Erde und Unkraut statt Schaukel und Rutsche: Als das Neubaugebiet östlich der Hügelstraße vor Jahrzehnten erschlossen wurde, war im Bebauungsplan ein Spielplatz vorgesehen. 2014 sind alte und schadhafte Geräte abgebaut worden. Heute könnten Kinder einen neuen Spielplatz gebrauchen, sagen Alexander Eberius und Sandra Liebe-Brune. 	FOTO: SAX
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Erde und Unkraut statt Schaukel und Rutsche: Als das Neubaugebiet östlich der Hügelstraße vor Jahrzehnten erschlossen wurde, war im Bebauungsplan ein Spielplatz vorgesehen. 2014 sind alte und schadhafte Geräte abgebaut worden. Heute könnten Kinder einen neuen Spielplatz gebrauchen, sagen Alexander Eberius und Sandra Liebe-Brune. FOTO: SAX

Im Neubaugebiet

Ein Spielplatz, der keiner mehr sein soll

  • vonOliver Potengowski
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Obwohl inzwischen wieder zahlreiche Kinder in Bingenheim leben, befindet sich auf dem ehemaligen Spielplatzgelände inzwischen nur noch nackte Erde und Unkraut.

Als das Neubaugebiet östlich der Hügelstraße vor Jahrzehnten erschlossen wurde, war im Bebauungsplan auch ein Spielplatz vorgesehen. Schließlich sollten dort auch junge Familien eine Heimat finden. Obwohl inzwischen wieder zahlreiche Kinder in dem Viertel leben, befindet sich auf dem ehemaligen Spielplatzgelände inzwischen nur noch nackte Erde und Unkraut.

Man könnte die Fläche am Wendehammer der Straße »An der Freihub« für ein brachliegendes Baugrundstück halten. Noch vor wenigen Tagen wucherte hier Unkraut hüfthoch, berichten Alexander Eberius und Sandra Liebe-Brune, die auf dem angrenzenden Grundstück leben. Seit langer Zeit sei das Brachland erstmals wieder gemäht worden. Man könnte meinen, demnächst beginnen hier die Bauarbeiten. Doch gebaut werden dürfe hier nicht, sagt Eberius, den Eltern gebeten hätten, sich in der Angelegenheit zu engagieren.

Denn das Grundstück sei im Bebauungsplan des damals noch selbstständigen Ortes Bingenheim als Spielplatz ausgewiesen. Dieser sei nach den gesetzlichen Vorschriften für die Genehmigung des Plans notwendig. Schließlich war damit zu rechnen und auch beabsichtigt, dass Familien mit Kindern die Grundstücke kaufen, rund 50 Jahre ist das her.

Die Kinder, die damals auf dem Spielplatz spielten, sind inzwischen erwachsen und haben selbst Kinder oder sogar schon Enkel. Einige haben ihre Häuser verkauft, sodass inzwischen hier wieder junge Familien leben.

Doch der Spielplatz sei offenbar in Vergessenheit geraten: »Als wir hier im November 2013 eingezogen sind, standen noch die alten Spielgeräte«, erinnert sich Liebe-Brune. 2014 seien die schadhaften Geräte dann abgebaut worden. »Da haben wir gedacht, es ist ein Bolzplatz.« Doch das Gelände sei von der Gemeinde nicht mehr gepflegt worden. Der Jägerzaun sei umgekippt, der Gehweg sei fast abgerutscht, weil das Spielplatzgelände tiefer gelegen sei. Deshalb sei auch Erde aufgefüllt worden.

Mit dem Auto zu anderen Plätzen

Liebe-Brune habe bei der Gemeinde gefragt, ob sie das Grundstück kaufen könne. Dann hätte sie es selbst als Spielfläche herrichten können. Doch die Gemeinde habe ihr mitgeteilt, dass das Grundstück nicht verkauft werden dürfe. Denn im Bebauungsplan sei es noch als Spielplatz eingetragen, erläutert Eberius. Diese vorgeschriebene Nutzung dürfe nicht einfach aufgegeben oder verändert werden.

Inzwischen wohnen wieder rund drei Dutzend Kinder in dem Gebiet, rechnet Eberius vor. Der nächste Spielplatz sei 1,5 Kilometer entfernt am Sportplatz. Um ihn zu erreichen, müssen die Kinder aus dem früheren Neubaugebiet die Hauptstraße überqueren. »Ein Spielplatz sollte fußläufig erreichbar sein«, meint Eberius.

Unterschiedliche Ansichten

Anscheinend gibt es dazu jedoch bei einigen Eltern unterschiedliche Ansichten. Bürgermeister Wilfried Mogk berichtet von einer Bürgerversammlung, die offenbar der Auslöser dafür gewesen sein, dass die Gemeinde den Spielplatz »An der Freihub« beseitigt habe. Eine Mutter habe erklärt, dass die meisten Spielplätze in Echzell nicht attraktiv genug ausgestattet seien und die Eltern deshalb in Nachbargemeinden oder auf den Spielplatz »Am Preulen« fahren würden. Dieser »Spielplatztourismus« mit dem Auto sei üblich.

Auf einen SDP-Antrag hin seien alle Spielplätze besichtigt worden; es sollte ein Spielplatzkonzept erarbeitet werden. »In jedem Ortsteil sollte nur noch ein Spielplatz sein - der aber richtig ausgestattet«, erklärt Mogk. Bei diesen Gesprächen sei man zu der Überzeugung gelangt, dass der Spielplatz »An der Freihub« nicht mehr benötigt werde.

Immerhin haben Eberius’ Engagement und die von ihm genannten Kinderzahlen Mogk nachdenklich gemacht. »Ich spreche im Gemeindevorstand nochmal an, ob es Eltern gibt, die da Bedarf haben«, verspricht der Bürgermeister im WZ-Gespräch.

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