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Pächter fühlt sich übergangen

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Echzell-Bingenheim(alh). Die Bingenheimer Feuerwehr braucht ein neues Feuerwehrhaus. Das alte weist zu viele Mängel auf. Ein Neubau ist bereits in Planung, allerdings gibt es, wie in der vergangenen Woche berichtet, Probleme mit dem dafür vorgesehenen Grundstück. Es ist noch verpachtet, und der Pächter will es nicht abgeben. Dafür gibt er mehrere Gründe an.

Das Grundstück liegt am Blofelder Weg, in der Nähe des Friedhofs. Der Pächter, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, hat dort eine Weide für seine Pferde. Der Stall liegt direkt gegenüber. "Wir bringen die Pferde täglich vom Stall auf die Weide", sagt der Pächter. "Deshalb haben wir gezielt nach einem Grundstück in der Nähe gesucht." Die Pferde bräuchten Auslauf, deshalb wollen er und seine Familie die Wiese auch nicht hergeben.

Was die Fronten allerdings so verhärtet habe, sei die Tatsache, dass man ihn zunächst nicht über die Baumaßnahme informiert habe. "Keiner hat mir etwas von den Plänen erzählt, dass hier ein Feuerwehrhaus entstehen soll", sagt der Pächter. "Ich habe das erst über Dritte mitbekommen." Das habe ihn sehr enttäuscht.

Eines Tages seien plötzlich Leute da gewesen, die das Grundstück vermessen wollten. Daraufhin habe er sich an Bürgermeister Wilfried Mogk gewandt und das Gespräch gesucht. Er kenne auch einige Mitglieder der Feuerwehr und der Gemeindevertretung. Sie alle hätten ihm nichts gesagt. "Da hätte ich mir von Anfang an ein anderes Vorgehen gewünscht", sagt der Bingenheimer.

Alternative am Steinbruch?

Bürgemeister Mogk habe ihm im Gespräch dann tatsächlich eine Ausgleichsfläche angeboten: ein Grundstück, das die Gemeinde ihm erst kurz zuvor gekündigt habe. Im Tausch gegen das Grundstück am Blofelder Weg habe man es ihm zurückgeben wollen. Er habe abgelehnt.

Denn die Familie sorge sich auch um die Natur: "Auf dem Grundstück stehen viele alte Bäume. Ein Stück Wiese haben wir unberührt gelassen, damit dort kleine Tiere und Insekten leben können." Das alles müsste für das Feuerwehrhaus weichen, meint der Pächter. Das Grundstück müsse begradigt und viel Erde abgetragen werden. "Mir ist es wichtig, dass die Wiese erhalten bleibt und die Bäume nicht gefällt werden. Gerade in der aktuellen Debatte um den Klimawandel." Das würden auch andere im Dorf so sehen, sagt der Pächter. Viele Bingenheimer würden den Kopf schütteln, wenn man sich mit ihnen über den Neubau an dieser Stelle unterhalte. Die Nähe zum Friedhof halte er ebenfalls für problematisch.

Dass die Feuerwehr ein neues Haus benötigt, sehe er ein. "Die Bingenheimer hätten sich aber auch mit der Wehr in Gettenau zusammentun können, als dort neu gebaut wurde. Das ist damals auch ein Vorschlag des Bürgermeisters gewesen, der aber von den Feuerwehrleuten abgelehnt wurde." Als Alternative zu dem von ihm genutzten Grundstück schlägt er das Gelände des ehemaligen Steinbruchs vor, das sich weiter oben am Blofelder Weg befindet. Dort stehe ein Gebäude, das man nutzen könne. Außerdem gebe es ausreichend Platz für Parkplätze, und die Feuerwehr sei ungestört.

Die Bingenheimer Saatgut AG hat bereits Interesse an dem Gelände gezeigt. Sie will im hinteren Teil, zwischen dem Transformatorenhäuschen und dem eigentlichen Steinbruch, eine Halle für die Saatgut-Reinigung bauen. Das war schon Thema in der Gemeindevertretung. Das Gelände sei aber groß genug für beide Vorhaben, meint der Pächter. In der Sitzung im September hatte Gebhard Rosmanith, Vorstandsvorsitzender der Saatgut AG, auf Nachfrage der Grünen bestätigt, dass ein Neubau des Feuerwehrhauses dort zusätzlich denkbar sei.

Die Gemeinde hat den Vertrag inzwischen gekündigt. Er endet 2021. "Ich habe nichts gegen die Feuerwehr", betont der Pächter ausdrücklich. "Ganz im Gegenteil, wir brauchen sie, und ich möchte da eigentlich nicht im Wege stehen." Er fühle sich einfach übergangen. "Ich finde es schlimm, dass es letztlich so weit kommen musste."

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