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Für Moritz Schneider geht’s in Vietnams Metropole Hanoi

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Moritz Schneider startet Ende August einen einjährigen freiwilligen Dienst in Hanoi.
Moritz Schneider startet Ende August einen einjährigen freiwilligen Dienst in Hanoi. © Ines Dauernheim

Echzell–Grund-Schwalheim (kai). Ein Schnitt. Der Übergang zum Erwachsenenleben. Für ein Jahr alles zurücklassen. Moritz Schneider hat sich entschieden: Er fliegt nach Hanoi, um dort zwölf Monate als freiwilliger Helfer zu arbeiten.

Der Flug ist bereits gebucht. Die Unterlagen für das Austauschprogramm liegen parat. Seminare sind absolviert, Impfungen erledigt. Der 19-jährigen Grund-Schwalheimer startet am 23. August bei ein unbekanntes Leben. »Ich werde in einem sozialen Projekt mitarbeiten, das sich um Agent-Orange-Opfer kümmert«, erzählt er. Fast fünf Jahrzehnte nachdem im Vietnamkrieg das Entlaubungsmittel von den Amerikanern im Kampf eingesetzt wurde, hat die Bevölkerung darunter zu leiden. »In dem Projekt werden Kinder, Jugendliche und junge Menschen mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen betreut.« Wohnen werde er nach derzeitigem Wissen in dem Heim, wo diese Menschen lebten. Er müsse ihnen beim Bewegen und Essen helfen.

»Ich möchte in dem Jahr eine andere Kultur kennenlernen, lernen etwas anders wahrzunehmen.« Für ihn sei es wichtig, in ein Land zu gehen, das er nicht kenne. Gelernt hat er bereits, dass Menschen mit Behinderungen in Vietnam nicht anerkannt sind, geächtet werden. »Inklusion ist dort kein Begriff, deshalb ist Hilfe nötig«, sagt Schneider. »Das wird eine große Herausforderung.

« Der möchte er sich stellen. Dazu die Sprache lernen, die vietnamesische Kultur erleben. Den Kontakt zur vietnamesischen Hilfsorganisation »Phuc Tue Caringcenter« hat Moritz’ Austauschorganisation ICJA – Freiwilligen Austausch weltweit hergestellt. »Als ich mich entschieden habe, nach dem Abitur ein Jahr ins Ausland zu gehen, habe ich im Internet recherchiert und mich bei verschiedenen Organisationen beworben«, berichtet Schneider. ICJA meldete sich. »Bei dem ersten Treffen habe ich sympathische Menschen kennengelernt und ansprechende Berichte gehört. Da war klar: Mit der Organisation kann ich ein Jahr wegfahren«, sagt der Grund-Schwalheimer.

Heiratsanträge en masse

In wenigen Wochen geht’s vom kleinsten Dorf der Wetterau (27 Einwohner, Stand 2010) in die Sechs-Millionen-Metropole Hanoi. »Dort werde ich als reicher Europäer gesehen, ich muss sorgfältig und vorsichtig sein«, sagt Schneider. »Ich kann mich in Vietnam nicht so verhalten wie hier.« Das habe er im Vorbereitungsseminar gelernt. »Heiratsanträge sollen typisch sein, weil sich Frauen ein besseres Leben in Europa vorstellen«, sagt er.

80 Euro Taschengeld bekommt er monatlich für seinen freiwillige Einsatz. »Das ist für vietnamesische Verhältnisse sehr viel, es entspricht rund 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens.«

Ganz auf den europäischen Komfort wird er nicht verzichten: Laptop und Handy werden eingepackt. »Ich muss für meine Organisation Berichte schreiben, will einen Blog im Internet gestalten und Kontakt zu Familien und Freunden halten«, sagt Schneider. Immerhin haben drei Freunde, die als Work-und-Travel-Touristen die Welt bereisen, zugesagt, ihn zu besuchen. »Meine Eltern wollen auch kommen, aber erst im nächsten Jahr, kurz vorm Ende, damit ich kein Heimweh bekomme.« Zum Ende seiner Zeit in Vietnam will er sich online als Student einschreiben. »Was ich studiere, entscheidet sich in den nächsten Monaten, vielleicht Soziologie.«

Das hat noch Zeit. Viel wichtiger ist es für ihn, Unterstützer für seinen Aufenthalt zu finden. Ein Teil der Kosten übernimmt das Bundesministerium für Familie, Senioren und Jugend. »Den restlichen Betrag muss ich durch Spenden sammeln.« Bis Februar hat er versprochen 3600 Euro zusammenzubekommen. Ein Teil nimmt er aus seinen Rücklagen, die er sich im Weihnachtsbaum-Verkauf bei seinem Onkel verdient hat. »Jede Spende an die Organisation unter meinem Namen hilft weiter.«

Spenden können beim ICJA Freiwilligendienst weltweit e.V. eingezahlt werden. Stichwort: »Spende 74-2700 Moritz Schneider«, IBAN: DE06 3506 0190 1011 8120 38, BIC: GEODED1DKD.

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