Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch im Gespräch mit Alexander Repp. 	FOTO: PRW
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Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch im Gespräch mit Alexander Repp. FOTO: PRW

»Kleine Finanzspritze« werde nicht reichen

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Echzell/Wetteraukreis (prw). Bei einem Gespräch mit Alexander Repp, Geschäftsführer der Metallbau Repp GmbH in Echzell und Obermeister der Metall-Innung des Wetteraukreises, hat Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch erfahren, wie Handwerksbetriebe durch die aktuelle Krise kommen.

Die Firma Repp ist in der Region verwurzelt. 1972 von Klaus Repp gegründet, wächst jetzt die dritte Generation heran. Die Metallbearbeitung liegt in der Familie: Alexander Repps Großvater war Schlosser bei der Bahn. »Wir sind ein Familienbetrieb. Ich habe bei meinem Vater gelernt, mein Sohn und meine Tochter lernen bei mir«, berichtete Alexander Repp, der auch Landesinnungsmeister des Fachverbandes Metall Hessen ist.

Dass es derzeit Förderprogramme für die von Umsatzeinbrüchen stark strapazierten Unternehmen gibt, sei »gut und richtig«, wie Repp sagte. Wichtig wäre in seinen Augen aber auch, dass Betriebe, die keine Umsatzeinbrüche haben, in Sachen Ausbildung unterstützt werden und nicht noch zusätzliche bürokratische Hürden zu nehmen haben, sagte er zur Kreisbeigeordneten. »Immerhin fehlen auch Berufsbörsen, Praktika und viele andere Quellen, um passende Auszubildende zu finden.«

Zwar dürften Betriebe des Metallhandwerks weiterhin ihrer Arbeit nachgehen, dennoch habe die Branche mit den Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen. Die Situation habe sich weiter verschlechtert; die Erwartungen für dieses Jahr seien getrübt. Repp: »Die Krise hat nicht nur Friseure und Gastronomen erwischt. Ich sehe, was sie vor allem mit den kleineren Betrieben gemacht hat. Eigenkapital, das sich manch einer über die Jahre hinweg aufgebaut hat, ist jetzt weg.« Gerade bei den Feinwerkmechanikern habe sich die Situation deutlich verschärft. Aber auch das Metallbauerhandwerk sei zunehmend von zurückgehenden Auftragseingängen, stornierten Aufträgen sowie unterbrochenen Lieferketten betroffen. Repp kritisiert dabei insbesondere die seiner Ansicht nach »ungleiche Behandlung« bei den Überbrückungshilfen: »Zum einen reichen die bisher vorgesehenen Gelder bei weitem nicht aus. Gleichzeitig ist es besonders für die kleinen Betriebe sehr schwierig, überhaupt diese Hilfen zu erhalten.« Daher sei auch die Investitionslaune in der Branche sehr verhalten.

Handwerksbetriebe benötigten zukunftsfähige Standorte, die kurzfristig verfügbar und langfristig bezahlbar seien. Auch müsse die digitale Infrastruktur stimmen. »Handwerk braucht Mobilität, deshalb brauchen erfolgreiche Wirtschaftsstandorte eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur. Auch die Berufsorientierung in den Gymnasialzweigen muss weiter in den Fokus rücken«, unterstrich Repp.

Wie Becker-Bösch betonte, seien die Handwerksbetriebe das tragende Gerüst der Wirtschaft. »Wenn sie wegbrechen, dann fehlt der Unterbau unseres Mittelstandes.« Eine »kleine Finanzspritze« werde die Betriebe nicht über das Jahr retten, es brauche ein auf Dauer angelegtes Förderprogramm für die mittelständische Wirtschaft. Die Sicherung der Arbeitsplätze müsse dabei im Zentrum stehen, ohne Gießkannenprinzip. Der Wetteraukreis könne etwa durch den Aufbau eines Krisenfonds helfen, meinte die SPD-Politikerin.

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