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Naturschauspiel vor der Haustür

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Echzell (bf). Durch die Niederschläge im vergangenen Winter hat sich das Bingenheimer Ried von der Trockenheit 2018 und 2019 erholen können. Nun kommen viele Naturfotografen, Ornithologen sowie naturbegeisterte Bürger zum Naturschutzgebiet: Wegen des nahen Wasserstandes lässt sich die Balz der Enten, Gänse und Limikolen gut beobachten und fotografieren. »Alle Besucher halten sich an das Abstandsgebot in der Corona-Krise, und so kann jeder das Naturschauspiel genießen«, berichtet Manfred Vogt, der Vorsitzende des NABU Limeshain.

Das Bingenheimer Ried gilt als Geheimtipp unter Ornithologen und Naturfotografen. Bis zu 230 Vogel- und 44 Libellenarten wurden in dem 85 Hektar großen Natur-Kleinod in der Horloffaue zwischen Echzell und Reichelsheim nachgewiesen. Ein Beispiel: Sieben von zwölf der hier lebenden Amphibienarten stehen auf der Roten Liste Hessens. »Die großräumige offene Lage, die freien Wasserflächen sowie die hohe Bodenfeuchte bieten zahlreichen Arten ein ideales Brutgebiet«, erklärt Vogt.

Zu Zeiten des Vogelzuges zeigt sich das Naturschutzgebiet mit seinen natürlich schwankenden Wasserständen und den ausgedehnten Seggen- und Röhrichtbereichen als ideales Durchzugs- und Rastgebiet für Tausende von Zugvögeln und Wintergäste.

Aussichtskanzeln derzeit geschlossen

Die Wasservögel sind sehr gut von zwei Aussichtskanzeln zu beobachten, die auf leichten Anhöhen im Osten und Westen des Gebiets stehen. Normalerweise - zurzeit sind sie coronabedingt geschlossen. »Aber man kann sehr gut von den Wegen aus beobachten und fotografieren«, rät Vogt, der seine Liebe zur Naturfotografie vor über 40 Jahren entdeckt hat. »Meist sind die Motive der Begierde zwar etwas weit entfernt, aber gerade im Frühjahr bei der Balz und bei Revierkämpfen bestehen gute Möglichkeiten, zu aussagekräftigen Aufnahmen von Gänsen, Reihern, Kormoranen, Kiebitzen und Limikolen zu kommen.« Außerdem brüten zwei Weißstorchpaare im Gebiet, somit seien gute Flugaufnahmen keine Seltenheit - wenn man denn geduldig ist.

Neben den Störchen brüten rund 30 weitere Vogelarten im Ried, unter anderem Spießente, Pfeifente, Löffel- und Krickente. Das Gebiet ist auch eines der besten hessischen Brutareale für Tüpfelsumpfhuhn und Wasserralle. Außerdem brüten Kiebitz und Bekassine, Rohrweihe, Blaukehlchen und Drosselrohrsänger dort.

Auch für uns Menschen ist das Ried wichtig. Vogt: »Es nimmt das im Frühjahr und Herbst aus dem Umland anfallende Hochwasser auf und hält es in der Region. Die Speicherung von Grund- und Oberflächenwasser ist eine wichtige Funktion intakter Auen.«

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