"Mein Credo war schon immer ›Leben ist Kunst - Kunst ist Eigensinn - Eigensinn macht Spaß‹", sagt Patrizia Zewe. FOTOS: IHM
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"Mein Credo war schon immer ›Leben ist Kunst - Kunst ist Eigensinn - Eigensinn macht Spaß‹", sagt Patrizia Zewe. FOTOS: IHM

Eigensinnig und lässig

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Nach vielen Jahren ist Patrizia Zewe wieder zurück nach Bad Nauheim gezogen. In der Gesundheitsstadt will sie beim kulturellen Leben mitmischen, beispielsweise bei der Ernst-Ludwig-Buchmesse im April oder mit Kunst-Ausstellungen in ihrer Bleibe.

In der Wohnung von Patrizia Zewe hängt Kunst an allen Wänden. Vieles ist aus eigener Produktion. Im Flur stehen lange Kleiderständer mit Garderobe, den Kaffee gibt es in der Küche am Tisch mit rosa Stühlen. Mit ihren Hunden Prinzi und Presley lebt Zewe erst seit einigen Wochen wieder in Bad Nauheim, wo sie bei der Ernst-Ludwig-Buchmesse (4. April und 5. April) mitmachen wird und wo sie Kunst-Events an Wochenenden plant.

Ihre Eltern betrieben früher das Modehaus Pfeffer. "Meine Oma hat schon auf der Parkstraße Blusen entworfen, nähen lassen und verkauft", sagt Zewe. Noch vor ihrem 20. Geburtstag durfte sie bereits nach Paris zum Einkauf fürs Geschäft reisen. "Mode war immer unser Thema - und Kunst", schildert sie. Ihr Onkel war Kunstmaler in Frankfurt, seine Frau Opernsängerin, womit die eine Seite der Familie künstlerisch und die andere unternehmerisch war. Zewe legt auch heute großen Wert auf Mode, im Winter trägt sie stets Schwarz, so wie bei ihrer ersten Heirat, einer Hippie-Ehe: Sie hatte ein schwarzes Kleid an, er trug Weiß - in der Bonifatius-Kirche. "Der Pfarrer wusste nicht, wohin er schauen sollte", sagt sie lachend.

Düsseldorf, München, Bad Tölz

Von Bad Nauheim ging die junge Frau nach Hamburg, wo sie modelte und auf Modenschau-Tourneen ging. "Es war ein tolles Leben." Das Gefühl von Freiheit sei sehr schön gewesen, denn die Models hätten mit dem verdienten Geld die nächsten Monate auskommen können. Anschließend zog Zewe nach Düsseldorf, wo sie die Galerie "Eigensinn" betrieb: "Mode trifft Kunst" war das Motto. Auch in Düsseldorf arbeitete sie als Mannequin, blieb zunächst dort hängen. "Mein Credo war schon immer ›Leben ist Kunst - Kunst ist Eigensinn - Eigensinn macht Spaß‹." Fragen Leute sie: "Was machst du? Was ist es?" - nenne sie stets die Stichworte Lässigkeit und Eigensinn. Sie habe immer ein Leben als Bohemienne führen wollen. "Meine Großmutter war so, sie machte ihr eigenes Ding - sie war mein Vorbild."

Auf Düsseldorf folgte München, wohin sie mit ihren zwei Kindern übersiedelte, als sie Anfang 40 war. Dort eröffnete sie erneut eine Galerie, diesmal mit dem Namen "Schelling 30". Jedes erste Wochenende im Monat war dort ein "eigensinniges" Ereignis mit Kunst terminiert - "Eigensinn" war immer der rote Faden. "Es war mein Atelier, in dem ich malte, und jeden Monat war eine Ausstellung. Eine tolle Zeit, in der ich viele Künstler kennenlernte", erinnert sie sich. Ab 2011 gingen allerdings die Kunstverkäufe zurück, zudem lag das Atelier in einem Viertel, in dem die Mieten immer teurer wurden. 2013 gab Zewe ihre Galerie auf, zog nach Bad Tölz und eröffnete dort einen Kunstsalon. Doch es hielt sie nicht in der Kleinstadt, sie ging zurück nach München, wo sie Kunst-Events in ihrem Zuhause veranstaltete. Drei Jahre blieb sie dort, bis eine Wohnung in ihrem Elternhaus in Bad Nauheim frei wurde. Dies war der Anstoß, wieder in ihre Heimatstadt zurückzukehren. "Du kannst nicht immer so weitermachen, du musst irgendwo bleiben - jetzt, wo du älter wirst", dachte sie. Denn in München alt zu werden, sei nicht nach ihrem Geschmack; die Stadt sei sehr laut und voll geworden. Seit einigen Wochen nun ist sie wieder zurück, hat die Wohnung bereits eingerichtet. Zewe fühlt sich wohl in der Gesundheitsstadt: "Da, wo ich bin, ist Heimat."

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