+
Zu eng, zu alt, zu gefährlich: Die Liste der Mängel am Bingenheimer Feuerwehrhaus ist lang.

Schließung droht

Sorge um Feuerwehrhaus in Echzell

  • schließen

Die Bingenheimer Feuerwehr braucht dringend ein neues Feuerwehrhaus. Nach vielen Diskussionen ist der Neubau inzwischen beschlossen. Losgehen kann es aber immer noch nicht. Es gibt Probleme mit dem Grundstück.

Für Wehrführer Florian Hinkel ist es ein leidiges Thema: Seit über 15 Jahren droht die Schließung des Bingenheimer Feuerwehrhauses. Es erfüllt nicht mehr die nötigen Standards, die Fassade bröckelt und es ist viel zu eng. Nachdem lange Zeit nichts geschehen war, haben die Gemeindevertreter in den vergangen Jahren die Weichen für einen Neubau gestellt. Doch der gestaltet sich schwieriger als gedacht.

Das neue Haus soll auf einem Grundstück am Blofelder Weg, nahe dem Friedhof, gebaut werden. Es war lange im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde. Durch einen Grundstückstausch ist es an die Gemeinde Echzell übergegangen. Das Problem: Die Fläche ist noch bis Ende 2021 verpachtet und der Vertrag unerwartet schwer zu kündigen. Gespräche mit dem Pächter, der dort Pferde weiden lässt, sind bisher gescheitert. Er will das Grundstück nicht vorzeitig verlassen, weil er es brauche, obwohl Bürgermeister Wilfried Mogk ihm eine Ausgleichsfläche anbietet.

Feuerwehrhaus Bingenheim: Mängelliste ist lang

Der Frust darüber ist den Beteiligten anzumerken. "Schlechter könnte die Situation für eine Feuerwehr kaum sein", sagt Volker Hinkel. Er ist Vorsitzender der Feuerwehr und der Vater von Florian Hinkel. Auf die Probleme angesprochen weiß sein Sohn gar nicht, wo er anfangen soll. "Das Löschfahrzeug aus der engen Garage zu fahren, ist Millimeterarbeit." Dabei muss es im Ernstfall schnell gehen. "Da es keine Parkplätze am Gebäude gibt, parken wir unsere Privatautos an der Straße. Wenn wir dann mit dem Löschfahrzeug rausfahren, können wir den Verkehr kaum einsehen." Schon oft wäre dabei fast ein Unfall passiert.

Außerdem ist das Löschfahrzeug fast 25 Jahre alt. "In zwei Jahren steht uns ein neues zu. Das passt aktuell aber nicht durch das Tor", sagt Florian Hinkel. Dabei werde es dringend gebraucht. "Im neuen Fahrzeug könnten sich die Atemschutzgeräteträger schon während der Fahrt anziehen. Aktuell geht das erst vor Ort." Dadurch gingen wichtige Minuten verloren, die mitunter Menschenleben kosten könnten.

Auch für den Mannschaftstransportwagen ist kaum Platz. Direkt hinter den Fahrzeugen stehen die Spinte, in denen sich die Ausrüstung befindet. "Ein absolutes No-Go in Sachen Arbeitssicherheit und Hygiene", sagt Volker Hinkel. Außerdem gibt es im Feuerwehrhaus keine Duschen. Dafür aber enge Treppen. Deshalb weiche man bei Veranstaltungen auf andere Räume aus. "Viele unserer älteren Mitglieder könnten sonst nicht kommen", sagt Volker Hinkel.

Feuerwehrhaus Bingenheim: Baubeginn Ende 2021 geplant

In solch einem Umfeld sei es schwer, den Nachwuchs für die Feuerwehrarbeit zu begeistern, sagt Florian Hinkel. "Wir können vor Ort nichts üben. Das ist schade, weil eigentlich alle sehr motiviert sind." Fraglich sei, wie lange das bei der aktuellen Situation noch anhalte.

Die Bingenheimer Wehr hat 22 aktive Mitglieder zwischen 18 und 62 Jahren. Viele von ihnen arbeiten im Ort und sind somit schnell zur Stelle, wenn der Melder losgeht. "Oft sind wir die erste der Echzeller Wehren, die am Einsatzort eintreffen", sagt Florian Hinkel. Deshalb ist Bürgermeister Mogk der Erhalt der Wehr sehr wichtig. Er steht in engem Kontakt mit den Feuerwehrleuten. "Wird das Feuerwehrhaus geschlossen, muss sich die Gemeinde mit Wehren aus Reichelsheim oder Wölfersheim zusammentun, um die Tagesalarmbereitschaft zu gewährleisten", sagt Volker Hinkel.

Oft werden Vater und Sohn gefragt, warum sie nicht auf ein anderes Feuerwehrhaus ausweichen würden. "Es ist einfach kein Platz", sagt Florian Hinkel. Das Feuerwehrhaus in Gettenau platze aus allen Nähten. "Im neuen Feuerwehrhaus könnten wir auch einen Teil der Ausrüstung unterbringen, die wir uns in Echzell teilen, und damit die anderen Wehren entlasten."

Doch das liegt noch in weiter Ferne. Damit es Ende 2021, wenn der Vertrag ausläuft, endlich losgehen kann, muss im Frühjahr ein Artenschutzgutachten für die Fläche erstellt werden. Dafür müssen Experten auf das Grundstück. Das geht nur mit Erlaubnis des Pächters. Klappt das nicht, verschiebt sich der Neubau noch weiter nach hinten. Bürgermeister Mogk sucht deshalb immer wieder das Gespräch mit dem Pächter. Florian Hinkel und sein Vater hoffen, dass sie gemeinsam doch noch eine Lösung finden können. "Wir haben so lange gekämpft, das muss jetzt einfach funktionieren", sagt der Wehrführer. "Sonst weiß ich nicht, wie es mit unserer Wehr weitergehen soll."

Feuerwehrhaus Bingenheim: Spende übergeben

Die Bingenheimer Saatgut AG hat kürzlich eine Spende von 5000 Euro an die Freiwillige Feuerwehr Bingenheim übergeben. Ein außergewöhnlich hoher Betrag, für den Wehrführer Florian Hinkel und seine Kollegen dankbar sind. "Wir waren sehr überrascht und konnten es zunächst gar nicht glauben", sagt Hinkel. Die Bingenheimer Saatgut AG exportiere zwar in die ganze Welt, sei aber trotzdem in Bingenheim verankert, sagt Vorsitzender Gebhard Rossmanith. Mit der Spende solle das Engagement der Feuerwehrleute gewürdigt werden. "Für viele ist es selbstverständlich, dass die Feuerwehr kommt, wenn es brennt. Aber immer weniger Menschen wollen sich ehrenamtlich engagieren", sagt Rossmanith. Umso wichtiger sei es, diese Form der Nachbarschaftshilfe in Bingenheim am Leben zu erhalten und dafür zu sorgen, dass sie funktioniere. Von dem Geld soll eine Wärmebildkamera angeschafft werden, denn die Bingenheimer Wehr besitzt noch keine. Das restliche Geld wird in den Neubau investiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare