Der Geflügelzuchtverein Bingenheim bietet "Leihhühner" an: Immer in Gruppen von drei Tieren. Diesen genügen zwei Quadratmeter Platz; das entsprechende Hühnerhaus mit Gehege wird mitgeliefert. Ein Hahn - wie auf diesem Bild - ist allerdings nicht dabei.
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Der Geflügelzuchtverein Bingenheim bietet »Leihhühner« an: Immer in Gruppen von drei Tieren. Diesen genügen zwei Quadratmeter Platz; das entsprechende Hühnerhaus mit Gehege wird mitgeliefert. Ein Hahn - wie auf diesem Bild - ist allerdings nicht dabei.

Züchter-Angebot

Wetterauer Züchter mit kurioser Idee: Warum nicht mal ein Huhn leihen?

  • vonMarc Stephan
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Filme oder Bücher leihen - ganz normal. Aber Hühner leihen? Und die vielleicht wieder zurückgeben? Das geht beim Geflügelzuchtverein Bingenheim. Die Nachfrage ist sehr groß.

Jeder findet wohl kleine Details im Verhalten von Hühnern, die ihn so faszinieren, dass er sie sofort ins Herz schließt. Das erfordert natürlich Ruhe und Gelassenheit, die Hennen einfach mal nur zu beobachten, einfach mal nichts tun und still zuschauen. Und am Schluss hat man noch täglich drei Eier, wenn es gut läuft.

Das weiß Torsten Stephan, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Bingenheim. Der Verein bietet seit einiger Zeit Leihhühner an und hat damit sehr großen Erfolg. Im Moment sind es zwei Gruppen zu je drei Legehennen, die man für 30 Tage leihen kann. Natürlich kann man sie auch früher zurückgeben, wenn man das unbedingt will. Doch das sei bisher noch nicht vorgekommen.

Wetterauer Leihhuhn: Wenig Mist, wenig Gestank

Fast alle Hühnerhalter auf Zeit trennen sich nur schweren Herzens vom Federvieh und manchmal auch gar nicht. Zum Beispiel, wenn die Hühner nach einem Monat schon Namen bekommen haben und dann einfach bleiben »müssen«. Stephan sieht das mit einem Lächeln. Schließlich hat der Verein sein Ziel ganz offensichtlich erreicht. Den Menschen soll nämlich die Hühnerhaltung wieder nahegebracht werden, erklärt der Vorsitzende.

Stefanie und Christoph Kerber mit ihren Söhnen Jakob (l.) und Ferdinand haben ein »Leihhuhn« zu Hause gehabt und überlegen jetzt, sich die Tiere dauerhaft anzuschaffen.

Oft habe er Argumente gehört, dass es viel Arbeit sei, man viel Platz brauche und es die Nachbarn störe und der Hühnermist stinke. »Das ist alles kein Problem«, weiß der erfahrene Züchter. Deshalb bietet der Geflügelzuchtverein Bingenheim auch nur Gruppen von drei Tieren an. Diesen genügen circa zwei Quadratmeter Platz; das entsprechende kleine Hühnerhaus mit Gehege wird mitgeliefert. Wer denkt, dass zwei Quadratmeter für drei Hühner zu wenig seien, den verweist der Züchter auf die Empfehlung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das auf gleicher Freifläche fast 20 Hühner in sogenannter Bodenhaltung zulässt. Die drei Tiere produzieren so wenig Mist, dass dieser bequem und ohne Gestank entsorgt werden kann.

Da kein Hahn dabei ist, stört auch kein Hahnenschrei die Nachbarschaft. Außer Futter und Wasser in das kleine Gehege zu stellen und ab und zu ein bisschen saubermachen, ist es also keine große Arbeit. Nur sollte man nicht vergessen, das Hühnerhaus abends wieder sorgfältig zu verschließen, sonst könnte nach einem nächtlichen Besuch von Fuchs, Marder oder anderer Raubtiere die Freude an den Hühnern schnell vorbei sein.

Weniger als drei Tiere sollten es nicht sein, sagt der Züchter, sonst könne sich keine Hackordnung herausbilden, welche für das Leben in der Gruppe für die Hühner sehr wichtig ist.

Wetterauer Leihhuhn: »Hilfe« bei der Gartenarbeit

Beim Thema Platz erklärt das Ehepaar Stefanie Kerber und Christoph Hein, das ebenfalls in den Genuss der Leihhühner kam und nun überlegt, selbst Hühnerhalter zu werden, dass man die Tiere ja auch rauslassen könne. Mit ein bisschen Futter könne man sie leicht wieder in ihr Gehege locken. Außerdem halten sie die Fugen im Hof sauber und »helfen« bei der Gartenarbeit.

Nach 30 Tagen sind die Tiere nämlich umgezogen in die Kita »Buntes Haus« in Bingenheim. Aus dieser Zeit vor der coronabedingten Schließung der Kita stammen auch die Fotos zu diesem Bericht. Die Leiterin der Kita, Kerstin Bülow berichtet fasziniert von der Erfahrung der Kinder mit den Hühnern:

Die Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen, wenn sie nicht nur beobachten, sondern auch füttern und beim Saubermachen helfen. Außerdem lernen sie, die Tiere zu respektieren, dass sie beim Streicheln nicht laut sprechen dürfen, dass sie die Ruhezeiten der Hühner hinnehmen und allgemein Empathie entwickeln. Das erste Ei ist beim Bestaunen leider heruntergefallen. Eines der Kinder sagte dazu: »Das Huhn hat mich belogen. Da ist kein Hühnerbaby drin, sondern Rührei!«

Von Gettenau aus sollte die Hühnergruppe eigentlich in die Kita nach Oppershofen kommen. Da diese im Moment jedoch auch geschlossen ist, ist ein Ehepaar aus Bingenheim von einer Warteliste aus »nachgerutscht«.

Wetterauer Leihhuhn: Für einen Euro pro Tag

Viele Menschen entscheiden sich nach der Leihphase dazu, Hühner anzuschaffen, oder geben die drei Leihtiere schon gar nicht mehr her, berichtet Torsten Stephan, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Echzell-Bingenheim. Damit sei das Ziel des Vereins erreicht. Es gehe nicht darum, finanziell Gewinn zu machen, deshalb bietet der Verein auch die Hühner inklusive Futter für einen Monat für 30 Euro an. Ein Euro pro Tag für zwei bis drei frische Eier von eigenen Hühnern. Außerdem übernimmt der Verein auch die Pflege der Tiere, wenn die Halter sich einen Urlaub gönnen möchten. Die Nachfrage ist sehr groß, kann Stephan bestätigen, der sogar von einer Anfrage aus Norddeutschland berichtet. Letztlich soll die Aktion aber auf den Wetteraukreis beschränkt bleiben. Schließlich ist auch im Geflügelzuchtverein alles ehrenamtlich. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Vereins unter www.gzv-bingenheim.de oder per E-Mail an info@gzv-bingenheim.de.

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