agl_Witte2_310321_4c
+
Fritz-Detlev Witte lebt erst seit 2019 in Bad Nauheim. Kürzlich hat er das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Ein kultivierter Neubürger

  • vonPetra Ihm-Fahle
    schließen

Dr. Fritz-Detlev Witte und seine Frau Christiane sind 2019 von Mecklenburg-Vorpommern nach Bad Nauheim gezogen, wo es ihnen gut gefällt. Kürzlich erhielt Witte das Bundesverdienstkreuz, was Anlass für einen WZ-Besuch bei dem 77-Jährigen war. Wie sieht der ehemalige Amtsarzt, Theaterfreund und Kommunalpolitiker seine neue Heimat?

Schon früh hatte Dr. Fritz-Detlev Witte einen Bezug zu Hessen. »Mein Onkel und eine Tante lebten in Marburg-Cölbe. Dorthin machte ich 1989 die erste genehmigte Westreise«, erzählt der 77-Jährige, der seit Kurzem das Bundesverdienstkreuz trägt. Witte war einst Gesundheitsdezernent und Amtsarzt in Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern), wo er 50 Jahre lang lebte. Im Februar 2019 zog er mit seiner Frau Christiane nach Bad Nauheim.

Auch nach der Wende stand Urlaub bei Verwandten in Hessen regelmäßig auf dem Programm, besonders ab 2007, als Sohn Thomas nach Friedberg zog. »Wir haben ihn immer besucht, aber es war weit von Parchim. Er gab den Anstoß, ob wir nicht weiter zusammenrücken wollen«, erzählt der zweifache Vater der Zwillinge Thomas und Markus. Es sei keine leichte Entscheidung gewesen. »Den Umzug nach Bad Nauheim haben wir trotzdem keinen Tag bereut, trotz der Loslösung von dem vertrauten Umfeld«, sagt Witte.

Vorlesepate in Friedberger Kita

Von Anfang an hätten seine Frau und er die Infrastruktur der Stadt genossen. »Es ergab sich schnell die Stelle des Vorlesers in der Kita Winterstein in Friedberg, wo die Enkelin war, und dort bin ich schnell eingestiegen«, berichtet er. Das ging so lange, bis die Kita wegen Corona geschlossen wurde. Beim Freiwilligenzentrum nahm Witte an einem Kurs für Vorlesepaten teil.

»Die goldene Hochzeit haben wir am 1. August 2019 auf dem Johannisberg gefeiert«, blickt der Neubürger zurück. Überraschend und erfreulich für ihn und seine Frau sei der Besuch von Stadträtin Sonja Rohde gewesen. Das Paar genießt auch die Parks: »Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht einen Weg dorthin tun.«

Witte war Mitbegründer und Vorsitzender des Theaterfördervereins Mecklenburgisches Landestheater Parchim, dem heutigen Jungen Staatstheater Parchim. »Wir haben, bis die Corona-Krise einsetzte, kein Sinfoniekonzert verpasst«, sagt Witte. Die Aufführung von »Mutter Courage« des TAF-Theaters fand er sehr engagiert und hochklassig für solch eine ehrenamtliche Initiative.

Wie ist sein Blick als Arzt auf die Gesundheitsstadt? »Als Patient beeindruckt mich die Dichte der Arztpraxen. Das war in Parchim anders, es war eine ganz andere Welt«, erzählt Witte. Es gebe dort weniger Praxen, da Ärzte keine Nachfolger fänden. Während seiner Berufslaufbahn habe er mit diesen Problemen allerdings nicht zu kämpfen gehabt, es sei eine neuere Erscheinung. Witte war lange Kreisarzt beziehungsweise Amtsarzt und vorübergehend Gesundheitsdezernent. Gleich nach der Wende hatte er mit der Umstrukturierung des Gesundheitswesens zu tun, gleichzeitig galt es, das Gesundheitsamt aufzubauen. »1990 war die herausfordendste Zeit meines Lebens«, sagt er. Mehrere Jahre war er zunächst zweiter, dann erster Stellvertreter des Landrats.

Das Bundesverdienstkreuz erhielt Witte auch für seinen Einsatz in der friedlichen Revolution 1989/90 (siehe Info-Box). »Es wurde in Parchim unter dem Dach des Kirchenkreises organisiert. Das Ganze lief unter der Federführung des Diakons Wolfgang von Rechenberg. Der scharte im Sommer 89 einen kleinen Kreis Vertrauter um sich, 15 bis 20 Personen«, erläutert Witte. Diese Gruppe wurde zum Träger für friedliche Kundgebungen, Witte organisierte die Demos mit.

Was in Bad Nauheim politisch läuft, verfolgt er, da er in Parchim politisch aktiv gewesen ist. Im Kreistag und der Stadtvertretung saß er parteilos, zunächst auf der Liste des Neuen Forums, später als Parteiloser in der SPD-Fraktion, der zweitstärksten politischen Kraft in Parchim. Er war Mitglied im Hauptausschuss und während der letzten Legislaturperiode zweiter Stellvertreter der Stadtpräsidentin. Dass es im Vorfeld der hessischen Kommunalwahl pandemiebedingt keinen Wahlkampf gab, fand Witte schade. »Ich hätte gerne Kontakte geknüpft«, sagt er. Er will es nachholen, um die politische Landschaft als wacher Beobachter und Begleiter zu erkunden. Was daraus erwachse, müsse sich zeigen. Noch einmal politisch aktiv zu werden, sehe er momentan eher nicht - als Vorlesepate will er aber weitermachen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare