Ein Danke wäre genug

Die Pandemie stellt Erzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen permanent vor neue Herausforderungen. Sie wollen den Kindern gerecht werden, Entscheidungen gut kommunizieren, sich und alle anderen vor Infektionen schützen. Aber bei Eltern stoßen sie häufig auf Unverständnis. Dank gibt es selten.

Liebe Eltern, ihr beschwert euch, weil ihr nicht in die Kita dürft und gebt uns die Schuld. An den Mundschutz müsst ihr immer wieder erinnert werden. Wir brachten euch kleine Grüße nach Hause, zu jedem, ein Danke kam von wenigen. Wir drehten kleine Videos, keiner reagierte.« Dieser Zeilen von einer pädagogischen Fachkraft trafen in der WZ-Redaktion ein. Wir nennen keine Namen, denn das, was wir in ihrem Brief zu lesen und von drei anderen Leitungsteams zu hören bekamen, macht betroffen.

»Eure Kinder sind super, sie kennen alle Hygieneregeln und wissen, wie man sich verhält. Sie passen aufeinander auf und erinnern sich gegenseitig.« Dieses Lob gilt den Kindern. Eltern - wohlgemerkt nicht alle - reagieren oft ganz anders: Von Vorwürfen, wenn Öffnungszeiten wegen Krankheit geändert werden müssen, bis zur Maskenverweigerung. Selbst kranke Kinder werden in die Kita gebracht. »Sie sehen in uns einen reinen Dienstleistungsbetrieb«, beklagen die Fachkräfte. »Auch die Notbetreuung wird schamlos ausgenutzt.« 80 Prozent Belegung bei eigentlich geschlossenem Betrieb ist nicht selten. Da entstehe leicht der Eindruck, dass das Kind abgeschoben werde, obwohl Mutter oder Vater zu Hause sind.

In dem Schreiben heißt es weiter: »Und dann tritt in der Einrichtung ein Corona-Fall auf. Dass dies bis dahin nicht geschehen ist, erwähnt keiner. Nun werden Schuldige gesucht und gefunden. Man will wissen, wer es ist, ob wir alles getan haben und wie das überhaupt sein kann. Habt ihr gelüftet, Hände gewaschen und und und.« Am Ende sollten sogar die Namen der Erkrankten veröffentlicht werden. Das macht die Schreiberin fassungslos. Eine Leiterin bestätigt: »Das ärgert uns schon, denn wir passen auf, treffen kaum noch andere Menschen. Andererseits sehen und wissen wir, dass viele Kinder nachmittags mit anderen zusammen spielen, draußen und drinnen, und so die Krankheit weitergegeben können.« In der Kita achten sie streng auf die sehr aufwändige Gruppentrennung, was personell und räumlich oft ein Problem ist.

Schwierig wird es dann, wenn schon unter den eigenen Kolleginnen und Kollegen die Gesundheit anderer missachtet wird. Wenn eine Erzieherin bewusst alles sehr locker nimmt, fühlen sich einschlägig orientierte Eltern bestätigt. Manche Eltern wie Fachkräfte lehnen Tests und Impfen ab und fallen damit denen, die die Gefahr ernst nehmen, in den Rücken. Gerade die Erzieherin, die diese Erfahrung gemacht hat, berichtet aber auch, dass eine Mutter, selbst schwer an Corona erkrankt, ihr Kind schon lange von der Kita fernhält und eine andere einen Blumenstrauß mitbrachte. Das ist selten.

Generell werden Eltern sehr gut informiert und die ständig wechselnden Verordnungen des Landes so schnell wie möglich umgesetzt. Das dauert aber oft etliche Tage, bis sie verbindlich über den dann sehr kooperativen Fachdienst beim Träger und in der Einrichtung sind. Informieren helfe, verängstige aber auch wieder, ist die Erfahrung. Erzieherinnen bewegten sich stets in einem Spannungsfeld von sehr unbesorgten, verständnislosen bis hin zu sehr vorsichtigen, ängstlichen Familien, denen ihre bedachte Haltung nicht weit genug gehe, sagt ein Teamleiter.

Die Verfasserin des Briefes und die anderen Befragten betonen, dass es etliche Familien gibt, die sie wertschätzend und interessiert bei der erziehungspartnerschaftlichen Arbeit unterstützen. Einige drückten das auch regelmäßig mit ihren Rückmeldungen aus. Ihr Wunsch: »Wir stecken alle in der Krise und meistern unseren Alltag und den eurer Kinder. Wir haben auch Familien und Kinder, die wir mit Homeschooling alleine lassen. Die unterstützen wir, wenn ihr eure Kinder abgeholt habt. Ein einfaches ›Danke‹ reicht uns, mehr brauchen wir nicht.« Alle, die sich geäußert haben, wünschen sich jetzt eine Auszeit, Erholung am Stück, um Kraft zu tanken.

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