Der Neubau des Rewe-Logistikzentrums ist ein Anlass für die Sorge, das Interesse der Gemeinde Echzell könnte im Regionalverband nicht ausreichend berücksichtigt werden. FOTO: SAX
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Der Neubau des Rewe-Logistikzentrums ist ein Anlass für die Sorge, das Interesse der Gemeinde Echzell könnte im Regionalverband nicht ausreichend berücksichtigt werden. FOTO: SAX

Vorbehalte gegen Regionalverband abgebaut

  • vonOliver Potengowski
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Echzell(sax). Sehr kontrovers hatten die Gemeindevertreter im Juni diskutiert, ob die Gemeinde dem Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main beitreten soll. Vor allem CDU und Grüne waren skeptisch, ob Echzell dadurch nicht Souveränität abgibt und dem Beitrag für den Verband ausreichend Nutzen für die Gemeinde gegenübersteht. In einer Ausschusssitzung mit anschließender Bürgerversammlung wollte der Erste Beigeordnete des Verbands, Rouven Kötter (SPD), Vorbehalte abbauen.

Dabei ist es nicht zuletzt Kötter selbst, der durch seine frühere Politik Anlass für die Sorge ist, durch einen Beitritt könnten die Interessen Echzells gegen die größerer, einflussreicherer Mitglieder ausgespielt werden. Als Bürgermeister von Wölfersheim hatte Kötter das Rewe-Logistikzentrum an der Gemeindegrenze zu Echzell in die Wege geleitet, das zum Konflikt zwischen den Nachbarkommunen geführt hat.

Dass der Verlauf von Ausschusssitzung und Bürgerversammlung und insbesondere auch der Auftritt Kötters gelobt wurde, zeigt, dass es ihm gelungen war, den Regionalverband glaubwürdig als Interessenvertretung gerade auch der kleineren Kommunen darzustellen. "Unsere Bedenken sind weitgehend ausgeräumt worden", erklärt Dr. Jochen Degkwitz (CDU). In der Gemeindevertretung hatte er den Beitritt zum Verband noch mit Esaus Verkauf des Erstgeborenenrechtes an Jakob gegen ein Linsengericht verglichen. Ausdrücklich hatte er einen Bezug zwischen dem Rewe-Lager und Kötter hergestellt. Zur positiven Wirkung der Info-Veranstaltung trugen auch die Bürgermeister von Florstadt und Limeshain bei, Herbert Unger und Adolf Ludwig. Ersterer war mit seiner Stadt vom Land zum Beitritt in den Regionalverband gezwungen worden. Limeshain hatte sich erst vor Kurzem selbst dazu entschlossen. Beide Kommunen hätten vom Verband profitiert.

Kleine Gemeinden solidarisieren sich

Gerold Reuhl war mit der SPD, die den Beitritt beantragt hatte, bereits im Juni ein entschiedener Befürworter. Er betont im Gespräch mit der WZ, dass die Frage, ob Echzell dem Verband angehört oder nicht, eine Zukunftsfrage sei, zumal die nächste Möglichkeit erst wieder in fünf Jahren bestünde. "Jetzt wird die Entscheidung getroffen. Werden wir beim Status quo stehen bleiben oder mit am Tisch sitzen und mitentscheiden?"

Das Risiko, dass bei diesen Entscheidungen die Interessen Echzells untergehen könnten, sieht nach Kötters Erläuterungen anscheinend keine der drei Fraktionen noch als realistisch an. Laut Reuhl hat Kötter verdeutlicht, dass Frankfurt nur zwölf Stimmen im Verband habe. Wenn es in Abstimmungen um den Interessenausgleich mit der Großstadt gehe, solidarisierten sich immer wieder die Gemeinden an der Peripherie, auch wenn sie von einer Entwicklung nicht direkt betroffen seien. Genannt wurde das Beispiel eines von Frankfurt geplanten Stadtteils an der A 5, der von einer Mehrheit der ländlichen Kommunen abgelehnt wurde.

In der Bürgerversammlung kam die Frage auf, ob es sein könne, dass durch den Ballungsraum bestimmt werden könne, "dass nur noch Logistikzentren hier hin kommen". Dem widerspricht Kötter auch gegenüber der WZ entschieden: "Kein Quadratmeter wird bebaut, wenn die örtliche Ebene das nicht will." Die Hoheit über den Bebauungsplan habe die Kommune. "Man muss sich mit einer weiteren Ebene abstimmen", erläutert er, dass der Sinn des Verbands die Koordination von Entwicklungen sei. "Wir haben eine Region mit unterschiedlichen Herausforderungen." Da müsse man sich abstimmen, welche Gemeinde welche Aufgaben übernimmt. "Der Verband stellt sich dar als ein großes Consulting-Unternehmen, dass die Kommunen berät und Know-how zur Verfügung stellt", erklärt Degkwitz. Darin sieht auch Reuhl einen bisher wenig beachteten Vorteil einer Mitgliedschaft, die den Jahresbeitrag von rund 25 000 Euro relativiere. Der Verband beschäftige 120 Mitarbeiter. "Wenn ich mir diese Qualität für dieses Geld einkaufen kann und meine Verwaltung dadurch unterstütze, dann amortisiert sich das." Degkwitz ist überzeugt, "es gibt eigentlich keinen Grund, nicht beizutreten."

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