1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Echzell

Heiraten im Heimatmuseum – oder lieber im Hubschrauber?

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die Echzeller Standesbeamten (v. l.) Olga Kern, Markus Weißenfels, Diana Zastrow und Bürgermeister Wilfried Mogk gehen neue Wege, nachdem die Gemeinde im Heimatmuseum ein Trauzimmer eingerichtet hat.	(Foto: kai)
Die Echzeller Standesbeamten (v. l.) Olga Kern, Markus Weißenfels, Diana Zastrow und Bürgermeister Wilfried Mogk gehen neue Wege, nachdem die Gemeinde im Heimatmuseum ein Trauzimmer eingerichtet hat. (Foto: kai) © Ines Dauernheim

Echzell (kai). Immer weniger Menschen haben sich in den vergangenen Jahren in Echzell trauen lassen. Die Gemeinde hat reagiert. Und wie!

Echzell geht mit Brautpaaren neue Wege: Geheiratet werden kann künftig in der Luft hoch oben über der Gemeinde und im Heimatmuseum. Wie in vielen anderen Kommunen gingen Jahr für Jahr in Echzell die Trauungen zurück. »Bis 2004 hatten wir jährlich 40 Eheschließungen«, sagt Standesbeamtin Olga Kern. Im vergangenen Jahr waren es gerade noch acht. »Allerdings hatten wir 19 Anmeldungen zur Eheschließung«, ergänzt Markus Weißenfels, der seit einem Jahr Standesbeamter ist. Elf Paare entschieden sich für eine Hochzeit außerhalb ihres Wohnortes. »Wir müssen den Bürgern entgegenkommen«, sagen Kern und Weißenfels. Kreativität ist gefragt.

Als erstes ermöglichen die vier Standesbeamten der Gemeinde den Brautpaaren in Echzell, an jedem gewünschten Tag zu heiraten. »Wir hatten eine Hochzeit am 3. Oktober und eine an Silvester.« Für 2016 haben sie bereits drei angemeldete Trauungen, alle an einem Samstag. »Noch vor einem Jahr hätten wir den Paaren absagen müssen.« Die Silvester-Trauung war die erste im neuen Trauzimmer im Heimatmuseum. Dort richtete die Gemeinde im Erdgeschoss ein Hochzeitszimmer ein: Ein großer schwarzer Tisch, bequeme Stühle fürs Brautpaar und die Gäste sowie Kerzen und allerlei Herzen zur Dekoration.

Den Raum könne sich das Paar ausschmücken, wie es mag. Der Gemeindevorstand gab das Okay für das neue Trauzimmer. »Das Ambiente stimmt, im Frühling und Sommer bietet das Museum mit der Jupitersäule eine ideale Kulisse für Fotos«, sagt Weißenfels.

Er suchte weiter nach etwas Besonderem für Echzell und fand einen Flyer aus St. Augustin bei Bonn. »Dort ist es möglich, im Helikopter über der Stadt zu heiraten«, erzählt der Standesbeamte. Er erkundigte sich, wie das dort funktioniert. Und beschloss: »Das kann Echzell auch anbieten.« Am Reichelsheimer Flugplatz wurde er fündig, von dort aus geht er künftig mit den Brautpaaren in die Luft. Das Ja-Wort geben sie sich im Echzeller Luftraum, nach der Landung geht’s nach Echzell, damit dort die Urkunden unterschrieben werden. Die Standesamtsaufsicht beim Kreis und das Regierungspräsidium gaben grünes Licht, der Gemeindevorstand befürwortete die Idee. »Ehe die Beschlüsse gefasst wurden, absolvierten wir einen Probeflug«, verrät Weißenfels. Gemeinsam mit Kern und Bürgermeister Wilfried Mogk, der ebenfalls als Standesbeamter aktiv ist, testeten sie, ob das Ja-Wort im Helikopter zu verstehen ist. »Bei der Hochzeit ist das gesagte Ja entscheidend«, erklärt Kern.

Dem Team der Standesbeamten ist es wichtig, den Paaren den Hochzeitstag so schön wie möglich zu gestalten. Die Hochzeit werde mehr und mehr zum Event. Viele Paare verzichten auf eine Trauung in der Kirche, da komme der standesamtlichen Trauung ein besonderer Stellenwert zu. »Wir sind völlig flexibel, möchten kein Paar in ein Schema pressen«, sagt Weißenfels. Klar, dass die Gemeinde für diese besonderen Angebote höhere Gebühren verlangt als zu einer Trauung zu den üblichen Dienstzeiten. Voller Vorfreude wartet Weißenfels auf die erste Hochzeit in der Luft.

Auch interessant

Kommentare