Regenwürmer und Wurzelautobahnen

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Echzell(pm). Die Wetterau hat einst im Bereich des Äquators gelegen. Diese und weitere Erkenntnisse haben rund 40 Besucher gewinnen können, die der Einladung der Bürgerinitiative "Bürger für Boden" auf den Echzeller Römerhof gefolgt waren. Dort sprach der Ober-Mörler Bodenkundler Dr. Matthias Peter über den Wetterauer Boden.

Vor 15 Millionen Jahren war das Gebiet der heutigen Horloffsenke Sumpf - und lag im Bereich des Äquators, sagt Peter. Vor drei Millionen Jahren sei es ein steppenartiges Dauerfrostgebiet gewesen, das sich mit den Gebieten östlich des Urals vergleichen lasse. Das sei auch bis vor etwa 10 000 Jahren noch so gewesen. Erst danach sei die Wetterau, wie wir sie kennen, entstanden. Hauptursache dafür sei der während der Eiszeiten aus dem Oberrheintal heran gewehte Löss, zermahlenes Kalkgestein der Alpen. Daraus hätten sich die heutigen Böden gebildet.

So finde sich in der Wetterau mit der sehr fruchtbaren Parabraunerde ein Spitzenboden, mit hoher Wasserspeicherfähigkeit, die ihn zwingend für den Ackerbau bestimme. Im Mittelalter wurde fast die gesamte Wetterau landwirtschaftlich genutzt.

Am Beispiel des Limes machte Peter den Zeitraum deutlich, den ein Boden braucht, um nach einem Eingriff seine ursprüngliche Funktion wiederherzustellen. Der vor gut 2000 Jahren in Lößgebieten aufgeschüttete Limes weise erste Ansätze der Bildung von Parabraunerde auf. Das zeige, dass der Prozess der Bodenbildung im günstigsten Fall rund 4000 Jahre dauere.

Mangelnder Schutz

Ein Bodenquerschnitt der Wetterauer Parabraunerde zeige eine Menge senkrechter Kanäle, die Regenwurmröhren. Die würden von den Pflanzenwurzeln als Autobahnen genutzt, um leicht und tief ins Erdreich vordringen. Das Zusammenspiel von Wasserspeicherfähigkeit, Bodentieren und Mikroorganismen mache den Boden der Wetterau agrarisch so wertvoll und besonders.

Trotzdem sei das wertvolle Gut nur schwach geschützt. Am Beispiel seiner Heimatgemeinde machte Peter die Rasanz des bundesdeutschen Flächenverbrauchs deutlich, der bei rund 62 Hektar pro Tag liegt. Er schreite so schnell voran, dass nach 58 Tagen die gesamte Gemarkung Ober-Mörlen zugebaut wäre.

Das Thema Bodenschutz finde sich in Bundes- und in Landesgesetzen. Einen besonderen Schutz genieße der Boden, auch wenn er landwirtschaftlich herausragend sei, wie auf dem Areal des geplanten Rewe-Logistikzentrums, deshalb aber noch nicht. In Abwägungen der Bauleitplanungen werde der Schutz des Bodens aktuell oft noch hintangestellt. Peter: "Selbst ein begrüntes Dach ist in solchen Abwägungen bedeutender als herausragender landwirtschaftlicher Boden." Allerdings sei zu erwarten, dass bei künftigen Bauvorhaben die Kompensation für die Inanspruchnahme des Schutzguts Boden deutlich höher ausfallen werde.

BI-Sprecherin Christa Degkwitz zog ein Fazit: "Wir sehen unser Engagement für die Achtung des Bodens, gerade unseres landwirtschaftlich hervorragenden Wetterauer Bodens, bestätigt. Es bestürzt noch immer, wie kurzsichtig und ignorant die Befürworter mit diesem Schutzgut umgehen. Deshalb kämpfen wir weiter unvermindert für die Verhinderung des Logistikzentrums."

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