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Mit Zuversicht durchs Leben: Christa Jäckel wird 100 Jahre alt

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Von: Marc Stephan

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»Wir brauchen kein Foto, mich kennt doch jeder«, sagt Christa Jäckel zu ihrem 100. Geburtstag. © Marc Stephan

Nein, von ihr brauche man doch kein Foto. »Mich kennt doch jeder hier!«, lacht die Jubilarin Christa Jäckel, die heute ihren 100. Geburtstag feiert. Obwohl sie keine gebürtige Echzellerin ist, sei sie doch überall bekannt durch ihre Vereinsaktivitäten.

Sport war es, der die in Chemnitz geborene Christa Finke ihr ganzes Leben fesselte.

Am 17. November 1922 in Chemnitz geboren, besuchte sie dort auch die Schule und schloss daran die Handelsschule an. Als Verwaltungsangestellte war sie anschließend im Rathaus ihrer Heimatstadt tätig. Sie wohnte mit ihrer Familie am Stadtrand, wo während des Zweiten Weltkrieges Flugabwehrstellungen aufgebaut wurden. Mit einer Freundin ging sie 1941 einen Kaffee trinken und lernte dabei den jungen Schlesier Herbert Jäckel kennen, der Soldat bei der Luftabwehr war.

Neuanfang nach Ruhestand

Schon 1942 heirateten die beiden, und aus Christa Finke wurde Christa Jäckel. Sie blieb bis Kriegsende in Chemnitz. »Die Stadt war zu dreiviertel zerbombt, aber wir sind geblieben«, erzählt die Jubilarin und fügt an, dass ihr Mann in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet und erst 1949 zurückkehrte.

1955 schließlich packte das Ehepaar die Koffer und machte sich auf den Weg in den Westen. Mit nur diesen zwei Koffern kamen Herbert und Christa Jäckel dann in Mönchengladbach an. Dort fand sie schnell wieder eine Stelle im Rathaus, wo sie bis zu ihrem Ruhestand arbeitete. Ohne Überschwang, aber froh erklärt die Jubilarin: »Ich hatte immer Glück, immer! Ich hatte einen guten Mann, habe eine wunderbare Familie und wunderbare Freunde und Nachbarn.« Sie fühlt sich bis heute gut aufgehoben.

Als ihr Bruder Dieter Finke, Lehrer am Internat Lucius, vor 40 Jahren mitteilte, dass in Echzell neue Bauplätze ausgewiesen worden waren, packten sie und ihr Mann erneut die Koffer. Er 68 Jahre alt, sie 60 Jahre alt, kamen sie in Echzell an und begannen, ein Haus zu bauen. Von Anfang an entstand ein guter Kontakt zu den Nachbarn, die ebenfalls gerade Bauherren waren. Den Kontakt zu den übrigen Echzellern knüpfte sie schnell durch Vereinsmitgliedschaften, wo immer wieder der Sport im Mittelpunkt stand. Doch auch bei den Landfrauen sei sie Mitglied gewesen, verrät die Jubilarin. Mit 70 Jahren habe sie noch ihr Sportabzeichen abgelegt, und bis zum 90. Geburtstag besuchte sie Englisch-Kurse an der Volkshochschule, denn auch geistig müsse man fit bleiben - und das ist Christa Jäckel bis heute.

Sport noch bis vor einem Jahr

Körperlich musste sie nach einer Hüftoperation im Jahr 2004 zurückstecken, weil sie anschließend Gehhilfen brauchte. Trotzdem oder gerade deswegen besuchte die rastlose Rentnerin bis zu ihrem 99. Geburtstag noch den »Trittfest«-Kurs. Seit etwa einem Jahr ist sie nun jedoch auf den Rollstuhl angewiesen. »Von heute auf morgen konnte ich nicht mehr laufen«, sagt sie und betont, wie wichtig doch der Sport für sie war. Dabei wirkt sie aber nie verzagt oder niedergeschlagen.

Die letzte große Geburtstagsparty gab es zu ihrem 90., damals feierte ihr Ehemann Herbert noch mit, doch er verstarb vor acht Jahren. Nun wird kleiner gefeiert, sagt die Jubilarin und freut sich darauf, unverzagt und zuversichtlich.

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