Selbst angepackt

Ein Dorf will schnelles Internet

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
    schließen

Die Wiesentaler wollen schnelles Internet, aber noch kein Unternehmen wollte Rohre in den Butzbacher Stadtteil legen. Doch dann haben die Wiesentaler selbst gegraben. Bald zahlt sich die Arbeit aus.

Über den Hügel, in den Wald und man ist in Wiesental. 71 Häuser, 160 Einwohner. Und eine Internetverbindung, die nicht sehr zuverlässig ist. »Es variiert. In manchen Häusern fällt es auch mal einfach aus«, sagt Hubertus Schremser. Vor allem in einer Straße im unteren Teil des Orts - dort liegen noch alte Kupferleitungen, teils marode.

Schremser ist Mitglied im fünfköpfigen Ortsbeirat - und einer der vielen Wiesentaler, die kürzlich selbst angepackt haben, um schnelles Internet in ihrem Ort zu bekommen.

Die Deutsche Glasfaser GmbH ist zurzeit recht aktiv im Wetteraukreis. In vielen Orten werden Rohre und Hausanschlüsse verlegt. Auch in Butzbach und in den Stadtteilen. Nur gab es bei der Planung ein Problem mit Wiesental: Wegen der Lage - zu weit außerhalb - sei der Anschluss ans Netz zu teuer, habe es vonseiten des Unternehmens geheißen. Vor allem die Kosten für Erdbauarbeiten seien zu hoch. Deswegen würden nur bis Münster, der Ortsteil vor Wiesental, Rohre verlegt.

Also weiterhin instabiles Internet in Wiesental? Nein. Die Wiesentaler nahmen die Sache selbst in die Hand. Wie Schremser erzählt, einigte man sich in Gesprächen mit der Stadt und der Deutschen Glasfaser auf einen Deal: Die Wiesentaler kümmern sich um den Graben für das Leerrohr. Die Stadt kommt für die Kosten auf (bspw. Geräteverleih für die Arbeit oder die Ausmessungen im Feld), die Deutsche Glasfaser verlegt dann die Leerrohre in den Graben und legt die Hausanschlüsse in Wiesental.

Um über Münster an das Netz angeschlossen zu werden, musste der Graben einen Kilometer lang sein. »Ob es zehn oder 1000 Meter sind, der Graben ist nicht das Problem. Man muss nur wissen, wie man es angeht.« Und das wusste Schremser: Sie mieteten eine Bodenfräse, und vor einigen Wochen traten rund 20 Wiesentaler zur Arbeit an.

Mit Fräse und Minibagger

Der Graben, 1,20 Meter tief, war rasch durch die Felder gezogen - ein Wochenende waren die Wiesentaler dafür im Einsatz. Und hatten neben der Arbeit vor allem viel Spaß an der gemeinsamen Sache. »Jeder, der fahren wollte, hat eine Einweisung bekommen.« Nach den ersten Hunderten Metern Graben sind bereits einige Leerrohre verlegt worden. Mit einem Minibagger, auch vom Geräteverleih, schlossen die Helfer das Stück des Grabens wieder.

Am zweiten Wochenende wurden die letzten Abschnitte des Grabens geschlossen - und die Arbeit war erledigt. »Wir waren schneller, als alle gedacht haben.« An sich lief die ganze Sache unkompliziert, sagt Schremser. »Wir wussten ja, wo wir hinwollten.«

Inzwischen hat die Deutsche Glasfaser fast alle bestellten Hausanschlüsse im Ort verlegt. Marie Voßschulte von dem Unternehmen sagt: »Wir gehen davon aus, dass Ende Juli/Anfang August die ersten Kundenanschlüsse aktiviert werden.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare