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Kirmes beim Mingo im Hof - das Foto stammt aus dem Jahr 1962.

Wie es früher einmal war

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Echzell-Bingenheim (sda). Um 7 kam der Fuhrmann. Mit seinem Pferdewagen fuhr er durch die Bingenheimer Straßen, von Gehöft zu Gehöft, und lud die Milchkannen auf. Sobald er alle Kannen, meistens gefüllt mit 10 oder 20 Litern, auf dem Wagen hatte, ging es nach Echzell in die Molkerei.

Die Geschichte um die Milchwirtschaft ist nur eine von vielen in dem Buch »Bingenheim - Das Leben in unserem Dorf ›Früher‹« - das Erstlingswerk des Arbeitskreises Bingenheimer Geschichte. In über 20 Kapiteln werden die kleinen und großen Geschichten des Orts lebendig erzählt - solche, die das Leben geprägt haben und an die sich manch einer vielleicht noch erinnern kann.

Günter Loth ist der Autor von 22 Erzählungen aus dem Alltag des Dorfs. Josef Tiefenbach steuerte das Kapitel »Flüchtlinge kommen« (nach dem Zweiten Weltkrieg) bei, das durch die Erinnerung eines Flüchtlingskindes ergänzt wird.

Auf 200 Seiten erfahren Leser zum Beispiel, wie es am Schlachttag zuging - zumal in den 40er und 50er Jahren in fast jedem Haushalt, je nach Familiengröße, pro Jahr ein bis drei Schweine gemästet worden sind, wie Loth in dem Buch berichtet. Oder man erfährt vom Kartoffelanbau im Ort während und nach dem Zweiten Weltkrieg. »Der Kartoffelanbau war für die Landbevölkerung ein unbedingtes Muss, denn fast jede Familie hatte vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg täglich, ob mittags oder abends, zum Essen Kartoffeln auf dem Tisch«, berichtet Loth.

Weitere Kapitel widmen sich zum Beispiel der Pferdehaltung, den Haus- und Obstgärten, der Heu- und Grummeternte. Oder aber dem Einzug der amerikanischen Streitkräfte und den französischen Kriegsgefangenen während des Kriegs (und dem Besuch nach dem Krieg). Der Leser erfährt zudem in weiteren Kapiteln, warum Bingenheim keinen Bahnhof hat und wie im Ort in den vergangenen Jahrzehnten Kirmes gefeiert worden ist.

»Zur Dorfgeschichte gehören natürlich die Vereine«, sagt Arbeitskreis-Vorsitzender Josef Tiefenbach. Daher habe man sich entschlossen, in das Buch Porträts der Bingenheimer Vereine aufzunehmen. Die Texte dazu haben die zwölf Vereine selbst verfasst.

Eine weitere Besonderheit des Buchs, neben den vielen eindrücklichen und lebensnahen Schilderungen in den Kapiteln, sind die vielen alten Fotografien. Für deren Zusammenstellung und Auswahl sowie für das Layout war Tiefenbach verantwortlich. Und: »Nicht unerwähnt bleiben darf, dass viele Bürgerinnen und Bürger sowie Firmen durch ihre Spenden dieses Buch erst ermöglicht haben.«

In der Einleitung des Buchs heißt es: »Es ist ein Glücksfall, dass Günter Loth (Jahrgang 1940), Schatzmeister unseres Arbeitskreises Bingenheimer Geschichte, sich noch an so viele Begebenheiten aus früherer Zeit erinnert und dies zu Papier gebracht hat. Er hat dazu auch noch viele Bürger interviewt. Wir hoffen, dass viele Erinnerungen geweckt werden oder man sich vor Augen führen kann, wie es früher einmal war.«

Das Buch kann man erwerben bei Tiefenbach (Tel. 0 60 35/36 79) oder Loth (Tel. 0 60 35/36 27).

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