Viel größer als Saalburg

Römerkastell soll sichtbar gemacht werden

  • schließen

Echzell(sax). Obwohl sich die Gemeindevertreter grundsätzlich einig sind, dass das ehemalige Römerkastell in seinem Grundriss sichtbar gemacht werden soll, entwickelte sich um einen entsprechenden SPD-Antrag eine längere Diskussion. CDU und Grüne fanden es verfrüht, Gelder in den Haushalt einzustellen, ohne konkrete Maßnahmen zu kennen. Die SPD-Mehrheit setzte aber einen Mittelansatz durch.

Dabei hatte der Antrag, den Simone Geist (SPD) vortrug, grundsätzlich einhellige Zustimmung gefunden. Sie hatte darauf hingewiesen, wie bedeutsam das 90 n. Chr. erbaute und bis ungefähr 260 vom römischen Heer genutzte Kastell für die Geschichte Echzells gewesen sei. "Mit einer Fläche von circa 5,4 Hektar war es der größte römische Wehrbau am Taunus- und Wetterau-Limes, doppelt so groß wie die Saalburg."

Als UNESCO-Weltkulturerbe müsse nicht nur der Erhalt des Limes sichergestellt werden, sondern auch die Vermittlung seiner Bedeutung an die Öffentlichkeit. Derzeit sei vom Kastell an der Erdoberfläche unter Äckern und Gärten nichts mehr zu sehen. Deshalb sollten die Abmessungen zum Beispiel mit Stelen verdeutlicht und die Geschichte durch Bild- und Texttafeln erklärt werden. Hierzu sollten in den Haushalt 2020 Gelder eingestellt werden.

Stelen, Blumen, Simulationen?

An diesem Punkt entzündete sich die Kritik Dr. Jochen Degkwitz’ (CDU), der die Initiative als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins zwar begrüßte. Es müsse jedoch überlegt werden, welche Ziele man erreichen wolle. Erst mit einem Konzept sei es sinnvoll, Gelder zu beschließen.

"Mit Stelen würden wir die Größe des Kastells nicht erfassen", erklärte er. Hinzu kämen Eigentumsfragen. "Wir können niemandem einfach eine Stele in den Garten stellen." Den Grundriss durch Bäume kenntlich zu machen, sei nicht möglich, weil dadurch die Überreste des Kastells im Boden zerstört würden. Eventuell könne man Funktionsteile des Kastells durch Blumen sichtbar machen. Doch diese müssten jedes Jahr neu gepflanzt werden, was Kosten nach sich ziehe. Denkbar wäre, Simulationen programmieren zu lassen, die das frühere Kastell auf den Mobiltelefonen von Touristen darstellen. Daher legte er einen Änderungsantrag vor - ohne Geldmittel.

Gerold Reuhl (SPD) hielt dagegen, nach einer Prüfung, welche Maßnahmen die Gemeinde wolle, bliebe nur noch wenig Zeit, Gelder in den Haushalt einzustellen. Es sei nicht klar, ob 5000 oder 50 000 Euro benötigt würden. Mittel einzustellen, bedeute nur, eine Art Hinweisschild aufzustellen.

"Das Erbe der Römer kommt in Echzell oftmals zu knapp", räumte auch Sebastian Tinz (CDU) ein. Dennoch meinte er: "Einen Blankoscheck auszustellen, ist verfrüht." Barbara Henrich (Grüne) wies darauf hin, dass die SPD angeregt habe, die Möglichkeit von Fördergeldern zu prüfen. "Was soll ich entscheiden, wenn ich überhaupt nicht weiß, ob es Fördermittel gibt?"

Degkwitz Änderungsantrag fand nur die Stimmen von CDU und Grünen. Die SPD votierte für den ursprünglichen Antrag.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare