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"Stadt" ist Echzell nicht, sondern eine der Gemeinden unter 8000 Einwohnern, die laut Rechnungshof künftig nicht mehr alleine überleben können. Wie es in Sachen interkommunale Zusammenarbeit aussieht, bespricht Wilfried Mogk mit Jörg-Uwe Hahn (M.) und Wolfgang Patzak (r.). FOTO: PRIVAT

Über Gemeindegrenzen hinweg

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Echzell(pm). Eine Studie des hessischen Rechnungshofs kommt zu dem Ergebnis, dass Kommunen mit weniger als 8000 Einwohnern künftig nicht mehr alleine überlebensfähig seien. Echzell ist mit rund 5900 Einwohnern unmittelbar davon betroffen. Deshalb waren Landtagsvizepräsident Jörg-Uwe Hahn und Kreisbeigeordneter Wolfgang Patzak (beide FDP) kürzlich dort zu Gast, um mit Bürgermeister Wilfried Mogk (parteilos) über die interkommunale Zusammenarbeit der heimischen Kommunen zu sprechen.

Mogk berichtete, dass interkommunale Zusammenarbeit in Echzell bereits existiere und erste Früchte trage. Beispielsweise habe man zusammen mit Reichelsheim, Florstadt und Wölfersheim eine gemeinsame Jugendpflege: Man teile sich vier Vollzeitkräfte und vier Fahrzeuge. "Die Jugendpflege 4.0 ist ein Erfolgsmodell. Sie hilft dabei, dass junge Menschen auch interkommunal denken und sich mit unserer Region identifizieren."

Auch berichtete der Rathauschef, dass gemeinsam mit sechs weiteren Kommunen die "Gemeinschaftskasse Wetterau" geführt werde. Darüber erfolgt eine zentrale Abwicklung des Kassengeschäfts und die Abrechnung des Personals. "Durch die Einführung der Gemeinschaftskasse konnten Kosten gespart und Wissen gebündelt werden", sagte Mogk. Als weitere Beispiele für die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg sprach er den Zweckverband Abwasser, die Sozialstation und die gemeinsame Nutzung einer Kehrmaschine mit einer Nachbarkommune an.

"Wir begrüßen es, dass man hier aus der Eigeninitiative heraus schon einige Wege gefunden hat, interkommunal zusammenzuarbeiten", sagte Patzak. "Leistungsfähige und effiziente Verwaltungen sind für uns Freie Demokraten ein zentraler Baustein einer lebenswerten und wirtschaftsfreundlichen Region."

Hahn sprach auch die vor rund 30 Jahren getroffene Entscheidung an, das Entsorgungszentrum für den Wetteraukreis in Echzell zu errichten. Daran sei er unmittelbar beteiligt gewesen. Bürgermeister Mogk berichtete, das Entsorgungszentrum werde von den Echzellern positiv angenommen - nicht nur wegen des kurzen Weges.

Mehr Bürokratie

Mogk kritisierte bei dem Gespräch den Kurs der Landesregierung: Sie minimiere die bürokratische Belastung der Kommunen nicht, sondern baue sie aus. So werde etwa die Beantragung von Fördergeldern immer herausfordernder. "Hessen erstickt im Bürokratiewust", findet auch Hahn. "Durch eine Vereinfachung von Vorschriften und eine Verschlankung von Prozessen durch die Digitalisierung müssen Strukturen geschaffen werden, die sowohl die Kommunen als auch die Bürger entlasten." Dann könnte sich die Kommune um "die wirklichen Aufgaben" kümmern.

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