter. jwn

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