Mariabildchen_140621_4c
+
Karl Hirzmann (r.) und Albert Bodenröder sind zufrieden mit ihrer Arbeit: Die Betbank steht fest, und vor allem gibt es ein neues Mariabildchen am alten Ort.

Ein Ort mit bewegender Geschichte

  • VonHanna von Prosch
    schließen

Es gibt wieder ein Mariabildchen im Frauenwald zwischen den Nieder-Mörler Streuobstwiesen und der Rundfahrt. Zwei Männer aus der katholischen Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt haben es samt Rahmen erneuert und die verrottete Betbank ersetzt. »Hoffentlich bleibt es jetzt heil«, ist der größte Wunsch der beiden Männer.

Als das wohl mehr als 100 Jahre alte Bild mit der Mutter Gottes und dem Jesuskind auf dem Arm im Januar mutwillig vollkommen zerstört wurde, waren viele Menschen entsetzt und traurig (diese Zeitung berichtete). Zwar ging schon lange keine Flurprozession mehr dorthin an die Stelle im Frauenwald zwischen den Nieder-Mörler Streuobstwiesen und der Rundfahrt, aber über all die Jahre hatte sich dieser Ort eine gewisse Heiligkeit bewahrt. Die Menschen legten an Gedenktagen Blumen ab, hielten beim Spaziergang inne, dankten und beteten.

Über 100 Jahre alter Holzrahmen

Vor drei Jahren wurde das mit seiner Metallplatte und dem kleinen Dach schon in den Baumstamm eingewachsene Bild zum ersten Mal beschädigt. Immer wieder reparierte es jemand. So auch jetzt. »Wir haben es unseren Frauen zuliebe getan«, erzählen Karl Hirzmann und Albert Bodenröder. Sie selbst sind keine geborenen Nieder-Mörler, aber ihre Frauen. Und die erinnern sich noch daran, wie die Himmelfahrtsprozession zur Kapelle an dem Bild vorbei ging. »Ich war vor ungefähr 50 Jahren auch mal dabei«, sagt Hirzmann.

Die beiden älteren Herren erledigen immer wieder kleine Reparaturarbeiten, die in der Kirchengemeinde anfallen. Bei ihren Spaziergängen entdeckten sie die Beschädigungen. »Wer macht denn so was?« fragten sich beide fassungslos. Als diese Zeitung im Februar über das komplett zerstörte Bild berichtete, ließen die Frauen keine Ruhe mehr. Ein neues Mariabildchen musste her.

Pfarrsekretärin Patricia Philipp, Hirzmanns Tochter, fand ein ähnliches, in der Größe passendes schwarzweißes Marienbild von ihrer Firmung. Bodenröder scannte es fachmännisch ein. Dann kramte er auf dem Dachboden einen mehr als 100 Jahre alten geschnitzten Holzrahmen hervor, den er eigentlich wegwerfen wollte, passte ihn der eingewachsenen Platte an und das Bild hinein.

So bekam alles eine neue Bestimmung. »Unter dem Plexiglas ist es nun vor Regen sicher und hoffentlich auch vor erneuter Zerstörung«, wünschen Hirzmann und Bodenröder allen, die hier Trost und Ruhe finden. Zum Schluss nahmen sie sich der neben dem Baum gelegenen Betbank an, zimmerten sie neu und zementierten sie in den Boden ein. Das unterste Brett blieb original. Zusammen mit dem am Boden liegenden, vom Blitz zersplitterten Baumstamm, an dem ursprünglich das Bild hing, hat dieser kleine Waldflecken eine lange und auch bewegende Geschichte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare