Leo kümmert sich liebevoll um eines der Lämmer.	 FOTO: PM
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Leo kümmert sich liebevoll um eines der Lämmer. FOTO: PM

Die Schafe sind los

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Echzell-Bingenheim (pm). Beim »Grünen Klassenzimmer« der Waldorf-Förderschule der Lebensgemeinschaft Bingenheim steht das Lernen in der freien Natur inmitten der schuleigenen Hühner und Schafe im Mittelpunkt. Damit für alle Tiere optimale Bedingungen gegeben sind, sollen Weideunterstände und eine Tränke nach ökozertifizierten Vorgaben gebaut werden. Ein Gewinn bei der Umweltlotterie Genau in Höhe von 5000 Euro sichert jetzt die Finanzierung.

Mitte 2017 war das Projekt an der Waldorf-Förderschule ins Leben gerufen worden, um Angebote und Alternativen für die Schüler zu schaffen, die mit dem Alltag im Klassenzimmer nicht in vollem Maße erreichbar sind; für Kinder mit Lern- oder Erziehungshilfebedarf, für sogenannte Praktisch Bildbare. Beim »Grünen Klassenzimmer« steht die praktische Arbeit draußen im Vordergrund, etwa die Pflege des Gartens oder die Versorgung der Tiere.

»Das Erleben der Natur fördert den Einsatz aller Sinne, aber auch die Aufmerksamkeit der Kinder, gerade wenn es um die Versorgung der Tiere geht«, erklärt Lehrerin Hanja Van Severen den therapeutischen Ansatz. Hier sei in praktischer wie in emotionaler Hinsicht zusätzliches Lernen erforderlich, was aber ganz spielerisch gelinge und den Schülern zeigt, wie sie mit anderen in Interaktion treten können.

Zum »Grünen Klassenzimmer« gehören seit letztem Jahr seltene Hühnerrassen. Doch die gilt es vor Greifvögeln zu schützen, die sich tatsächlich schon auf die Jagd begeben haben. Die Wahl fiel auf Mutterschafe der auf der Roten Liste stehenden Rasse »Krainer Steinschafe«. Die Anwesenheit der Schafe auf der Auslauffläche schützt die Hühner und minimiert gleichzeitig den Einsatz der Rasenmäher. Wenn der Winter naht, ziehen die Schafe in ihr Winterquartier, um vor Wind und Wetter geschützt ihre Lämmer auf die Welt bringen zu können, berichtet Van Severen.

Doch auch für den schulischen und sozialen Bereich würden die Schafe jede Menge Lehrreiches mit sich bringen. So fordere ein Weidegang die soziale Interaktion zwischen den Schülern: »Wer steht wo, wer treibt hier, wer dort; Achtung, da drüben rennt eines los - so geht es die ganze Zeit«, erklärt Van Severen. Vor allem die kleinen Lämmer hätten es den Kindern angetan.

Kastanien als Winterfutter

Auch müsse Schafwolle geschoren, gewaschen, gekämmt und versponnen werden, was den Kindern viel Spaß mache. »Wir zeigen ihnen, was man aus der Wolle der ›eigenen‹ Schafe machen kann, beispielsweise einen Schal stricken. Das macht sie sehr stolz.« Auf diese Weise lernten die Kinder sozusagen nebenbei den Kreislauf der Natur kennen und entwickelten ein Wertgefühl, wie viel Mühe und Arbeit in einem Knäuel Wolle stecke. Und: »Anstatt die Kastanien im Pausenhof herumzuwerfen, sammeln die Schüler sie als Winterfutter für die Schafe.«

Severen hatte ihr Projekt im März 2019 für den Zusatzgewinn der Umweltlotterie angemeldet, der mit 5000 Euro verbunden ist. Am 13. März 2020 kam die Gewinnnachricht. Mit dem Geld sollen ein dauerhaft nutzbarer Stall für den Winter sowie ein mobiler Unterstand als Schutz vor Regen und vor allem Sonne gebaut werden. Diesen können die Schüler einfach von Weidefläche zu Weidefläche verstellen. Auch eine mobile Tränke soll der Gewinn noch finanzieren. Wenn noch etwas Geld übrig bleibt, möchte Van Severen die Schafausstattung noch um Führstricke und Halsbänder und weitere Kardierbürsten zum Kämmen der Wolle ergänzen, damit sich möglichst viele Kinder gleichzeitig mit ihren »tierischen Mitschülern« beschäftigen können.

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