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Landfrauen auf Zeitreise

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Echzell(sax). Auf "eine Reise durch Zeit und Raum" werde man die Zuschauer mitnehmen, kündigte Johanna Hennig an, die gemeinsam mit Thorsten Schuhmacher durch das Programm der Weibersitzung der Echzeller Landfrauen führte. Dem Publikum in der voll besetzten Horlofftalhalle wurde ein üppiges Programm geboten, das von Tänzen und Musik bestimmt war.

Wer meint, Landfrauen seien von gestern, konnte sich in Echzell vom Gegenteil überzeugen. Seit Jahren organisieren der Verein in der kleinen Gemeinde eine Faschingskampagne, die den Vergleich mit den großen der Region nicht zu scheuen braucht. Besonders zum Weiberfasching nehmen die Besucherinnen auch weitere Anreisen in Kauf.

Sie werden mit einem Programm belohnt, das absolut sehenswert ist. Das beginnt schon bei den ebenso aufwendigen wie gelungenen Kostümen. Gleich mehrfach wechselte das Moderatorenduo die Rollen. Traten zunächst Bonnie Tyler und Freddy Mercury auf, folgten später Stan Laurel und Oliver Hardy, Cher und Elton John sowie Queen Elisabeth I. und Napoleon Bonaparte. Dass diese beiden nicht aus einer Geschichtsepoche stammen, mag man den Akteuren nachsehen. Schließlich stand der Spaß an prächtigen Kostümen im Vordergrund.

Rosa Kaninchen reist durch die Zeit

Dem frönten auch die zahlreichen Tanzgruppen, die das Programm prägten. Dass die Echzeller Landfrauen einschließlich der Garde und dem Männerballett "Men Power" allein sechs davon auf die Bühne brachten, zeigt, wie lebendig der Verein gegenüber vielen anderen (nicht nur Landfrauen-)Vereinen ist und verdient höchste Anerkennung.

Viele Tanzgruppen griffen das Motto Zeitreise auf. So zeigte der Tanzkreis der Landfrauen in 50-Jahres-Schritten, wie sich Mode, Tanz und Feiern zwischen 1870 und 2020 verändert haben. Schön war dabei die Idee, durch ein rosa Kaninchen die Zeitsprünge einleiten zu lassen. Vergleichbar genial präsentierten "New Age" aus Erbstadt Spielzeuge und Unterhaltungsmedien vergangener Jahrzehnte bis heute. Da tauchte der Zauberwürfel "Rubik’s Cube" neben Monchichis und Facebook auf.

"Men Power" deuteten eine Reise in die Zukunft an. Als Eisbären und Pinguin sprachen sie die Folgen des Klimawandels an. Dabei dürfte das Barbecue im Winter noch zu den Angenehmeren gehören. Und die "20 Grad im Februar" seien inzwischen nicht mehr weit von der Gegenwart entfernt.

Sportlich präsentierten sich die "Knallfrösche" aus Dorheim, wenngleich ihr Auftritt zunächst scheinbar verschlafen begann. In Nachthemd und Schlafmütze auf der Bühne liegend bedienten sie in gewisser Weise ein Klischee. Doch spätestens als sie unter dem Johlen des Publikums zu Joe Cockers "You can leave your hat on" langsam das Nachtzeug auszogen, war klar, dass die Frauen etwas geboten bekamen. Auf Trampolinen machten die "Knallfrösche" ihrem Namen alle Ehre. Sehr bemerkenswert ist die ausgelassene Stimmung bei der Echzeller Weibersitzung. Schon bald nach Beginn tanzten viele Besucherinnen zunächst auf den Stühlen und später auch auf den Tischen. Immer wieder fanden sich Paare zum Tanz vor der Bühne zusammen.

Doch auch die Wortbeiträge lohnten den Besuch: So zeigen Katharina Musch und Monique Huber als Helene und Adelheid, dass die Frauen den Männern nicht grundsätzlich im Spaß an zotigen Witzen nachstehen. Umgekehrt beweisen Pascal Roos, Adrian Lehnhard, Lukas Geck und Kevin Hergenröther auf der Männertoilette, dass auch Männer multitaskingfähig sind. Sofern man die Hände sorgfältig untereinander verteilt, können drei Männer durchaus gleichzeitig Bier trinken, Zigarette rauchen und dabei noch Wasser lassen.

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