In den Vorjahren hat der Wald Gewinne erwirtschaftet. Das wird 2021 anders sein - nicht nur in Echzell. SYMBOLFOTO: PIA WEIL
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In den Vorjahren hat der Wald Gewinne erwirtschaftet. Das wird 2021 anders sein - nicht nur in Echzell. SYMBOLFOTO: PIA WEIL

Wald wird zum Kostenfaktor

  • vonOliver Potengowski
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Echzell(sax). Mit dem Verkaufserlös von Holz aus ihrem Wald konnten Kommunen bislang ihre Haushaltszahlen verbessern. Das sieht nach den trockenen Sommern anders aus: Der Wald ist zum Kostenfaktor geworden - auch in Echzell.

Einen Verlust von 120 000 Euro hat Revierförsterin Sarah Liebelt für den Waldwirtschaftsplan 2021 angenommen. In der Gemeindevertretersitzung erläuterte sie, dass es angesichts der zahlreichen Waldschäden und wegen des dadurch entstehenden Überangebots auf dem Holzmarkt derzeit sehr schwer sei, einen realitätsnahen Plan aufzustellen. Sie hofft, dass sich das tatsächliche Ergebnis des kommenden Jahres gegenüber dem Planansatz verbessert. "Ich habe mal den größten anzunehmenden Unfall herausgenommen", erklärte die Försterin. "Wenn es besser wird, freuen wir uns natürlich."

In ihrem Ansatz stehen den Erlösen aus Holzverkauf in Höhe von 178 200 Euro Ausgaben von 297 750 Euro gegenüber. Die Kosten entstehen dabei nicht nur aus dem Holzeinschlag für den Verkauf. Liebelt wies darauf hin, dass auch wegen der Verkehrssicherungspflicht Aufwand entstehe. Kosten verursache ebenso der hohe Wildbestand im Wald, der das Nachwachsen von Bäumen erschwere. Um junge Bäume zu schützen müssten Zäune aufgestellt werden.

"Wenn wir Glück haben und in fünf Jahren noch ein bisschen Fichte haben, können wir vielleicht noch ein bisschen Geld einnehmen", machte sie den Gemeindevertretern Hoffnung für die Zukunft. Dazu verwies sie auf die Gewinne aus den Vorjahren, die durch den Wald erwirtschaftet worden seien.

Mehr Arbeit durch Schäden

Olga Wagner-Bernardelli (Grüne) betonte, dass ihrer Fraktion der Wald am Herzen liege. Angesichts der zusätzlichen Arbeit, die durch die Waldschäden entstehe, unterstützten sie die Einstellung eines weiteren Waldarbeiters.

Wagner-Bernardelli kritisierte, dass mit der von Hessen Forst geplanten Pflanzung von Douglasien, von denen erwartet wird, dass sie Trockenzeiten besser überstehen, ein Baum in den Wald geholt werde, der in Deutschland nicht heimisch sei. Sie schlug vor, zu überdenken, ob man ein Waldstück sich selbst überlassen solle. Dadurch könne bei geringeren Kosten ein naturnaher Mischwald entstehen, der mit dem Klimawandel besser zurechtkomme.

Außerdem solle zusätzlich zum Erholungs- und Wirtschaftswald ein Waldstück sich selbst überlassen werden, damit dort ein Naturwald entsteht. "Dort könnten zahlreiche Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum finden, für die in einem wirtschaftlich genutzten Wald kein Platz ist", warb Wagner Bernardelli.

Gerold Reuhl (SPD) dankte den Grünen, dass sie nun die Beschäftigung eines weiteren Waldarbeiters unterstützten. "Als wir den Antrag gestellt haben, eine weitere Forstarbeiterstelle in den Haushaltsplan zu schreiben, haben Sie das abgelehnt", erinnerte er.

Der von Liebelt vorgelegte Waldwirtschaftsplan wurde einstimmig angenommen.

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