Vorzeigebetrieb für die Zukunft gerüstet

Echzell-Bingenheim (kai). "Mir geht es darum zu zeigen, wo es Vorzeigebetriebe für die Wirtschaft der Zukunft gibt", sagte Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn. Der Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen machte gestern während seiner "Green-New-Deal-Tour" durch Hessen gemeinsam mit Rainer Kimmling von den Florstädter Grünen Station in Bingenheim und bei TK-Solar in Ilbenstadt.

Echzell-Bingenheim (kai). "Mir geht es darum zu zeigen, wo es Vorzeigebetriebe für die Wirtschaft der Zukunft gibt", sagte Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn. Der Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen machte gestern während seiner "Green-New-Deal-Tour" durch Hessen gemeinsam mit Rainer Kimmling von den Florstädter Grünen Station in Bingenheim und bei TK-Solar in Ilbenstadt.

"Die Antwort der Grünen auf die ökonomische Krise ist der Green New Deal, bei dem die ökonomische Krise, der Klimawandel und soziale Gerechtigkeit zusammengedacht werden", erklärte der 44-jährige Wirtschaftsfachmann aus Frankfurt. Dirk Gärtner und Geschäftsführerin Petra Boie von der Bingenheimer Saatgut stellten dem Politiker das im vergangenen Jahr in Niedrigenergie-Bauweise errichtete Gebäude sowie die Arbeitsweise des Ökosaatgut-Betriebs vor. "Wir kooperieren mit 80 Gartenbaubetrieben, erzeugen hier selbst kein Saatgut", erläuterte Gärtner. Teils in Dolden und Schoten kämen die Samen an, bevor sie in Bingenheim aufgearbeitet würden - "gedroschen, gereinigt, gebürstet, geprüft. Und bei Bedarf auch im Wasserbad behandelt".

Wasser statt Beize

"Unser Problem ist, dass im Ökolandbau nicht gebeizt wird, daher suchen wir andere Methoden, um mit Krankheiten und Schädlingen umzugehen, eine ist die Warmwasserbehandlung", erklärt Boie. 2007 setzte der Betrieb 1,7 Millionen Euro um, fürs vergangene Jahr hoffen die Verantwortlichen auf 1,8 Millionen. Kunden sind zu 70 Prozent Gärtnereien, die ökologisch wirtschaften und auf ökologisches Saatgut setzen.

Neben dem Bingenheimer Betrieb gibt es in ganz Europa nur noch einen Saatguterzeuger, der ebenfalls auf reine Ökoprodukte setzt. Aus 360 Gemüse und Blumensorten hat die Kundschaft die Wahl.

Kulturgut statt Patentschutz

Die Bingenheimer treten dafür ein, dass Saatgut ein Kulturgut bleibt und nicht über Patente zu schützen ist. "Dafür brauchen wir eine gute Politik", sagt Boie. Über den Verein Kultursaat werde ökologisches Saatgut gezüchtet, der Verein besitze die Rechte an den gezüchteten Sorten. "Saatgut ist ein schützenswertes Gut der Völkergemeinschaft", hat man sich in Bingenheim auf die Fahnen geschrieben. Damit das so bleibe, müsse auf Ökopatente verzichtet werden.

Vehement tritt man dafür ein, dass gentechnisch verändertes Saatgut nicht zugelassen wird. Da in der kommenden Woche in Brüssel eine solche Entscheidung ansteht, appellierte Boie an die Gäste, einen Brief an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner und Umweltminister Sigmar Gabriel zu unterzeichnen. "Die beiden Gentechnik-Sorten, über deren Zulassung abgestimmt wird, sind höchst umstritten. Ihre Ungefährlichkeit für die Umwelt und Gesundheit von Mensch und Tier ist keineswegs belegt", heißt es in dem Brief.

Für den Grünen-Wirtschaftsfachmann war es selbstverständlich, das Anliegen zu unterstützen. Im Gespräch mit Boie und dem Geschäftsführer der Lebensgemeinschaft Bingenheim, Jochen Pucher, informierte er sich über die Geschichte der Gemeinschaft, die sich inzwischen mit 180 Beschäftigten zum größten Arbeitgeber der Großgemeinde Echzell entwickelt hat.

72 Kinder und Jugendliche leben in den Wohnungen der Lebensgemeinschaft und werden in einer nach Waldorf-Pädagogik arbeitenden Sonderschule unterrichtet. In den Werkstätten arbeiten 64 Erwachsene. Einige von ihnen sind fürs Verpacken des Saatguts verantwortlich. "Hier sieht man, wie gut Wirtschaft und Soziales zusammen passen", lobte Strengmann-Kuhn.

Während seiner Rundreise habe er in den Betrieben noch keine Klagen über die Wirtschaftskrise gehört. "Es ist auch unter den jetzigen Rahmenbedingungen möglich, ökologisch und sozial zu wirtschaften und dabei auch noch ökonomisch erfolgreich zu sein", schlussfolgerte er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare