Ein historischer Schlauchwagen und alte Uniformen gehören zum Inventar des Mini-Museums.
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Ein historischer Schlauchwagen und alte Uniformen gehören zum Inventar des Mini-Museums.

Eine Feuerwehr mit Schaufenster

  • vonHarald Schuchardt
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Die Feuerwehr Ockstadt soll ein neues Gerätehaus erhalten (die WZ berichtete). Das bisherige Domizil entspricht schon lange nicht mehr dem heute üblichen Standard, hat aber einige Besonderheiten. Zum Beispiel einen ehemaligen Verkaufsladen mit Schaufenster, der als »Mini-Museum« dient.

Wer in Ockstadt von der Bachgasse in die Gartenstraße läuft, der erblickt sofort das Feuerwehrgerätehaus und wenige Meter weiter das Schaufenster eines früheren Geschäfts, das von der Wehr als »Mini-Museum« genutzt wird. Das ist nicht die einzige Besonderheit des Feuerwehrgerätehauses. Die Geschichte, wie es zu dem Standort gekommen war, hat Uli Henritzi, der langjährige Schriftführer der Ockstädter Wehr, für die Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum der Feuerwehr im Jahre 2008 recherchiert und auf WZ-Anfrage ergänzt.

Im Jahre 1953 forderte die Feuerwehr ein neues Gerätehaus, da der bisherige Standort, das alte Rathaus hinter der Jakobuskirche, aus allen Nähten platzte. Schließlich genehmigte der damalige Bürgermeister Heinze den vom Vorstand im Januar 1956 geforderten Umbau des hinteren Teils der alten Zehntscheune zum Gerätehaus. Die Kosten beliefen sich auf rund 11 000 Mark. Am 1. Juli 1956 feierte das ganze Dorf die Einweihung des neuen Gerätehauses mit einem Umzug, einer großen Schauübung und einem Tanzabend im Kaisersaal.

Im März 1972 begann man damit, die Speicher der Schlossscheunen zu einem schmucken Unterrichtsraum umzubauen, der schließlich am 29. Oktober 1972 offiziell eingeweiht wurde. Die Idee zu diesem Vorhaben hatte der damalige Wehrführer Karl-Günter König, der für seine Pläne bei dem damaligen Bürgermeister Johannes Grimmel ein offenes Ohr fand.

»Käs’ Anna« im Verkaufsladen

In dem von der Feuerwehr genutzten Gebäude befand sich zur Gartenstraße hin auch ein Laden, der seit 1999 mit den dahinter liegenden Räumen von der Wehr genutzt wird. Ab 1968 beherbergte dieser Gebäudeteil die zentrale Milchsammelstelle der Zentra-Molkerei, die von Landwirt Berthold Ewald, dem langjährige Vorsitzenden des Gesangvereins Eintracht, geführt wurde. Neben der Annahmestelle entstand ein Verkaufsladen, in dem Zentra-Milchprodukte verkauft wurden. Berthold Ewalds Ehefrau Anna führte bis 1976 den sehr gut gehenden Laden - sie wurde im Ort »Käs’ Anna« genannt. Den Laden übernahm Reinhold Salzmann, der aus dem Milchladen einen »Tante-Emma-Laden« machte. Es folgte von 1990 bis 1992 ein Kurzwarengeschäft, das Gerlinde Horst führte. Anfang der 90er Jahre wurde die Milchannahmestelle geschlossen und ab 1993 stand dieser Gebäudeteil komplett leer.

Der damalige Wehrführer und Vorsitzende Werner Kipp bemühte sich um die Räume. Sein Plan wurde von seinem Nachfolger Oswald Jung nach und nach umgesetzt. Im November 1997 baute man zunächst ein Zaun ab, entfernte eine Mauer, fällte eine Birke und pflasterte den Hof. Die Umbauarbeiten in den Räumen zogen sich durch das ganze Jahr 1998. Seit dem Ende der Baumaßnahme im Mai 1999 stehen der Wehr im Bereich der ehemaligen Milchannahmestelle ein großer Umkleideraum für Männer, ein weiterer Umkleideraum für Frauen, Dusche und Toilette sowie ein Ausstellungsraum zur Verfügung.

2700 Stunden ehrenamtlich aktiv

Insgesamt wurden für den Umbau ehrenamtlich 2700 Stunden geleistet. Der Verein übernahm die Materialkosten in Höhe von über 15 000 Mark. Der Tag der offenen Tür am 31. Oktober 1999 war verbunden mit der Einweihung.

Im Ausstellungsraum mit dem großen Schaufenster fanden der alte Hydrantenwagen und die Feuerwehrspritze aus dem Jahre 1895 einen neuen Standort. Die Spritze war 1994 von Mitgliedern der Wehr liebevoll restauriert worden und ist bis heute voll funktionstüchtig. Ihr bisher letzter »Einsatz« war beim Dorfjubiläum im Jahre 2017.

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