Die Nazi-Verbrechen nicht vergessen: Miriam und Paul Scherer aus Chicago, die im Jahr 2015 zu Besuch in Echzell weilten. FOTO: DR: JOCHEN DEGWITZ
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Die Nazi-Verbrechen nicht vergessen: Miriam und Paul Scherer aus Chicago, die im Jahr 2015 zu Besuch in Echzell weilten. FOTO: DR: JOCHEN DEGWITZ

"Mit der Vergangenheit beschäftigen"

  • vonred Redaktion
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Echzell(pm). Unter Rufen wie "Komm her, jetzt kannst du dich rächen!", zog am Abend des 8. November 1938 auch in Echzell eine wütende Menschenmasse von der Synagoge zu Wohnhäusern jüdischer Mitbürger, um zu plündern, zu verwüsten und gewalttätig gegen diese vorzugehen. An diese Nacht und an die vielen Grausamkeiten des Alltags, zu denen auch Echzeller während der Nazi-Zeit fähig waren, vor allem aber an die 59 jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung erinnert heute in Echzell ein von Alf Seckel geschaffenes Mahnmal.

"Hier hat der Künstler mit seinen gesichtslosen, kreatürlichen Figuren es sicherlich meisterhaft verstanden, uns seine Version der aus den Häusern Vertriebenen, der in die Gaskammern Getriebenen eindrücklich vor Augen zu führen", schreibt dazu der Arbeitskreis "Jüdisches Leben in Echzell". "So sollten wir anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht die Erinnerungen, die dieses Mahnmal weckt, so grausam sie auch sein mögen, zulassen, sie zulassen, um daran zu denken, wozu Menschen schlimmstenfalls in der Lage sind." Es gelte, sich mit dieser Vergangenheit zu beschäftigen, um solche Unmenschlichkeit heute und in Zukunft zu vermeiden. Daher lädt der Arbeitskreis "Jüdisches Leben in Echzell" alle Echzeller Bürgerinnen und Bürger ein, diesen Gedenktag zum Anlass zu nehmen, sich mit der Geschichte der ehemaligen jüdischen Mitbürger zu beschäftigen und zum Gedenken das Mahnmal zu besuchen. Denn der Arbeitskreis hat sich aufgrund der derzeit stark steigenden Zahl von Corona-Infektionen entschieden, keine gemeinsame Gedenkfeier zu veranstalten.

Dass dieses Mahnmal "mit der Erinnerung und der Bewusstwerdung der eigenen Schuld die Aussöhnung vor allem mit denen, die den Holocaust überlebten, und jetzt auch ihren Kindern und Enkeln, möglich macht", habe nicht zuletzt der Besuch von Miriam und Paul Scherer aus Chicago im Jahr 2015 gezeigt. Miriam Scherer ist die Enkelin von Sali Wormser, der in der Lindenstraße 12 unter der Firma Kaufmann Rossmann einen Einzelhandel betrieb und der lange Vorsitzender der jüdischen Gemeinde und Mitgründer und Vorstandsmitglied des SV 1920 Echzell war. Sie und ihr Mann waren sehr berührt von der Darstellung des Mahnmals und versicherten, wie wichtig den Nachfahren der Opfer die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des Holocaust ist.

Daher würden sich die Mitglieder des Arbeitskreises freuen, wenn viele auch dessen Internet-Seite http://juedisches- echzell.de nutzen würden, um sich dort zu informieren und die Erinnerung wachzuhalten. Von Interesse ist sicher auch die von Dr. Jochen Degkwitz erarbeitete herunterladbare Broschüre zur Geschichte einzelner jüdischer Familien, die anhand eines Rundgangs durch Echzell nachvollzogen werden kann.

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