koe_Saengerin_Foto_hms_20_4c
+
koe_Saengerin_Foto_hms_20_4c

Ein Cross-over-Feuerwerk

  • VonHanna von Prosch
    schließen

An einem magischen Sommerabend vor der Wasserburg-Kulisse in Rosbach öffnete Ralph Philipp Ziegler einen Korb musikalischer Köstlichkeiten. Das Capitol-Symphonie-Orchester, Sängerin Katrin Glenz und er selbst als Moderator präsentierten dem begeisterten Publikum eine Fülle von Klassik, Moderne und Filmmusik.

Es war wohl die Freude über die Nähe zu einem neugierigen Publikum, gepaart mit der Lust am außergewöhnlichen Programm und dem Glück, in Kammermusikbesetzung ein großartiges Klangbild erzeugen zu dürfen, dass den zwölf Musikerinnen und Musikern die Magie in Finger und Lippen legte. Vom ersten Moment an entstand ein die Zuhörenden ergreifender Magnetismus.

Cross-over ist die Spezialität dieses 2019 von Ralph Philipp Ziegler neu formierten Orchesters aus Hanau. Wenn man es hört, merkt man, warum es Ziegler so wichtig ist, mit den besten Musikern zu spielen. Jedes Instrument war solistisch besetzt, sodass sich ein feiner transparenter Klang ergab.

Harter Rhythmus

Das Orchester bestach mit unglaublicher Präzision und harter, extrem sauberer Rhythmik, bisweilen an den Beat der 70er Jahre erinnernd. In Dynamik und Ausdrucksstärke gelang ihm eine selten zu hörende harmonische Abstimmung.

Diesen üppigen Klanggenuss machte die Vielfalt in der Programmauswahl möglich. Er changierte zwischen der kulinarischen Süße des englischen Lieds »Scarborough Fair« und der Expressivität von »First day of my life« mit der sauber intonierenden und artikulierenden Sopranistin Katrin Glenz. Bekannte Traditionals standen »Hotel California« von den Eagles und dem ehemals von Led Zeppelin gespielten Stück »Kashmir« gegenüber.

Wie Händels Sarabande noch nach 314 Jahren ihre Gültigkeit habe, so würden wohl auch Ennio Morricones Filmkompositionen Generationen überdauern, vermutete Ziegler in seiner informationsreichen, humorvollen, wie auch frischen und persönlich gefärbten Moderation.

Nicht nur musikwissenschaftlich konnte er Fakten beisteuern, er hatte auch Anekdoten parat, was so manchen herzhaften Lacher entlockte. Morricone nahm einen größeren Teil des Konzerts ein. Trompeter Björn Diehl sorgte dabei in »The Good, the Bad and the Ugly« nicht nur für Instrumentalfurore, sondern auch als »Westernheld« für Aufsehen.

Die Intensität der Kammermusikbesetzung zeigte sich besonders, wenn nach einem zarten Cellosolo mit betörend weichem Strich sich die Stimmen langsam füllten, wenn leidenschaftlich ein Hornsolo ertönte und die singende Geige von Konzertmeister Piotr Niewiadomski die Ohren umschmeichelte. Mit dem fragilen Klang von drei Sätzen aus Edward Griegs »Holberg Suite« und dem herausfordernden Arrangement von »In der Halle des Bergkönigs« erlag das Publikum dem Zauber der Klassik.

Krasser Kontrast

Im krassen Kontrast dazu standen zwei moderne Stücke: eine Uraufführung »5 vor 12« von Patrik Bishay, der zu diesem Ereignis selbst nach Rosbach gekommen war, und »Sing for the Moment« von Sven Helbig. Ziegler erläuterte dem Publikum die sich ähnelnden Ideen in der Musik, die verdeutlichen sollten: »Es gibt in schwiegen Zeiten auch gute Momente. Für diesen Augenblick sollen wir leben, denn das Leben ist, wie es ist.« Musikalisch sprachen die anspruchsvollen Werke sicher nicht jeden an, schwangen doch die Dissonanzen des Lebens deutlich mit. Großartig in seinen Part eingearbeitet hatte sich Pianist Vitys Sakuras, der kurzfristig für eine erkrankte Kollegin eingesprungen war.

Wenn man noch nie etwas von der hohen Musikkultur auf Piratenschiffen gehört hatte, so wurde man in Zieglers Beitrag darauf aufmerksam. Doch im furiosen Finale aus »Fluch der Karibik« ging es gewohnt wüst zu. Die Faszination des begeisternden Spiels tat das Übrige.

Mit seinem Applaus lockte das Publikum schließlich zwei Zugaben aus dem nach mehr als zwei Stunden reiner Spielzeit immer noch zwischen innig und feurig schwebendem Orchester.

koe_Ziegler_Foto_hms_200_4c
koe_Orchester_mit_Trompe_4c

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare