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Eine Aussicht zum Träumen und Genießen: Der Blick von Ulrich Dörpers Lieblingsplatz geht über die Ober-Wöllstädter Kirche bis hin zum Taunuskamm mit dem Großen Feldberg.

Ein einmaliger Rundumblick

  • VonHarald Schuchardt
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Seit seiner Geburt lebt Ulrich Dörper in der Wilhelm-Leuschner-Straße in Friedberg. Als Kind spielte er auf dem Gelände des nahen ehemaligen Heeresverpflegungsamts und an den Böschungen der Bahnlinien in der Görbelheimer Hohl. Der heutige Lieblingsplatz des 75-Jährigen liegt nicht weit davon entfernt.

Ulrich Dörper fährt nicht nur gerne mit seinem Mountainbike rund um Friedberg. Der gebürtige Kreisstädter betreibt auch Power-Walking, einem gegenüber dem »normalen« Walking schnellen Konditionswandern mit Stöcken und hoher Schrittfrequenz. »So halte ich mich fit« sagt der 75-Jährige, der seit seiner Geburt in seinem Elternhaus im Süden der Kreisstadt lebt. Mindestens zweimal in der Woche kombiniert er seine beiden sportlichen Betätigungen. Zunächst schwingt er sich auf sein Mountainbike, um dies dann in der Nähe der Bahnunterführungen in der Görbelheimer Hohl an einem Straßenschild zu befestigen.

Anschließend läuft er den Höhenrücken zwischen der Kernstadt, Bruchenbrücken und den beiden Wöllstadts hinauf. Der Weg führt ihn vorbei an den Windhöfen, den Aussiedlerhöfen auf halber Strecke zwischen Friedberg und Bruchenbrücken, hin zu den drei Windrädern, die auf dem höchsten Punkt der kleinen Hochebene stehen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Platz rund um die Windräder zu erreichen. »Ich wechsele immer wieder die Strecke, nur den Straßbach muss ich jedes Mal überqueren«, sagt Dörper.

Hier verweilt er für längere Zeit, um den für ihn einmaligen Rundblick zu genießen. Im Süden schaut er auf die Skyline Frankfurts. »Bei idealen Sichtbedingungen kann ich mit dem Fernglas den Melibokus bei Zwingenberg im Odenwald sehen«, sagt Dörper, der bis zu seinem Ruhestand als Verkäufer von Spielgeräten und Einrichter von Spielplätzen tätig war.

Im Westen blickt er auf den Taunuskamm mit dem Großen Feldberg und dem Sandplacken. Sein Blick schweift weiter über den Hausberg in Richtung Norden und der Silhouette der Kreisstadt hin Richtung Osten zum Hoherodskopf im Vogelsberg und dem Ossenheimer Wäldchen genau davor.

Vor drei Jahren hat er diesen Punkt entdeckt. Immer wieder zieht es ihn hierher, bei viel Sonnenschein oft auch abends, denn »von hier aus den Sonnenuntergang über den Taunus zu erleben, ist etwas ganz besonderes.«

Immer wieder Neues zu entdecken

Bei jedem Besuch seines Lieblingsplatzes entdeckt er Neues. »Je nach Witterung ändert sich die Perspektive«, sagt Dörper, der nicht nur sein Fernglas immer dabei hat. Da er genau wissen wollte, was er vor allem in der näheren Umgebung alles sieht, hat er sich mit dem Landesvermessungsamt in Verbindung gesetzt und sich eine Karte von der Wetterau bis hin zum Taunus im Maßstab von 1:25 000 anfertigen lassen.

Darin sind die drei Windräder ebenso eingezeichnet wie alle Feldwege. Nach und nach ist er viele dieser Wege mit dem Rad abgefahren und hat sich auf der Karte einen Rundweg um die Stadt samt den Stadtteilen blau markiert.

Dörper: »So habe ich meinen eigenen gar nicht so kurzen Rundweg, den ich mit dem Mountainbike gerne fahre. Dabei handelt es sich nahezu ausschließlich um befestigte Feldwege.« Doch sein absoluter Lieblingsplatz, der ihn immer wieder anzieht, bleibt der Höhenrücken mit den drei Windrädern, die er als »für mich unglaublich beruhigend« empfindet. »Sie drehen sich langsam, ruhig und gleichbleibend, im Gegensatz zu den hektischen Geräuschen auf der nahen B 3.« Obwohl die vor zwölf Jahren in Betrieb genommene Umgehungsstraße in einer künstlich angelegten Senke verläuft, sieht man zumindest den Aufbau der Lkw, hört Brems- und Hupgeräusche, vor allem bei Westwind.

Fast immer hat Dörper seinen Lieblingsplatz für sich alleine. Hin und wieder trifft er andere Spaziergänger, einige kennt er schon vom Sehen. »Das sind wohl Gleichgesinnte, die das hier genauso sehen und fühlen wie ich«, mutmaßt Dörper.

Ulrich Dörper mit der extra erstellten Landkarte vor der Silhouette Friedbergs.

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