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Neues zu Hexenprozessen

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Von: red Redaktion

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Das Titelblatt des einzigen in Echzell erhaltenen Protokolls. © pv

Echzell (pm). Unter dem Landgrafen Wilhelm Christoph wurde zwischen 1651 und 1660 in Bingenheim eine Welle von Hexenprozessen durchgeführt. Ihnen fielen nach aktualisierter Zählung 56 Menschen zum Opfer - Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder, zumeist aus Echzell, Bingenheim, Gettenau und Bisses.

Was bisher über diese Prozesse bekannt war, beruht im Wesentlichen auf einem Bündel von Akten, das im Archiv der evangelischen Kirche zu Echzell verwahrt wird. Umfangreich und anschaulich, aber oft auch künstlerisch entstellend zitiert daraus Georg Schäfer in dem Roman »Die Hexe von Bingenheim«. Diesen hatte er, der damalige Bingenheimer Rentmeister, vor etwa 130 Jahren geschrieben. 1975 wurde er mit Ergänzungen des Heimatforschers Rudolf Kießling neu aufgelegt.

»Die Echzeller Akten sind jedoch alles andere als vollständig; es sind durchweg nur Bruchstücke«, sagt Dr. Jochen Degkwitz, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins. Tatsächlich waren die Prozesse umfangreich protokolliert worden. Gleichwohl ist im Echzeller Material nur ein stark von Mäusen zerfressenes Protokoll enthalten: das »Protocollum in Hexerey Sachen Hannß Ludewigß Frauen, Elbet, zue Bingenheim, den 22.ten Juny, Anno 1654«. Die übrigen waren dem Aktenbestand bereits entnommen worden, bevor er um das Jahr 1890 an Georg Schäfer übergeben und später in das Pfarrarchiv übernommen wurde.

Eines dieser Protokolle, dessen Original verschollen ist, war bereits 1883 im Unterhaltungsblatt des Oberhessischen Anzeigers veröffentlicht worden. Von sechs weiteren ist seit Langem bekannt, dass sie in der Gießener Universitätsbibliothek verwahrt werden. Eines davon ist in einer Dissertation von 1935 wörtlich wiedergegeben. Der Verbleib der übrigen war bisher unbekannt.

Vortrag am 26. September

Der Heimat- und Geschichtsverein hat nun durch aufwendige Recherche in verschiedenen hessischen Archiven zahlreiche weitere Protokolle und andere Akten zu den Bingenheimer Prozessen ausfindig gemacht. Daraus ergeben sich umfassende neue Erkenntnisse, nicht zuletzt die genaue Zahl der Opfer und ihre Namen. Pfarrer Reiner Isheim und Dr. Jochen Degkwitz werden darüber in einem Vortrag in der Bingenheimer Kirche am Montag, 26. September, um 20 Uhr berichten. Der Eintritt ist frei. FOTO: EV. KIRCHE ECHZELL

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