Dem Idol ganz nahe: Friseurmeisterin Patricia Roth und Star-Friseur Udo Walz 2016 in Berlin.
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Dem Idol ganz nahe: Friseurmeisterin Patricia Roth und Star-Friseur Udo Walz 2016 in Berlin.

"Ein ganz besonderer Moment"

  • vonAnnette Hausmanns
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Als sich die junge Friseurmeisterin Patricia Roth aus Ober-Mörlen vor fünf Jahren selbstständig machte, konnte sie nicht ahnen, dass sie schon bald ihr großes Vorbild Udo Walz treffen würde. Ihre berührende Geschichte hat sie jetzt aufgeschrieben - im Gedenken an den am 20. November verstorbenen Star-Friseur (*1944), der selbst zum Star wurde. Ein Erlebnisbericht.

Für mich eine der wohl schlimmsten Nachrichten 2020: Neben dem ganzen Chaos, das in diesem Jahr herrscht, stirbt mein größtes Idol! Ich verband mit ihm nicht nur die Leidenschaft zu Haaren - auch sein Wesen und seine Art haben mich einfach motiviert", blickt Patricia Roth aus Ober-Mörlen zurück, die sich vor fünf Jahren mit ihrem Salon "Abschnitt 5punkt5" (zunächst in Rosbach und 2018 dann in Ober-Mörlen) selbstständig machte. Walz erinnere sie außerdem optisch und von seinen Charakterzügen sehr an ihren vor einigen Jahren verstorbenen Opa Dieter. "Im Gedenken an ihn schreibe ich diese kleine Anekdote über meine Begegnung mit Udo Walz. Ein ganz besonderer Moment mit einem ganz besonderen Menschen."

Patricia Roth erinnert sich: "Udo Walz ist ja eigentlich jedem ein Begriff. Er hat es geschafft, vom Promi-Friseur selbst zum Promi zu werden. Schon sehr früh wusste ich, dass ich diesem Job und somit meiner Leidenschaft nachgehen möchte. Also bekam ich zum Start meiner Ausbildung im Jahr 2011 ein Mini-Buch über Udo Walz von meiner Mutter geschenkt. Dieses steht noch heute an meinem Schminktisch.

Im Sommer 2016 war es dann so weit. Ich hatte bereits zwei Jahre meinen Meister und mich vor einem halben Jahr frisch selbstständig gemacht und war voller Tatendrang. Als talentierte, junge Meisterin wurde ich von L’Oréal Professionnel zur Fashion Week nach Berlin eingeladen und durfte somit ein paar Tage in Berlin verbringen.

In Berlin angekommen, machte sich bei mir schon das Gefühl breit, meinem Vorbild Udo Walz ein Stück näher zu sein. Mit dem Wissen, dass er gerade seinen neuen Salon eröffnet hatte, flanierte ich mit meiner Mutter über den Ku’Damm, als wir auf einen Friseursalon in einem 60er-Jahre-Pavillon aufmerksam wurden. Bei genauer Betrachtung stellte sich heraus, dass es SEIN neuer Salon war.

Ich kam aus dem Staunen nicht heraus und schlenderte um den Pavillon herum, um ein paar Blicke in den Salon werfen zu können. Als ich näher ans Fenster trat, sah ich IHN! IHN! Udo Walz! Mitten im Salon!? Das kann nicht sein! Nachdem ich wohl eine Ewigkeit vor dem Schaufenster stand und über den Salon und Walz staunte, meinte meine Mutter: "Geh doch mal rein … stell dich vor und zeig, wer du bist!"

Ich war hin- und hergerissen. Auf der einen Seite der große Wunsch, mit meinem Idol zu reden und in Kontakt zu kommen. Auf der anderen Seite der Respekt und die Angst vor dem ›Nein‹ und der Person selbst. Meine Mutter nutzte alle ihre Überredungskünste und brachte mich letztendlich dazu, mein Glück zu versuchen. So ging ich dann in den schicken, neuen Salon und stellte mich an der Rezeption vor: ›Guten Tag, Roth mein Name. Ich bin eine selbstständige Friseurmeisterin aus der Nähe von Frankfurt und habe gesehen, dass Udo Walz da ist. Ich wollte ihm gerne mal Hallo sagen.‹ Entgegen meiner Erwartung, eine Absage zu erhalten, rief der Rezeptionist eine junge Dame zu sich, erklärte ihr, wer ich bin und was ich möchte. Sie nickte, ging weg. Ich sollte mich dann in eine kleine Warteecke im Vorraum setzen. Derweil lief mein Kopfkino: Einatmen, ausatmen. Patricia - alles wird gut. Ich bin wirklich kein Mensch, der auf den Mund gefallen ist oder der irgendwie Probleme damit hat zu reden. Aber, wenn mir etwas wirklich so wichtig ist, können selbst mir manchmal die Worte fehlen. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, bis die junge Dame zu mir kam und meinte, ich könne gerne mit durchkommen - Herr Walz freut sich sehr. Mein Herz machte Purzelbäume. Also bin ich in den Salon eingetreten - und da saß er, mitten im Salon auf einem gemütlichen Sessel, sein Mann und zwei weitere Bekannte saßen mit ihm da und tranken Kaffee. Und ich dabei! Mittendrin! Es war toll!

Gemeinsames Foto und Autogramm

Er wollte direkt alles über mich wissen, hat Interesse gezeigt und mich auch nach Bildern meiner Arbeiten gefragt. Ich habe ihm natürlich ohne zu zögern alles gezeigt und erzählt. Und da war sie wieder: Die alte Patricia, die kaum zu stoppen ist. Es schien ihm zu gefallen. Wir hatten ein tolles Gespräch. Es kam mir vor wie ein Gespräch unter Bekannten. Meine Sorgen waren völlig umsonst gewesen.

Zum Abschied fragte Walz dann: ›Und Mädchen wie sieht’s aus? Magst du ein Foto machen? Dann musst du aber zu mir runterkommen. Ich bin nicht mehr der Jüngste!‹ Wer verneint das schon?! Keiner! Also gab es zum Abschluss noch ein schönes Foto und ein Autogramm zur Erinnerung an diesen unvergesslichen Tag mit dem Maestro!

Am nächsten Abend habe ich ihn dann noch einmal auf der Fashion Week getroffen. Einfach immer noch ein Wahnsinnsgefühl und ein absolutes Privileg, diesen Menschen kennengelernt haben zu dürfen."

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